Das Sterben kranker Wildtiere geht vielfach über Wochen
Fünf Mal ist der Buckelwal in der Ostsee vor der deutschen Küste inzwischen in flaches Wasser geschwommen – befragte Meeresbiologen gehen davon aus, dass es sich um den gezielten Versuch eines geschwächten Tiers handeln könnte, gestützt von festem Grund auszuruhen.

Ein geschwächter Wal könne wahrscheinlich durchaus auch gewollt stranden, wenn ihm dies das Atmen erleichtere, hatte Boris Culik erklärt.
Auch der Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter geht davon aus, dass der Wal die ruhende Position im flachen Wasser womöglich immer wieder einnimmt, «weil er sich das Leben erleichtern will». «Er muss nicht dafür sorgen, dass er an die Oberfläche kommt. Er braucht sich nicht bewegen, wenn er Schmerzen hat. Und er kann atmen, die ganze Zeit.»
Ungewöhnlich ist solch ein Verhalten für Wildtiere nicht: Sie haben die Tendenz, sich bei Verletzungen zurückzuziehen und einen ruhigen Platz zu suchen, erklärte Andreas Kinser von der Deutschen Wildtier Stiftung. Ein verletzter Fuchs oder Dachs ziehe sich in seinen Bau zurück, ein angeschossenes Wildschwein verstecke sich in dichtem Unterholz.
Die Tiere blieben so lange in ihrem Versteck, bis es ihnen besser gehe – oder der Hunger zu gross werde, sagte Kinser. Sei ein Tier so verletzt, dass es nicht mehr fressen kann, könne sich sein Sterben über mehrere Wochen hinziehen. «Je grösser ein Tier, desto länger dauert das tendenziell.» Eine Maus sei wegen ihres schnelleren Stoffwechsels viel schneller am Ende ihrer Ressourcen als etwa ein Hirsch.
Auch Orientierungslosigkeit und Verhaltensänderungen seien bekannte Phänomene: «Ein schwerkranker Igel kann sich anders als sonst tagsüber sehen lassen», nennt Kinser ein Beispiel. Wenn es für ein Tier ums nackte Überleben gehe, werde anderes irrelevant. Typisch für in Rudeln lebende Arten wiederum sei, dass kranke Tiere ausgestossen würden.










