Das Bundesland Berlin stoppt vorerst Impfungen für Menschen unter 60 Jahren. Es handelt sich dabei um eine Vorsichtsmassnahme.
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In einer Hausarztpraxis stehen Ampullen des Corona-Impfstoffs des Schwedisch-Britischen Herstellers AstraZeneca. Foto: Nicolas Armer/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Land Berlin setzt Astrazeneca-Impfungen für Menschen unter 60 Jahren aus.
  • Die Kliniken Charité und Vivantes impfen Frauen unter 55 nicht mehr mit Astrazeneca.
  • Der Stopp erfolgt aus Sicherheitsgründen, das Risiko für weitere Todesfälle sei zu hoch.
  • Mittlerweile wurden weitere Hirnvenenthrombosen bei Frauen in Deutschland bekannt.

Das Land Berlin setzt die Corona-Impfungen mit dem Wirkstoff des Herstellers Astrazeneca für Menschen unter 60 Jahren vorsorglich aus. Das gab Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Dienstag bekannt und verwies auf neue Daten über Nebenwirkungen. Sie bezeichnete dies als «Vorsichtsmassnahme».

Entsprechende Termine in Impfzentren werden Kalayci zufolge erst einmal abgesagt. Das Land wolle nun die Beratungen auf Bundesebene und Stellungnahmen der Fachleute wie des Paul-Ehrlich-Instituts abwarten.

Auch Charité und Vivantes stoppen

Auch die Berliner landeseigenen Kliniken Charité und Vivantes werden vorerst keine Frauen unter 55 Jahren mehr mit dem Astrazeneca-Vakzin impfen.

«Dieser Schritt ist aus Sicht der Charité notwendig, da in der Zwischenzeit weitere Hirnvenenthrombosen bei Frauen in Deutschland bekannt geworden sind», sagte die Sprecherin der Charité, Manuela Zingl, am Dienstag.

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Eine Person wird gegen das Coronavirus geimpft. - dpa

Auch Vivantes habe die Impfungen für Frauen unter 55 ab Dienstag vorsorglich ausgesetzt. Dies betreffe vor allem die eigenen Belegschaft, teilte eine Sprecherin mit. Weitere Details sollten Nachmittag mitgeteilt werden.

Zu hohes Risiko von weiteren Todesfällen

In Nordrhein-Westfalen sprachen sich die Leiter von fünf der sechs Uni-Kliniken für einen vorläufigen Stopp von Impfungen jüngerer Frauen mit dem Wirkstoff von Astrazeneca aus. Das Risiko von weiteren Todesfällen sei zu hoch. Das heisst es in einem gemeinsamen Brief an den Bundes- und den Landesgesundheitsminister. Dieser liegt der Deutschen Presse-Agentur vor.

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Der Corona-Impfstoff von AstraZeneca und der Uni Oxford. - Keystone

Die Charité-Sprecherin Zingl betonte, dass in der Charité keine Komplikationen nach Impfungen mit Astrazeneca aufgetreten seien. Diese wolle jedoch vorsorglich agieren und abschliessende Bewertungen abwarten. Die Charité habe in der Pandemie bisher rund 16'000 Erst- und Zweitimpfungen an ihr Personal verabreicht. «Davon entfiel der grösste Teil auf Astrazeneca», sagte Zingl.

Ema bekräftigt Sicherheit von Astrazeneca

Deutschland und zahlreiche andere Staaten hatten die Impfung mit dem Astrazeneca-Stoff im März vorübergehend ausgesetzt. Zuvor wurden mehrere Fälle mit Thrombosen (Blutgerinnseln) in den Hirnvenen in zeitlichem Zusammenhang zur Impfung gemeldet. Mittlerweile wird der Impfstoff wieder verabreicht.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur Ema hatte die Sicherheit des Vakzins bekräftigt. Auch die Ständige Impfkommission in Deutschland hatte sich für eine weiteren Einsatz den Mittels ausgesprochen.

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Der Impfstoff von Astrazeneca. - AFP

Der Kreis Euskirchen in Nordrhein-Westfalen hatte bereits am Montag die Astrazeneca-Impfung von Frauen unter 55 vorläufig gestoppt. Nachdem eine geimpfte Frau (47) vergangene Woche gestorben war, sei dem Kreis nun der Verdacht auf «eine schwerwiegende Erkrankung» einer 28-Jährigen nach der Impfung mit Astrazeneca gemeldet worden, hiess es. Beide hatten laut Kreis eine Sinusvenenthrombose erlitten.

Vor allem Frauen betroffen

In Deutschland sind bislang 31 Fälle einer Sinusvenenthrombose nach Impfung mit dem Impfstoff von Astrazeneca bekannt. Das berichtete das Paul-Ehrlich-Institut am Dienstag. Bis Montagmittag waren dem Institut 31 Fälle gemeldet worden, in 19 Fällen wurde zusätzlich eine Thrombozytopenie gemeldet. In neun Fällen war der Ausgang tödlich, wie das für die Sicherheit von Impfstoffen zuständige Institut in Langen berichtete.

Mit Ausnahme von zwei Fällen betrafen laut PEI alle Meldungen Frauen im Alter von 20 bis 63 Jahren. Die beiden Männer waren 36 und 57 Jahre alt. Laut Impfquotenmonitoring des Robert-Koch-Instuituts wurden bis einschliesslich Montag 2,7 Millionen Erstdosen und 767 Zweitdosen von Astrazeneca verimpft.

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