Jean-Marc Morandini: Auf Franzosen-Sender moderiert Sexualstraftäter

Redaktion
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Frankreich,

Ein verurteilter Sexualstraftäter moderierte weiter beim grössten französischen Nachrichtensender. Öffentlicher Druck bewegte ihn nun zum Rücktritt.

CNews
Nach wochenlangem Druck hat Jean-Marc Morandini seinen Rücktritt bei «CNews» bekanntgegeben. Ob der Rückzug endgültig ist oder ob Morandini weiterhin als Produzent tätig bleibt, liessen sowohl er selbst als auch die Konzernleitung offen. - Screenshot/X

Das Wichtigste in Kürze

  • Jean-Marc Morandini wurde wegen sexueller Belästigung Minderjähriger verurteilt.
  • Trotz Urteils moderierte er bis am Montag weiter beim Nachrichtensender «CNews».
  • Nach wochenlangem Druck gab der 60-Jährige schliesslich seinen Rücktritt bekannt.

Frankreichs grösster Nachrichtensender hielt an einem Moderator fest, der rechtskräftig wegen sexueller Belästigung minderjähriger Jungen verurteilt wurde. Jean-Marc Morandini (60) stand bis gestern weiterhin für die Sendung «Morandini Live» vor der Kamera – trotz eines Urteils zu zwei Jahren Haft auf Bewährung.

Nach wochenlangem Druck hatte der verurteilte 60-Jährige am Montagabend jedoch die Konsequenzen gezogen: Er verlässt den Sender «CNews». Das teilte die Sendergruppe in einem Schreiben mit. Demnach erklärte Morandini, er wolle sich zurückziehen, «um die für die Arbeit der Redaktion notwendige Ruhe wiederherzustellen.»

Kennst du den Sender «CNews»?

Der Schritt erfolgt nur wenige Wochen, nachdem die Leitung des Medienkonzerns Canal+ Morandini noch demonstrativ den Rücken gestärkt hatte. Mitte Januar hatte Generaldirektor Gérald-Brice Viret erklärt: «Jean-Marc Morandini ist auf Sendung – und er wird es bleiben.»

Welle der Empörung nach Verurteilung

Morandini war im Januar rechtskräftig verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Morandini einem 15-jährigen Jungen über Wochen hinweg mehr als 40 Nachrichten schickte. Darin stellte er ihm eine Karriere im Fernsehen in Aussicht, wenn dieser ihm Nacktfotos sende.

In einem weiteren Fall lockte er einen 16-Jährigen unter dem Vorwand eines Castings zu sich nach Hause, zeigte ihm pornografische Filme, fotografierte ihn nackt und forderte ihn zu sexuellen Handlungen auf. Weitere mutmassliche Fälle werden noch untersucht.

Dass Morandini dennoch auf Sendung blieb, hatte in Frankreich eine Welle der Empörung ausgelöst. Innerhalb von «CNews» forderten Mitarbeitergremien seine Absetzung, auch prominente Moderatoren des Hauses äusserten intern Kritik. Doch der Besitzer des Senders weigert sich.

Auf «CNews» dominieren rechte Meinungsmacher

Vincent Bolloré, Multimilliardär und einer der mächtigsten Medienunternehmer Frankreichs, ist für seine Unnachgiebigkeit bekannt. Widerstand in seinen Redaktionen hat er in der Vergangenheit ausgesessen.

Kritiker verliessen die Häuser, neue Mitarbeiter rückten nach. So verfuhr Bolloré bereits nach der Übernahme des Radiosenders «Europe 1» und der Sonntagszeitung «Journal du Dimanche».

Politisch verfolgt Bolloré seit Jahren ein klares Ziel. Mit seinen Medien will er der extremen Rechten zur Macht verhelfen. Auf «CNews» dominieren rechte Meinungsmacher, die vor einem angeblichen Niedergang des «christlichen Frankreichs» warnen und Migration sowie Islam als Bedrohung darstellen. Die Studios wirken oft wie ideologische Echokammern.

Vincent Bolloré CNews
Vincent Bolloré, Multimilliardär und einer der mächtigsten Medienunternehmer Frankreichs, ist für seine Unnachgiebigkeit bekannt und wollte am verurteilten Moderator festhalten. - Keystone

Gerade deshalb wirkte die Personalie Morandini wie ein Widerspruch zum moralischen Anspruch, den der Sender gerne propagiert. Eigentlich hätte er nach der Verurteilung aus dem Programm genommen werden sollen.

Stattdessen hielt Bolloré an ihm fest. In Medienkreisen heisst es, Morandini geniesse seine Loyalität, weil er schon für Bollorés Medien arbeitete, als dieser noch kein dominanter Akteur der Branche war.

Parteien boykottieren die Sendung «Morandini Live»

Vor dem Rücktritt von Morandini spürten andere bekannte Gesichter, dass Kritik an dem bei «CNews» arbeitenden Morandini Konsequenzen hat. Aus dem Sender ausgeschieden war etwa Sonia Mabrouk. Sie galt als eine der wenigen Moderatorinnen, die auch mit linken Politikern sprach.

Nachdem sie öffentlich sagte, sie könne «seit Tagen nicht mehr schlafen», weil sie den Arbeitsplatz mit einem verurteilten Sexualstraftäter teile, kam es hinter den Kulissen zum Eklat. Kurz darauf verliess sie den Sender.

Marine Le Pen
Sogar der rechtsextreme Rassemblement National von Marine Le Pen mied Auftritte bei «Morandini Live» - keystone

Auch weitere prominente Moderatoren wie Laurence Ferrari und Pascal Praud sprachen sich gegen Morandinis Verbleib aus. Doch sie gelten für Bolloré als strategisch unverzichtbar – insbesondere mit Blick auf die Präsidentschaftswahl 2027 und die politischen Kulturkämpfe, die seine Medien weiter befeuern sollen.

Auch politisch hatte der Fall seine Folgen. Der rechtsextreme Rassemblement National von Marine Le Pen mied Auftritte bei «Morandini Live». Andere Parteien boykottierten die Sendung seit dem Urteil ohnehin.

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