Gewalt

Diese Fälle führten zum Alkoholverbot an deutschen Bahnhöfen

Belinda Schwenter
Belinda Schwenter

Deutschland,

An deutschen Bahnhöfen gilt ab Mitte Oktober ein Alkoholverbot. Es soll für mehr Sicherheit sorgen. Denn in den letzten Jahren kam es zu schlimmen Vorfällen.

dautsche Bahn
An deutschen Bahnhöfen gilt bald ein Alkoholverbot. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Ab Mitte Oktober soll an allen deutschen Bahnhöfen ein Alkoholverbot gelten.
  • Die Deutsche Bahn will damit für mehr Ordnung und Sicherheit sorgen.
  • In den letzten Jahren kam es immer wieder zu Vorfällen durch alkoholisierte Personen.

Die Deutsche Bahn (DB) plant ein Alkoholverbot an allen 5400 Bahnhöfen in Deutschland. Die flächendeckende Umsetzung soll bis zum 15. Oktober 2026 abgeschlossen sein.

Heisst konkret: Künftig soll es bundesweit untersagt sein, auf Perrons oder in Bahnhofshallen ausserhalb der Bahnhofs-Restaurants Alkohol zu trinken.

Die DB wolle mehr Ordnung und Sicherheit auf ihren Bahnhöfen und in den Zügen. Bahnchefin Evelyn Palla sagte zur «Bild»: «Für mich zählt nur eins: Der Schutz unserer Kollegen und unserer Reisenden.»

Fühlst du dich an Schweizer Bahnhöfen sicher?

Die Deutsche Bahn verspricht sich von einem Alkoholverbot mehr Sicherheit und weniger Streitigkeiten unter Alkoholeinfluss.

Denn in den letzten Jahren kam es an deutschen Bahnhöfen immer wieder zu Vorfällen unter Alkoholeinfluss. Nur schon seit Beginn dieses Jahres lassen sich zahlreiche Zwischenfälle dokumentieren.

Handgreiflichkeiten durch Alkoholeinfluss

Just am letzten Samstag wurde eine einfache Ticketkontrolle zum Alptraum: Ein Bahn-Sicherheitsmitarbeiter (26) wurde bei einem Streit mit einem alkoholisierten Fahrgast lebensbedrohlich verletzt.

Der 36-jähriger Fahrgast soll den Sicherheitsmitarbeiter geschlagen und getreten haben. Wenige Augenblicke später stürzte der junge Mann aus dem rund 120 Stundenkilometer schnellen Zug. Er kämpft ums Überleben.

Ende Februar eskalierte die Kontrolle eines alkoholisierten Mannes im Kölner Hauptbahnhof. Mitarbeiter der Bahnsicherheit sprachen einen 42-Jährigen an, da er stark alkoholisiert wirkte. Der Mann reagierte aggressiv und versuchte, einen Mitarbeiter mit einem Tritt zu treffen. Als dies misslang, urinierte er auf den Bahnsteig.

Hinzugerufene Einsatzkräfte der Bundespolizei übernahmen. Der Mann spuckte einem eingesetzten Beamten gezielt ins Gesicht.

Doch damit nicht genug.

Ende Mai kam es auf dem Bahnhofsvorplatz des Rostocker Hauptbahnhofs zu einem aggressiven Zwischenfall. Mitarbeiter der Deutschen Bahn forderten einen 54-Jährigen auf, sein Gepäck nicht unbeaufsichtigt zurückzulassen.

Darauf reagierte der Mann aggressiv und schleuderte ein Veloschloss in Richtung der Sicherheitskräfte. Anschliessend nahm er einen Stuhl und ging in bedrohlicher Weise auf einen Mitarbeiter zu. Ein Atemalkoholtest ergab einen Wert von 0,15 Promille.

Nur wenige Tage später kam es an einem Hamburger S-Bahnhof zu einem grösseren Polizeieinsatz. Ein 23-Jähriger hielt sich im Gleisbereich auf und setzte sich nach Angaben der Bundespolizei auf die Abdeckung einer Stromschiene. Ein Atemalkoholtest ergab 2,70 Promille.

Zugpersonal wird angegriffen

Auch das Zugpersonal wird immer wieder von alkoholisierten Passagieren bedroht. Erst Mitte Juni wurde eine Zugbegleiterin bei einer Kontrolle von einem 36-jährigen Fahrgast attackiert.

Nachdem sie ihn darauf hingewiesen hatte, im Zug nicht zu rauchen, schlug er der Frau mehrfach ins Gesicht. Ein Atemalkoholtest ergab einen Wert von 2,36 Promille.

Bringt ein Alkoholverbot an Bahnhöfen etwas?

Zu einem tödlichen Vorfall kam es im April des vergangenen Jahres nach einem Streit am Bahnhof Ellwangen. Auslöser war, dass ein betrunkener 33-Jähriger einen abgesperrten Bahnübergang überquerte. Darauf habe ihn ein 59-jähriger Mann angesprochen.

Der 33-Jährige schlug daraufhin dem Mann erst mit der flachen Hand ins Gesicht. Später packte er ihn und warf ihn zu Boden. So fest, dass er mit dem Kopf im Bereich der Bahnkante aufschlug. Der 59-Jährige kam nach dem Vorfall ins Spital, wo er starb.

SBB plant kein Alkoholverbot

Im Gegensatz zur Deutschen Bahn sieht die SBB kein Bedarf eines Alkoholverbots. Gegenüber Nau.ch sagt Mediensprecher Moritz Weisskopf: «Die SBB setzt auf klare Regeln, Präsenz und gezieltes Einschreiten dort, wo störendes oder gefährdendes Verhalten Reisende oder Mitarbeitende beeinträchtigt.» Man setze daher nicht auf ein generelles Alkoholverbot an Bahnhöfen oder in Zügen.

Für die BB sei zentral, dass Kundinnen, Kunden und Mitarbeitende sicher unterwegs seien. Weisskopf ergänzt: «Mit der seit 2008 geltenden Verkaufsbeschränkung nach 22 Uhr und der schweizweit einheitlichen Bahnhofordnung verfügen wir über klare Regeln.»

Die Bahnhofordnung ermögliche es den Sicherheitsorganen der SBB, gezielt einzuschreiten, wenn Alkohol zu Störungen oder Gefährdungen führe.

Weiterlesen

Deutsche Bahn Bahnhof
72 Interaktionen
Sicherheit
deutsche bahn mitarbeiter
57 Interaktionen
Steigende Gewalt
Bodycam
11 Interaktionen
Für Sicherheit

MEHR IN NEWS

Blaulicht
Innertkirchen BE
Iran-Krieg
294 Interaktionen
USA prüfen Vorschlag
Igel
22 Interaktionen
02:44 Uhr

MEHR GEWALT

16 Interaktionen
Manila
Alexs Vanessa
Laute Kritik
Häusliche Gewalt
2 Interaktionen
«Tabu brechen»
paris
10 Interaktionen
In Paris

MEHR AUS DEUTSCHLAND

stade
Deutschland
Säugling
In Deutschland
Danger Dan
2 Interaktionen
Danger Dans Lied
3 Interaktionen
Nürnberg