Ceuta: «Baden fühlt sich komisch an, wo Leichen sein könnten»

Simon Ulrich
Simon Ulrich

Spanien,

In Ceuta suchen viele Einwohner wieder Normalität am Strand. Doch Rettungskräfte rechnen weiter mit Leichen im Wasser.

Ceuta
Junge Migranten duschen am Trampolin-Strand in Ceuta, aufgenommen am 5. August 2026. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • An Ceutas Playa del Chorrillo ist vom jüngsten Chaos kaum noch etwas sichtbar.
  • Polizei und Rettungskräfte rechnen weiterhin mit weiteren Leichen.
  • Viele Badegäste schwanken zwischen Betroffenheit, Unsicherheit und Normalität.

An der Playa del Chorrillo in Ceuta ist vom Chaos der vergangenen Tage kaum noch etwas zu sehen. Der Strand nahe der Grenze zu Marokko ist gereinigt, Badende liegen unter Sonnenschirmen oder spielen im Wasser.

Doch in der Nähe starben vergangene Woche rund 100 meist junge Migranten beim Versuch, Ceuta zu erreichen. Polizei und Rettungskräfte rechnen mit weiteren Leichen im Meer.

Badegäste kehren an den Strand zurück

Gegenüber «Focus online» sagt ein Familienvater: Es fühle sich manchmal seltsam an, dort zu baden, «im Wissen, dass dort noch immer Leichen sein können».

Ganz auf den Strand verzichten wolle er mit seiner Familie aber nicht. Nach den harten Tagen brauche Ceuta wieder etwas Normalität.

Viele Badegäste sehen das ähnlich. Einige machen sich kaum Gedanken über die Tragödie. Andere beschäftigt vor allem, wie viele Migranten noch in der Stadt sind.

Ein junger Mann mit marokkanischen Wurzeln sagt, er habe nichts gegen Migranten und helfe, wenn er könne. Wenn aber Hunderte vor dem Haus stünden und Bewohner bedrohten, sei das eine andere Situation.

Kritik an spanischer Regierung

Auch ältere Strandbesucherinnen kritisieren die Politik in Madrid. Sie werfen der Regierung von Premier Pedro Sánchez vor, die Zahlen herunterzuspielen. Zunächst sei von 50’000 angekommenen Menschen die Rede gewesen, später von 60’000.

Hat die EU gut auf den Ansturm auf Ceuta reagiert?

Auch bei der Zahl der noch in Ceuta verbliebenen Migranten gebe es unterschiedliche Angaben.

Trotz Schock, Ärger und Unsicherheit versuchen viele Einwohnerinnen und Einwohner, an den Strand zurückzukehren. Eine Frau meint: «Trotz allem wollen wir es uns nicht nehmen lassen, das Meer geniessen zu können.»

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