Estland-Minister: «Kann sein, dass Putin aus dem Fenster springt»
Estlands Aussenminister Margus Tsahkna sieht nur noch zwei Optionen für Wladimir Putin: Verhandeln oder ein Sturz aus dem Fenster.

Das Wichtigste in Kürze
- Estlands Aussenminister Margus Tsahkna sieht schwindenden Rückhalt für Putins Krieg – selbst in russischen Machtkreisen.
- Er glaubt: Entweder er handle rational und verhandle, oder er springe bald mit seiner Familie aus dem Fenster.
Der estnische Aussenminister Margus Tsahkna (49) glaubt, dass Wladimir Putin (73) immer mehr unter Druck steht.
Nach seiner Einschätzung bröckelt die Unterstützung für den russischen Präsidenten – selbst in dessen engstem Umfeld.
Der Politiker hält deshalb sogar ein dramatisches Ende von Putins Herrschaft für denkbar.

Gegenüber dem «Redaktionsnetzwerk Deutschland» (RND) erklärt Tsahkna: «Selbst im Kreis der Oligarchen zweifeln mehr und mehr Menschen an Putins Krieg.»
Viele, die vor einem Jahr noch von einem russischen Sieg gesprochen hätten, glaubten inzwischen nicht mehr daran.
Seine Einschätzung begründet der estnische Aussenminister mit mehreren Entwicklungen. So zeigten die westlichen Sanktionen Wirkung.
Gleichzeitig schlägt die Ukraine immer tiefer auf russischem Territorium zu. Dadurch bekämen auch die Menschen in Russland die Folgen des Krieges direkt zu spüren.
Tsahkna rechnet mit wachsendem Druck auf Putin
Tsahkna sagt gegenüber dem RND: «Mittlerweile spürt jeder Russe, dass dieser Krieg nicht irgendwo weit entfernt stattfindet, sondern das eigene Land erreicht hat.»
«Putin könnte seine Ziele ändern und ernsthafte Verhandlungen aufnehmen – wenn er rational handelt», mahnt er.
Oder aber Putins Herrschaft nehme ein Ende: «Es kann aber genauso gut sein, dass er eines Tages gemeinsam mit seiner Familie aus dem Fenster springt. So etwas kommt in Russland schliesslich vor», sagt der estnische Minister drastisch.
Damit spielt Tsahkna auf die ungeklärten Todesfälle russischer Politiker und Geschäftsleute an.
Zahlreiche Oligarchen starben bereits bei Stürzen aus dem Fenster. Die Umstände sind nicht geklärt, sorgten aber oftmals für Schlagzeilen, weil viele von Mord ausgehen.
Trumps Bemühungen waren laut Esten-Minister umsonst
Auch zu den Bemühungen von US-Präsident Donald Trump äussert sich der Aussenminister. Die Gespräche seien faktisch gescheitert.
«Putin hat Trump vor allem Zeit gekostet. Genau davor haben wir von Anfang an gewarnt», sagt er.
Eine unmittelbare militärische Bedrohung für die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen oder für Polen sieht Tsahkna derzeit jedoch nicht.
«Eine gross angelegte Invasion in den kommenden Wochen halte ich für ausgeschlossen. Dafür fehlen Russland die Kräfte», sagte er.
Dennoch mahnt er zur Vorsicht. Russland bleibe ein «gefährliches Land». Provokationen seien «jederzeit möglich».
Parlamentswahlen im September
Wie die Bevölkerung zu Wladimir Putin steht, zeigt sich im September. Dann kann die russische Bevölkerung nämlich rund die Hälfte des russischen Parlaments, der Duma, neu wählen.
Umfragen zufolge schneidet die Kreml-nahe Partei «Einiges Russland» schlechter ab als bei der vergangenen Wahl.
Doch echte Alternativen gibt es für die Russen nicht. Auch die anderen Parteien werden vom Kreml kontrolliert.

















