Gisèle Pelicot: Denkweisen müssen sich verändern
Für die Französin Gisèle Pelicot müssen sich im Kampf gegen sexuelle Gewalt Denkweisen ändern. «Ich glaube, das geht nur über Bildung und über Respekt und Empathie füreinander», sagte die 73-Jährige dem Nachrichtenportal «ZDFheute.de». «Wir müssen diesen Kampf weiterführen. Wir dürfen nicht lockerlassen.»

Gisèle Pelicot war von ihrem damaligen Mann über knapp zehn Jahre immer wieder mit Medikamenten betäubt, missbraucht und Fremden zur Vergewaltigung angeboten worden. 2024 wurde ihr Ex-Mann zu 20 Jahren Haft verurteilt. 50 zumeist wegen schwerer Vergewaltigung mitangeklagte Männer verurteilte das Gericht zu Haftstrafen zwischen 3 und 15 Jahren.
Gisèle Pelicot wurde durch ihr entschiedenes Auftreten und ihre Entscheidung, den Prozess nicht hinter verschlossenen Türen zu führen, in Frankreich zur feministischen Ikone.
«Ich glaube, dass dieser Prozess das Bewusstsein in der Gesellschaft geschärft hat, wie Männer mit Frauen umgehen», sagte Pelicot dem ZDF. Er habe vieles ans Licht gebracht. «Das setzt sich bis heute fort, denn jeden Tag sehen wir die Tragödien im Zusammenhang mit chemischer Unterwerfung.» Der Begriff «chemische Unterwerfung» meint im Französischen die böswillige Betäubung mit Medikamenten oder Drogen.
Weil ihr damaliger Mann sie unter starke Drogen gesetzt hatte, bekam Pelicot von den zahlreichen Vergewaltigungen nichts mit. Heute sagt sie: «Es gab schon Warnsignale, ja, aber sie haben mich nicht wirklich alarmiert.» Immer wieder litt sie unter Aussetzern, besuchte deshalb mehrere Fachärzte, die Ängstlichkeit oder Vorboten von Alzheimer vermuteten. «Niemand hat etwas bemerkt. Man muss dazu sagen: Zu all diesen Arztterminen hat Monsieur Pelicot mich begleitet.»
Dass ihr Mann ihr etwas Derartiges antun konnte, war für Pelicot zunächst nicht vorstellbar. «Das war, als wenn ein Schnellzug in mich reinrast», erzählte sie dem ZDF. Im «Spiegel» meint sie: «Diese Geschichte hat mich zu einer Bestandsaufnahme meines Lebens gezwungen.»
Gisèle Pelicot hat über all das nun ein Buch geschrieben: «Eine Hymne an das Leben». Am Dienstag erscheint das gemeinsam mit der Journalistin und Autorin Judith Perrignon verfasste und von Patricia Klobusiczky aus dem Französischen übersetzte Werk auf Deutsch im Piper Verlag.
«Was passiert ist, kann ich ohnehin nicht vergessen. Also versuche ich, etwas daraus zu machen. Ich wollte nicht im Schmerz verharren, das Buch hat mir dabei geholfen», sagte sie dem «Spiegel». Mit ihrer Geschichte wolle sie auch zeigen, dass alle genügend Ressourcen hätten, um Schlimmes zu überstehen. «Kann jemand wie ich wieder Gefallen am Leben finden, wieder lachen? Ja. Ich bin der beste Beweis dafür.» Pelicot resümiert: «Die schwerste Zeit liegt hinter mir. Ich erlaube mir jetzt, wieder glücklich zu sein.» Mittlerweile hat sie auch eine neue Liebe gefunden.










