Vor zehn Jahren machte die deutsche Justiz in einer Münchner Wohnung einen Sensationsfund: Hunderte Kunstwerke wurden dort gefunden, teils wertvoll, teils von mutmasslich dubioser Herkunft. Ein Rückblick auf den Fall Gurlitt.
Das Namensschild von Cornelius Gurlitt an der Haustür in Salzburg. Foto: Barbara Gindl/APA/EPA/dpa
Das Namensschild von Cornelius Gurlitt an der Haustür in Salzburg. Foto: Barbara Gindl/APA/EPA/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • - 22.

September 2010: Cornelius Gurlitt wird auf einer Zugfahrt von Zürich nach München kontrolliert. Zollfahnder schöpfen Verdacht, es könne ein Steuerdelikt vorliegen.

- 28. Februar 2012: Gurlitts Wohnung in München-Schwabing wird durchsucht. Die Fahnder entdecken mehr als 1200 wertvolle Kunstwerke.

- 3. November 2013: Das deutsche Nachrichtenmagazin «Focus» bringt den Fall an die Öffentlichkeit und sorgt damit für eine Sensation.

- 28. Januar 2014: Die eingesetzte Taskforce «Schwabinger Kunstfund» gibt bekannt, dass nach einer ersten Sichtung 458 Werke aus Gurlitts Sammlung unter Raubkunstverdacht stehen.

- 10. Februar 2014: Es wird bekannt, dass weitere wertvolle Bilder in Gurlitts Haus in Salzburg gefunden wurden, darunter Werke von Picasso, Renoir und Monet.

- 7. April 2014: Gurlitts Anwälte unterzeichnen einen Vertrag mit der deutschen Regierung, in dem der Kunsthändler sich bereiterklärt, Bilder, bei denen es sich um Nazi-Raubkunst handelt, freiwillig zurückzugeben.

- 9. April 2014: Die Staatsanwaltschaft Augsburg gibt die beschlagnahmten Bilder nach mehr als zwei Jahren wieder frei.

- 6. Mai 2014: Cornelius Gurlitt stirbt im Alter von 81 Jahren in seiner Wohnung in München. Er vermacht seine Sammlung dem Kunstmuseum Bern.

- 19. Mai 2014: Gurlitt wird in Düsseldorf im Grab seiner Eltern beigesetzt.

- 21. November 2014: Es wird bekannt, dass das Kunstmuseum Bern das Gurlitt-Erbe annehmen will. Am selben Tag kündigt die Cousine von Cornelius Gurlitt, Uta Werner, an, das Testament anzufechten.

- Mai 2015: Die ersten beiden Bilder, die von der Taskforce als Raubkunst identifiziert wurden, «Zwei Reiter am Strand» von Max Liebermann und die «Sitzende Frau» von Henri Matisse, gehen an ihre rechtmässigen Besitzer.

- 25. Juni 2015: Das Gemälde «Zwei Reiter am Strand» wird für rund 2,6 Millionen Euro in London versteigert.

- Januar 2016: Die Taskforce stellt ihre Arbeit ein. Sie wird von einem Expertengremium abgelöst, das die Provenienzrecherche weiterführen soll.

- 15. Dezember 2016: Das Oberlandesgericht München erklärt Gurlitts Testament für gültig und weist die Forderungen seiner Cousine endgültig ab.

- 3. November 2017: In der Bundeskunsthalle in Bonn wird die Ausstellung «Bestandsaufnahme Gurlitt» eröffnet. Sie wird danach noch in Bern und Berlin zu sehen sein.

- 10. Dezember 2021: Knapp zehn Jahre nach der Beschlagnahmung der Sammlung Gurlitt gibt das Kunstmuseum Bern weitere Werke daraus zurück. Neun Werke aus der hunderte Bilder umfassenden Sammlung wurden den Angaben zufolge bislang restituiert, weil sich der Raubkunst-Verdacht bei ihnen bestätigt hatte.

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