Der anstehende Brexit und der Handelsstreit zwischen den USA und China senkt den IFO-Geschäftsklimaindex. Die Stimmung in deutschen Unternehmen sinkt weiter.
ifo-geschäftsklimaindex
Laut IFO-Geschäftsklimaindex befindet sich die Wirtschaft an einem Stimmungstiefpunkt. - Keystone
Ad

Das Wichtigste in Kürze

  • Das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer hat eine Krisenstimmung signalisiert.
  • Laut IFO befindet sich das Geschäftsklima derzeit auf dem tiefsten Stand seit 2012.
  • Der aktuelle Pessimismus erinnert Experten zufolge an denjenigen der Finanzkrise.

Immer neue Spannungen im Handelsstreit und dazu das Schreckensszenario eines ungeordneten Brexit: Die Sorgen in den Unternehmen nehmen zu. Der IFO-Geschäftsklimaindex, das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer zeigt Krisenstimmung an.

In der deutschen Wirtschaft wächst angesichts der Brandherde im Welthandel der Pessimismus. Vor allem der Zollkonflikt zwischen den USA und China verunsichert die Unternehmen.

Der IFO-Geschäftsklimaindex fiel im August auf den tiefsten Stand seit 2012. Er sank um 1,5 Punkte auf 94,3 Zähler, teilte das Forschungsinstitut am Montag in München mit. Es ist der fünfte Rückgang des wichtigsten deutschen Konjunkturbarometers in Folge. Analysten hatten im Schnitt mit einem geringeren Rückgang gerechnet.

«Die Sorgenfalten der deutschen Wirtschaft werden immer tiefer», so Clemens Fuest, Präsident des IFO Institut für Wirtschaftsforschung. «Die Anzeichen für eine Rezession in Deutschland verdichten sich.» Nach einem Plus zu Jahresbeginn war die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal um 0,1 Prozent geschrumpft.

Pessimismus wie während der Wirtschaftskrise

«Ein ähnlicher Pessimismus unter den Industriefirmen war zuletzt im Krisenjahr 2009 zu beobachten», erklärte Fuest. In keiner der deutschen Schlüsselbranchen zeigten sich Lichtblicke.

Sinkt die Wirtschaftsleistung zwei Quartale in Folge, sprechen Ökonomen von einer «technischen Rezession». Es handelt sich in diesem Fall aber nur um eine sehr milde Rezession. Anders sähe es aus, wenn die Wirtschaft im Gesamtjahr gegenüber dem Vorjahr schrumpft. Damit wird jedoch derzeit nicht gerechnet.

Als grösste Belastung sehen Ökonomen den Handelskrieg zwischen den USA und China. «Der jüngste Schlagabtausch begräbt die Hoffnung auf eine konjunkturelle Erholung im wichtigen deutschen Absatzmarkt China», sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Es bestehe die Gefahr, dass der Konflikt zu einem Dauerzustand werde.

IFO-Geschäftsklimaindex greift auf Befragung von 9000 Firmen zurück

Doch nicht nur der Handelskrieg sorgt für Unsicherheit, sondern auch der Brexit. Der Bundesverband der Deutschen Industrie fürchtet, dass das Wachstum der deutschen Wirtschaft zum Erliegen kommt.

Dies, falls die Briten Ende Oktober ohne Abkommen aus der EU aussteigen. «Wir erwarten in diesem Jahr ein Wachstum von höchstens 0,5 Prozent. Im Falle eines harten Brexit Ende Oktober droht das Wachstum in Richtung Null zu gehen.»

Das Ifo-Geschäftsklima basiert auf der Befragung von etwa 9000 Unternehmen. Der Indikator gilt als verlässliche Schätzgrösse für das künftige Wirtschaftswachstum in der grössten Volkswirtschaft Europas.

Ad
Ad

Mehr zum Thema:

BrexitEU