Der deutsche Ökologe und Klimaforscher Hans-Otto Pörtner hat mit Blick auf den neuen Bericht des Weltklimarats IPCC einen erheblichen Rückstand beim Klimaschutz hingewiesen.
Vertrockneter Mais im Sommer 2019
Vertrockneter Mais im Sommer 2019 - AFP/Archiv

Das Wichtigste in Kürze

  • Anpassung bei fortschreitender Erwärmung immer weniger möglich.

«Die grosse Lücke in der Umsetzung gilt es zu schliessen», sagte Pörtner zum neuen IPCC-Sachstandsbericht zu Klimafolgen und -anpassung, dessen zuständige Arbeitsgruppe er leitet. Er verwies auf klare Grenzen der Anpassungsmöglichkeiten, wenn die Erwärmung ein bestimmtes Ausmass überschreitet.

Noch seien effektive Anpassungsmassnahmen an die Erwärmung möglich, sagte Pörtner, doch sei eine entscheidende Botschaft des neuen Berichts auch, «dass sich dieses Zeitfenster schliesst und wir keine Zeit haben zu warten». Ein wesentlicher Punkt sei dabei der drohende Zusammenbruch natürlicher Ökosysteme wie Wälder in tropischen, aber auch in nördlichen Erdregionen, die bisher als CO2-Speicher dienen.

Der Wissenschaftler des Alfred-Wegner-Instituts (AWI) in Bremerhaven wies darauf hin, dass in Modellen zum Klimaschutz bislang von einem deutlichen Abfall der Emissionen ab 2020 ausgegangen worden sei, derzeit aber «sehen wir das Gegenteil». Nichtstun und das Ignorieren wissenschaftlicher Erkenntnisse aber gleiche einem «ständigen Überfahren von roten Ampeln». Es müsse davon ausgegangen werden, dass künftig bestimmte Regionen der Erde nicht mehr bewohnbar sein würden und dass «der Mensch Lebensraum aufgeben muss».

Als entscheidende Leistung des neuen Berichts wertete es Pörtner, unterschiedliche Bereiche wie Klimafolgen, Schutz der Biodiversität aber auch soziale und städtebauliche Fragen zusammen zu denken. Pörtner drang auf Grundlage des IPCC-Berichts darauf, 30 bis 50 Prozent der Landes- und Meeresfläche unter Schutz zu stellen, wobei dies eine nachhaltige Nutzung nicht ausschliesse.

Wenn wir die Erderwärmung nicht begrenzen, «werden wir immer weniger Möglichkeiten haben, die Auswirkungen des Klimawandels zu reduzieren», sagte auch die deutsche Biologin Daniela Schmidt, die an der britischen Universität Bristol forscht. Mit steigenden Temperaturen werde in der Landwirtschaft vielerorts «irgendwann das Wasser ausgehen». Dem IPCC-Bericht zufolge dürften Anpassungsmassnahmen wie künstliche Bewässerung in der Landwirtschaft künftig durch zunehmenden Wassermangel beschränkt werden.

Die Auswirkungen des Klimawandels werden «dramatisch stärker werden, wenn wir 1,5 Grad Erwärmung überschreiten», warnte Schmidt. Sie mahnte auch dazu, bei Anpassungsmassnahmen wie zum Beispiel dem Bau höherer Deiche immer die gesamten Auswirkungen im Blick zu behalten, auch auf die Artenvielfalt und den Schutz natürlicher Ökosysteme. Wichtig sei, auch bei der Klimaanpassung «mit der Natur zu arbeiten».

Auf die besondere Betroffenheit ärmerer Menschen durch die Erderwärmung wies der Stuttgarter IPCC-Wissenschaftler Jörn Birkmann hin. Dies gelte sowohl für Menschen im globalen Süden als auch für vulnerable Gruppen in Europa, darunter sozial Schwache oder auch ältere Menschen. Der IPCC-Bericht zu Anpassung und Klimafolgen - der zweite Teil des aktuellen IPCC-Sachstandsberichts - wurde am Mittag in Berlin vorgestellt.

Mehr zum Thema:

Biodiversität Wasser Natur Erde