Passagiere nerven sich über «falsche» Handy-Ladeanschlüsse
Viele Flugzeuge sind noch auf alte USB-A-Anschlüsse ausgelegt. Swiss und Edelweiss wollen ihre Kabinen nun schrittweise mit USB-C ausstatten.

Das Wichtigste in Kürze
- Viele Flugzeuge haben noch USB-A statt moderner USB-C-Anschlüsse.
- Das sorgt bei Passagieren mit neueren Smartphones immer wieder für Frust.
- Neue Flugzeuge und Kabinenumbauten sollen USB-C künftig bringen.
Noch vier Stunden bis zur Landung. Der Akkustand des Smartphones liegt bei 12 Prozent. Also greift der Passagier zum Ladekabel und sucht nach der Buchse am Sitz. Schnell ist sie gefunden – doch der Stecker passt nicht hinein.
Diese Situation lässt sich auf Flügen derzeit häufig beobachten. Der Grund: Viele Flugzeugkabinen stammen noch aus einer Zeit, in der USB-A der Standard war.
Moderne Smartphones dagegen werden fast ausnahmslos über USB-C geladen. Die Samsung-Galaxy-Modelle etwa verfügen bereits seit 2017 serienmässig über diesen Anschluss. Apple stattet seine iPhones seit 2023 mit USB-C-Ports aus.
Seit Ende 2024 ist USB-C in der EU sogar der verpflichtende Standard für neue Mobilgeräte.
Für Fluggäste mit neueren Handys bedeutet das oftmals: Wer keinen Adapter dabeihat, schaut beim Laden in die Röhre.
Auch Swiss und Edelweiss haben noch USB-A in der Kabine
Auch die beiden grössten Schweizer Fluggesellschaften Swiss und Edelweiss bilden hier keine Ausnahme: Der Grossteil ihrer Flotten verfügt aktuell über keine USB-C-Lade-Anschlüsse (siehe Übersicht weiter unten).
Wer etwa mit dem A340 fliegt, den beide Airlines auf der Langstrecke einsetzen, findet am Sitz nur einen USB-A-Anschluss vor. Das kann zu Verwirrung und gelegentlich auch zu Ärger führen.
Dem ist man sich bei Swiss durchaus bewusst. Den Wunsch, das Smartphone oder andere elektronische Geräte an Bord aufladen zu können, könne man sehr gut nachvollziehen. «Insbesondere, da die Nutzung von Powerbanks an Bord nicht erlaubt ist», sagt Sprecherin Silvia Exer-Kuhn zu Nau.ch.
Neue Airbus-Jets sollen USB-C bringen
Die gute Nachricht: Verbesserungen sind in der Pipeline!
So verfügen die zehn brandneuen Airbus A350, die Swiss schrittweise in den kommenden Jahren einführt, in sämtlichen Reiseklassen über USB-C-Anschlüsse.
Zwei dieser neuen Airbusse, die mit dem neuen Kabinenkonzept «Swiss Senses» ausgestattet sind, stehen bereits im Langstreckeneinsatz. «Wir rechnen damit, im laufenden Jahr zusätzliche A350 in unsere Flotte zu integrieren», sagt Exer-Kuhn.

Auch die älteren Langstreckenjets Airbus A330 und Boeing 777 erhalten in den kommenden Monaten und Jahren schrittweise ein Retrofit. «Mit dem Umbau der A330-Flotte werden wir in naher Zukunft beginnen», kündigt Exer-Kuhn an.
Heisst also: Jedes Flugzeug mit dem Kabinen-Update wird künftig über USB-C-Anschlüsse verfügen.
Edelweiss will Flotte bis 2027 modernisieren
Auch bei Edelweiss steht ein Umbau bevor. «Uns ist bewusst, dass sich USB-C zunehmend als Industriestandard etabliert», sagt Sprecher Andreas Marti. «Entsprechend arbeiten wir bereits daran, unsere Kurz- und Langstreckenflotte schrittweise zu modernisieren und künftig auch mit USB-C-Anschlüssen auszurüsten.»
Nach aktueller Planung soll die gesamte Flotte bis Mitte 2027 sowohl über USB-A als auch über USB-C verfügen.
Drei Airbus A320, die auf der Kurz- und Mittelstrecke eingesetzt werden, verfügen bereits in allen Sitzreihen über USB-C-Anschlüsse, sagt Marti. Ein weiteres Flugzeug folge im April.

Auch auf der Langstrecke stehen bei Edelweiss grössere Neuerungen an: Mit dem kommenden Kabinenumbau der Airbus-A350-Flotte soll jeder Sitz mindestens über USB-A und USB-C verfügen. «Die Anschlüsse liefern bis zu 60 Watt und ermöglichen damit auch das Laden von Laptops», so Marti.
In der Premium Economy und in der Business-Klasse werde das Angebot zusätzlich durch Wireless Charging und Universalsteckdosen ergänzt.
Umbauten dauern wegen Technik und Zertifizierung
Dass neue Ladeanschlüsse nicht einfach kurzfristig nachgerüstet werden können, hat technische und regulatorische Gründe.
Marti betont: Flugzeuge seien hochkomplexe Systeme, in denen «jede Komponente, bis hin zum Ladeanschluss im Sitz, strengen Sicherheits- und Brandschutzvorschriften unterliegt.»
Jede Änderung an der Bordelektronik sei zertifizierungspflichtig. Zudem müsse auch die elektrische Infrastruktur hinter dem Sitz auf die benötigte Leistung ausgelegt sein, erklärt der Sprecher.
Hinzu kommt die betriebliche Planung: Für Umbauten muss ein Flugzeug mehrere Tage aus dem Flugbetrieb genommen werden. Airlines kombinieren solche Arbeiten deshalb meist mit grösseren Wartungsereignissen. «Diese finden, je nach Flugzeugtyp, nur in mehrjährigen Abständen statt», sagt Marti.
Das erklärt, warum sich technische Standards in Flugzeugkabinen deutlich langsamer verändern als bei Smartphones. Während Mobilgeräte alle paar Jahre neue Anschlüsse erhalten, bleiben Sitze und Bordelektronik oft über ein Jahrzehnt oder länger im Einsatz.














