Auch Kinder werden über die Medien mit Kriegsbildern konfrontiert. Und sie stellen Fragen, weil der Ukraine-Krieg sehr nahe ist. Bildungsexperten sind sich einig: Das muss in der Schule thematisiert werden.
Laut Lehrerverband besteht an den Schulen grosser Gesprächsbedarf zum Thema Ukraine. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa
Laut Lehrerverband besteht an den Schulen grosser Gesprächsbedarf zum Thema Ukraine. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Bildungsgewerkschaften haben sich dafür ausgesprochen, den Ukraine-Krieg in den Schulen aktiv anzusprechen.

«Ich finde es unbedingt richtig, das zu thematisieren», sagte die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Maike Finnern, der Deutschen Presse-Agentur. «Krieg in Europa - es gab seit dem Zweiten Weltkrieg nur wenige solcher einschneidenden Ereignisse in unserer Gesellschaft. Das muss in Schulen thematisiert werden, um zu informieren und um Ängste und Befürchtungen aufzufangen, die auch entstehen.»

Finnern sprach sich dafür aus, das Thema von sich aus aktiv bei den Schülerinnen und Schülern anzusprechen. «Das muss natürlich altersangemessen gemacht werden, aber so arbeiten Lehrkräfte ohnehin, denn das haben sie gelernt.»

Bilder lösen Ängste bei Schülern aus

Der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, äusserte sich ähnlich. Die Bilder und Eindrücke liessen Schülerinnen und Schüler nicht unberührt und lösten Ängste aus, die auch in der Schule thematisiert werden müssten, sagte er der dpa. Zudem basiere der Bildungs- und Erziehungsauftrag von Schule auf einem Werteverständnis, das auf Demokratie, Menschenwürde, Freiheit sowie einem friedlichen Zusammenleben aller Menschen fusse. «Vor diesem Hintergrund sehe ich geradezu eine Notwendigkeit, das russische Vorgehen in der Ukraine zum Gegenstand, nicht nur des Politikunterrichts zu machen.»

An den Schulen hat sich nach Angaben des Präsidenten des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, bereits in den vergangenen Tagen gezeigt, dass grosser Gesprächs- und Diskussionsbedarf besteht. Genauso wie in der Gesamtgesellschaft sei die Erschütterung und spürbare Betroffenheit vieler Kinder und Jugendlicher enorm gross, sagte er der dpa. «Wenn Schule ihren Auftrag, unsere Schülerinnen und Schüler zur Demokratie erziehen und einen Beitrag zur Friedenserziehung zu leisten, erfüllen will - und das ist in allen Bundesländern in den Rahmenlehrplänen verankert, dann muss dieser erste Angriffskrieg in Europa seit über 80 Jahren thematisiert werden.»

Psychologische Beratung bei Bedarf

Die Bundesländer, die für Bildung zuständig sind, sind bereits aktiv geworden. So hatte etwa Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsministerin Simone Oldenburg (Linke) bereits am Tag des russischen Angriffs auf die Ukraine empfohlen, im Unterricht Zeit einzuräumen, um darüber zu sprechen. Bei Bedarf könne psychologische Beratung organisiert werden.

Das Thüringer Bildungsministerium kündigte ein Schreiben für Schulen mit Hinweisen zum Umgang mit dem Thema an. «Die Kinder und Jugendlichen sollten mit diesen Ereignissen nicht alleine gelassen werden», sagte ein Ministeriumssprecher. Das Schreiben soll auch an Jugendhilfeeinrichtungen und Kindergärten gehen.

Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) ermutigte die Lehrkräfte in einem Brief an die Schulen, das aktuelle Geschehen einschliesslich der Berichterstattung im Unterricht zu thematisieren. «Bisher kannten die Kinder und Jugendlichen ebenso wie viele ihrer Eltern und Lehrkräfte Krieg nur aus Erzählungen und Schulbüchern. Jetzt ist er leider wieder näher an unsere Lebensrealität herangerückt und in Europa angekommen», schrieb Piwarz. In diesen besorgniserregenden Zeiten müsse Schule mehr denn je ein sicherer Hafen sein.

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