Gen-Z-Arbeitsloser (26) sorgt in Deutschland für Stunk

Etienne Sticher
Etienne Sticher

Deutschland,

Yannis (26) zelebriert seine Arbeitslosigkeit auf Tiktok. Der Sozialschmarotzer-Vorwurf ist ihm eigentlich egal.

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Yannis Berkard zelebriert sein Leben als Arbeitsloser und Bürgergeld-Bezieher. - instagram /@yanniswirdfame

Das Wichtigste in Kürze

  • Obwohl er gesund ist, will Yannis nicht arbeiten, er falle nicht auf die Propaganda rein.
  • Auf Tiktok zelebriert er seine Arbeitslosigkeit mit viel Schlaf und Freizeit.
  • Er hat 80'000 Follower – und sehr viele kritische Kommentare.

Die Generation Z ist faul. So lautet ein gängiges Vorurteil. Und der 26-jährige Jannis Berkard aus Hannover tut alles, damit das Vorurteil nicht verschwindet.

Er ist seit rund neun Monaten arbeitslos – und zelebriert das. Auf Tiktok veröffentlicht er Videos, in denen er lange schläft, entspannt und seine freie Zeit geniesst. Er bezeichnet sich als «Deutschlands hübschesten Arbeitslosen» und trägt ein Shirt mit der Aufschrift «Arbeitsloser des Jahres». Auf Tiktok folgen ihm fast 80'000 Leute, seine Videos haben insgesamt drei Millionen Aufrufe gesammelt.

In einem Video sagt er: «Es ist halb vier Uhr nachmittags, ich bin gerade aufgestanden und geniesse das Wetter auf dem Balkon.»

In einem anderen spielt er am Nachmittag Fussball oder sitzt am See. Zu einem weiteren schreibt er, dass sogar das Arbeitsamt bei ihm aufgegeben habe. «Arbeitslos sein und einfach das Leben geniessen», heisst es in einem anderen Clip. Oftmals verwendet er den Hashtag #stayarbeitslos.

Überleben kann er dank des Bürgergeldes von 563 Euro. Der Staat übernimmt zudem Strom- und Heizungskosten. Miete muss er keine bezahlen, da ihm seine Grossmutter ihre Wohnung geschenkt hat.

Sozialschmarotzer-Vorwürfe «sind mir relativ egal»

Das Zelebrieren des Lebens auf Kosten des Steuerzahlers kommt nicht immer gut an: Unter vielen der Videos finden sich kritische Kommentare. «Geh arbeiten und lieg uns nicht auf der Tasche», schreibt beispielsweise jemand. Einen Asozialen wie ihn solle man zum Arbeiten in den Steinbruch schicken, findet jemand anderes.

In der Reportage-Reihe «Ronzheimer – wie geht's Deutschland?» von Sat.1 erzählt Berkard, wie er arbeitslos wurde. Er habe als selbständiger Videoregisseur und Content-Creator gearbeitet. Er sei «kurz vor dem Burn-out» gewesen und habe darum «mehr entspannt». So sei er langsam in die Arbeitslosigkeit gerutscht.

Der Reporter spricht Yannis Berkard auf die Vorwürfe unter den Videos an: «Wenn alle sagen, du seist ein Sozialschmarotzer und lägest dem Staat auf der Tasche, macht das gar nichts mit dir?» Die Antwort: «Ne, eigentlich nicht, das ist mir relativ egal.»

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Yannis Berkard bezeichnet sich als hübschesten und faulsten Arbeitslosen Deutschlands. - Screenshot Sat.1

Reporter Ronzheimer findet diese Einstellung des 26-Jährigen «ziemlich egoistisch». Denn er sei «fit und gesund» und könnte deswegen arbeiten gehen. Doch Yannis findet, es stehe ihm zu, arbeitslos zu sein und Unterstützung zu erhalten. «So funktioniert eben das Gemeinschaftssystem nicht.»

Die Wohnung des 26-Jährigen sieht chaotisch aus, leere Flaschen und Pizza-Schachteln liegen überall rum. Er hat hohe unbezahlte Rechnungen. Ronzheimer sagt, Yannis habe wohl «den Überblick verloren».

Yannis sieht seine Arbeitslosigkeit laut eigener Aussage als «temporären Zustand». Grosses Interesse, einen Job zu finden, zeigt er aber nicht: Arbeiten, Bewerben, Studium und Abi bezeichnet er in einem Video als «Propaganda, auf die ich nicht reinfalle».

Findest du, dass Yannis das Bürgergeld gestrichen werden soll?

In einem anderen Clip schreibt er: «Arbeitslosigkeit hat viele Vorteile und Nachteile, aber deutlich mehr Vorteile.» Er sagt auch: «Ich sehe nicht viele Nachteile.»

Kommentare

Pueppi68

Ich kann den Frust vieler junger Menschen verstehen. Während normale Bürger immer mehr zahlen, vervielfachen große Konzerne und Superreiche ihre Gewinne und leisten oft kaum ihren fairen Beitrag. Banken werden trotz fragwürdiger Geschäfte gerettet, Medikamente teuer verkauft, und politische Fehlentscheidungen bleiben häufig ohne spürbare Konsequenzen.Viele haben deshalb das Gefühl, dass sich harte Arbeit kaum noch lohnt und das System nicht im Interesse der Mehrheit funktioniert. Deshalb möchten viele junge Leute nicht mehr unter diesen Bedingungen arbeiten – und dafür habe ich volles Verständnis. Ohne die Arbeit der breiten Bevölkerung gäbe es den Wohlstand schließlich nicht.

User #2574 (nicht angemeldet)

Bei uns arbeiten keine faule genzetler..Boss hatt das im Griff Gut so

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