Die seltene englische Gebetsrolle gehörte vermutlich einem wohlhabenden Pilger. Sie gibt Einblick in Rituale, die wohl im 16. Jahrhundert in der ostenglischen Grafschaft Norfolk stattgefunden haben.
Fachleuten zufolge existieren nur noch einige Dutzend solcher Gebetsrollen weltweit. Foto: Gail Turner/British Archaeological Association/dpa
Fachleuten zufolge existieren nur noch einige Dutzend solcher Gebetsrollen weltweit. Foto: Gail Turner/British Archaeological Association/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Forscher in England haben eine rund 500 Jahre alte, seltene englische Gebetsrolle entdeckt und erforscht.

«Das Überleben einer so besonderen Rolle über 500 Jahre ist aussergewöhnlich», sagte der Kunsthistoriker Gail Turner, der seine Untersuchungen zu dem Objekt in der Zeitschrift der British Archaeological Association veröffentlichte. Während der Reformation seien solche Rollen, die für ihre Besitzer sehr wichtige Inspiration zum Beten gewesen seien, oft entsorgt worden. Fachleuten zufolge sollen nur noch einige Dutzend davon weltweit existieren.

«Die Studie stellt die christliche Ergebenheit im mittelalterlichen England dar», schreibt Turner. Die rund einen Meter lange, mit Texten und Zeichnungen versehene Gebetsrolle habe mutmasslich einem wohlhabenden Pilger gehört, bevor sie in den 1970er Jahren von einem privaten Sammler gekauft worden sei. Abnutzungsmerkmale zeigten, dass die Rolle von ihrem Besitzer geküsst oder regelmässig berührt worden sei - eine gängige Praxis mit diesen Objekten.

Das Stück gebe Einblick in Rituale, die im 16. Jahrhundert an einem grossen, unter dem Namen «Rood» bekannten Kruzifix in dem mittlerweile zerstörten Kloster Bromholm Priory in der ostenglischen Grafschaft Norfolk stattgefunden haben müssten. Pilger sollen dorthin gewandert sein, da der «Rood» ein Stück des Kreuzes beinhalten soll, an dem Jesus gekreuzigt wurde.

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