Deutschland: Ehepaar gesteht Millionendiebstahl aus Münzautomaten

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Deutschland,

Mit einem tränenreichen Geständnis hat der Prozess um einen Millionendiebstahl aus Parkautomaten in Süddeutschland begonnen.

Kempten Münzautomat
Am Hildegardplatz in Kempten steht ein Parkscheinautomat. - keystone

«Ich habe viele Menschen enttäuscht. Ich bereue meine Taten zutiefst», sagte der 40-jährige Angeklagte im Landgericht Kempten im Allgäu (Bayern) und gab der Anklageschrift in allen Punkten recht. Demnach soll der ehemalige Mitarbeiter der Stadt binnen zehn Jahren mit Hilfe seiner 39-jährigen Frau rund 1,9 Millionen Euro (etwa 1,7 Millionen Franken) erbeutet haben. Auch seine Frau gestand.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Paar, das seit November vergangenen Jahres in Untersuchungshaft sitzt, gewerbsmässigen Diebstahl vor. Das Gesetz sieht dafür eine Höchststrafe von bis zu zehn Jahren Haft vor.

Der Angeklagte war im Tatzeitraum als Bauhofmitarbeiter für das Leeren der Parkscheinautomaten zuständig und räumte ein, von 2020 bis 2025 in 335 einzelnen Fällen gemeinsam mit seiner Frau insgesamt 1,34 Millionen Euro gestohlen zu haben. Er habe die Münzen aus dem Parkautomaten genommen, in Plastiksäcke gefüllt und mit nach Hause genommen. In anderen Fällen habe seine Frau das Geld am Automaten abgeholt.

«Anfangs waren es Münzen, später ganze Geldkassetten. Die Summe hat sich rasch gesteigert», sagte der Angeklagte. Seine Frau habe von Anfang an Bescheid gewusst. Als er zuletzt Zweifel an seinen Diebstählen bekommen habe, habe sie ihn zum Weitermachen ermutigt.

Auch seine Frau legte ein Geständnis ab. Sie stritt aber ab, ihren Mann zum Diebstahl ermutigt zu haben. Sie berichtete von psychischem Druck, der durch die Diebstähle entstanden sei. Weiter will sie auch erst zwei Jahre nach der ersten Tat erfahren haben, woher die Münzen kamen.

Laut Anklage hatte sie zur Einzahlung des Münzgelds erheblichen Aufwand betrieben und zur Verschleierung der Herkunft weitere Menschen eingebunden. Ausserdem soll sie sich bei ihrer Bank erkundigt haben, ob es bei Einzahlungen am Automaten auffallen würde, dass grosse Mengen an Münzen eingezahlt werden.

Die Münzen soll das Paar auf private Konten eingezahlt und sich dafür Supermarktgutscheine geholt haben. Inzwischen sei von dem Geld nichts mehr übrig, sagte der Angeklagte vor Gericht. «Unser Lebensstandard hat sich gesteigert, wir haben es für Luxusgüter ausgegeben.» Von Pferden, Autos und teurer Kleidung ist vor Gericht die Rede.

Völlig unklar blieb, wie der Angeklagte an den entscheidenden Schlüssel zum Öffnen der Geldkassette gelangen konnte. Verschiedene Bauhofmitarbeiter, die als Zeugen geladen waren, berichteten übereinstimmend: Ihre Aufgabe sei das Entnehmen der Geldkassette, mit dem Bargeld kämen sie aber gar nicht in Kontakt.

In Ausnahmefällen müssten sie aus technischen Gründen eine leere Kassette öffnen. Den Schlüssel dazu habe allein ein Vorgesetzter, der ihn gegen eine Unterschrift für kurze Zeit herausgebe. Der Angeklagte wiederum spricht von mangelnder Dokumentation. «Alle konnten jederzeit an alle Schlüssel gelangen. Es ist eine unbekannte Anzahl im Umlauf», sagte er.

Der Fall war im November bekanntgeworden, nachdem eine Bank wegen Geldwäscheverdachts die Ermittler eingeschaltet hatte. Warum das Fehlen des Geldes bis dahin niemandem aufgefallen war, wurde durch Nachfragen des Richters bei aktuellen und ehemaligen Bauhofmitarbeitern klar: Die fortlaufende Nummer der Parkautomaten-Quittung wurde früher nicht dokumentiert.

Mehr als 500 weitere Fälle seit dem Jahr 2015 sind mittlerweile verjährt, dafür können die Eheleute nicht bestraft werden. Das bei diesen mutmasslichen Diebstählen erbeutete Geld in Höhe von insgesamt fast 584.000 Euro soll aber ebenfalls von der Justiz eingezogen werden. Die Staatsanwaltschaft hat die Einziehung des gesamten Schadens in Höhe von etwa 1,9 Millionen Euro bei dem Paar beantragt.

Für den Prozess sind zwei weitere Verhandlungstage geplant, ein Urteil könnte am 21. Mai fallen. Die Stadt Kempten hat aufgrund der Ermittlungen ihre Parkraumbewirtschaftung geändert. So wurden Schlösser ausgetauscht, zusätzliche Kontrollen eingeführt und ein externer Dienstleister beauftragt.

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Kommentare

User #2495 (nicht angemeldet)

Die hätten einfach ein Gewerbe anmelden müssen, Kiosk ect, Geschäftskonto bei einer Bank eröffnen und fertig, wenn Gewerbetreibende Geld bei der Bank einzahlen kommt keiner auf dumme Gedanken, einziger Nachteil, sie hätten ihr geklautes Geld versteuern müssen. Was uns zeigt, dass es sich um Kleinkriminelle handelt an denen die Stadt Kempten nun ein Exempel statuieren möchte.

User #2468 (nicht angemeldet)

Gelegenheit macht Diebe. Für 1.9 Mio. Pferde , teure Autos .....Na ja , soo teuer waren die scheinbar nicht. Sonst wäre das Geld schneller weg gewesen. Scherz beiseite. Die Frage nach der Einzahlung sollte schon stuzig machen. Oder nicht ?

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