Deutsche Polizei findet zwölf Sprengsätze an Stromtrassen
Nach Angriffen auf das Stromnetz in anderen deutschen Bundesländern hat die Polizei auch in Ostsachsen insgesamt zwölf Sprengvorrichtungen entdeckt. «Diese sollten Schäden an den elektrischen Hochspannungsleitungen durch einen Kurzschluss herbeiführen», teilten die Sicherheitsbehörden mit.

Die Sprengsätze seien «selbst hergestellt» worden. Spezialisten des Landeskriminalamtes hätten sie entschärft. «Zu einem tatsächlichen Schaden oder Beeinträchtigungen der Stromversorgung kam es nicht. Es besteht keine Gefahrenlage für die Bevölkerung», hiess es.
Fündig wurden die Ermittler im Bereich von Hochspannungstrassen südlich des Umspannwerks Bärwalde nahe Lippen sowie östlich des Umspannwerks Graustein nahe Schleife. Die Orte befinden sich in der Lausitzer Braunkohleregion nahe der Grenze zum ostdeutschen Bundesland Brandenburg. Ermittelt wird wegen des Verdachts des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion in Tateinheit mit versuchter Störung öffentlicher Betriebe und versuchter verfassungsfeindlicher Sabotage.
Die Polizei fahndet derweil weiter mit Hochdruck nach einem Mann, der Sabotageaktionen gegen das deutsche Stromnetz verübt haben soll. Unbekannt war zunächst, ob er auch mit diesen jüngsten Funden in Ostsachsen in Verbindung gebracht wird. Nach Angaben der Polizei Köln dauerte die Suche nach dem 48-Jährigen am Samstag an. Hintergrund der Fahndung sind zwei Bekennerschreiben, die bei mehreren Medienhäusern eingingen und auch der dpa vorliegen.
Dabei geht es um Vorfälle in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen – in allen drei Ländern wird noch Braunkohle abgebaut und verstromt. Zum Motiv des Verdächtigen sagte der deutsche Innenminister Alexander Dobrindt, es handele sich sehr wahrscheinlich um «Klimaterrorismus» eines Einzeltäters. In einem Bekennerschreiben heisst es: «Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen.»
Am Freitag hatten Beamte in der Wohnung des Tatverdächtigen in Gevelsberg (NRW) Sprengstoff gefunden. Später stürmte ein Spezialeinsatzkommando am Nachmittag im rund 100 Kilometer entfernten Niederzier in einem Wald einen Lastwagen, der augenscheinlich zu einem Wohnmobil umgebaut worden war. Der Gesuchte wurde aber nicht vorgefunden.










