Die USA, Deutschland, Frankreich und Grossbritannien erhöhen im Atom-Streit den Druck auf den Iran. Die Staats- und Regierungschefs der Länder fordern eine komplette Rückkehr zum Atomabkommen.
Berlin, Paris, London und Washington sehen die Ausweitung des iranischen Atomprogramms mit Besorgnis. Foto: Oliver Weiken/dpa
Berlin, Paris, London und Washington sehen die Ausweitung des iranischen Atomprogramms mit Besorgnis. Foto: Oliver Weiken/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Vor einer Wiederaufnahme der Atomverhandlungen mit dem Iran haben die USA, Frankreich, Grossbritannien und Deutschland den Druck auf Teheran nochmals erhöht.

Ohne eine rasche Rückkehr zum Atomabkommen könnte «eine gefährliche Eskalation» drohen, warnten die Staats- und Regierungschefs der Länder. Sie drückten angesichts einer Ausweitung des iranischen Atomprogramms ihre «grosse und wachsende Besorgnis» aus, wie aus einer gemeinsamen Erklärung von US-Präsident Joe Biden, Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron, Grossbritanniens Premierminister Boris Johnson und der geschäftsführenden Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hervorgeht.

Nur durch die Rückkehr zu dem internationalen Abkommen sei «eine gefährliche Eskalation zu vermeiden, die im Interesse keines Landes liegt», erklärten sie am Samstag nach einem Treffen zum Iran am Rande des G20-Gipfels führender Wirtschaftsmächte in Rom. «Wir haben unserer Entschlossenheit Ausdruck verliehen, zu gewährleisten, dass Iran niemals Kernwaffen entwickeln oder erwerben kann», hiess es. Die US-Regierung hatte vorab erklärt, es gehe bei dem Treffen darum, durch eine geschlossene Haltung Druck auf den Iran zu machen. Teheran will die Atomverhandlungen in Wien im November wieder aufnehmen.

Produktion ausgebaut

Der Iran habe sein Atomprogramm zuletzt ausgebaut, etwa durch die Produktion hochgradig angereicherten Urans, wofür es keinen «glaubwürdigen zivilen Bedarf» gebe, hiess es. Dies sei jedoch wichtig für Kernwaffenprogramme, was unterstreiche, dass Irans Atomprogramm ein Risiko für die internationale Sicherheit sei, hiess es weiter. «Diese Schritte sind umso alarmierender angesichts der Tatsache, dass Iran gleichzeitig die Zusammenarbeit und Transparenz gegenüber der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) zurückgefahren hat.»

Merkel sagte am Samstag nach dem Treffen, es vergehe mehr Zeit «und die Anreicherungen werden im Iran fortgesetzt. Das beunruhigt uns sehr.» Aus diesem Grund sei es an der Zeit gewesen, «darüber zu sprechen, was man tun kann, damit die Bewaffnung des Iran mit Nuklearwaffen nicht stattfindet». Sie fügte hinzu: «Wir setzen natürlich auf eine Rückkehr des Iran an den Verhandlungstisch.»

Die vier Staaten erklärten, die USA seien bereit, zu dem Abkommen zurückzukehren und es «uneingeschränkt» einzuhalten. Dies würde auch die Aufhebung der Sanktionen ermöglichen, was die schwächelnde iranische Wirtschaft ankurbeln würde, hiess es. «Das wird nur möglich, wenn Iran umsteuert.» Irans gegenwärtiger Kurs gefährde die Möglichkeit einer Rückkehr zum Atomabkommen, hiess es weiter.

Wer bewegt sich zuerst?

Ein Knackpunkt bei den Verhandlungen war zuletzt die Frage, wer sich zuerst bewegen muss: Sollen zunächst die Amerikaner ihre Sanktionen aufheben oder die Iraner die Ausweitung ihres Atomprogramms rückgängig machen? In der Frage ist noch keine Einigung in Sicht.

Die seit April laufenden Gespräche zur Wiedereinsetzung des Atomabkommens von 2015 in Wien waren nach der iranischen Präsidentenwahl im Juni und dem darauffolgenden Regierungswechsel unterbrochen worden. Hintergrund der Gespräche ist, dass sich die USA unter Ex-Präsident Donald Trump 2018 einseitig von dem Abkommen verabschiedet hatten und viele neue Sanktionen gegen den Iran beschlossen. Daraufhin begann Teheran, sein Atomprogramm wieder auszuweiten. Die verbliebenen Vertragspartner bemühen sich in den Wiener Gesprächen um eine Wiederbelebung des Paktes.

Das Abkommen sollte den Bau iranischer Atomwaffen verhindern. Im Gegenzug sollten die Sanktionen aufgehoben werden, die Irans Wirtschaft zu schaffen machen. In Wien verhandelten zuletzt die verbliebenen Vertragspartner China, Frankreich, Grossbritannien, Russland, Deutschland und die EU mit dem Iran. US-Diplomaten sind nur indirekt an den Gesprächen beteiligt. Die US-Regierung hat betont, man wolle den Verhandlungen eine Chance geben, aber die Zeit dränge.

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