Bewegender Auftritt: Ex-Trigema-Chef spricht nach Suizid-Versuch
Erstmals seit seinem Suizid-Versuch steht Wolfgang Grupp wieder auf einer Bühne. Er spricht offen über Reue, Lebenskrisen und neue Prioritäten.

Das Wichtigste in Kürze
- Wolfgang Grupp absolviert seinen ersten öffentlichen Auftritt seit seinem Suizid-Versuch.
- Der 83-Jährige sprach über gesundheitliche Folgen, Reue und prägende Erfahrungen.
- Die Führung von Trigema hat er inzwischen an seine beiden Kinder übergeben.
Mehr als ein Jahr nach seinem Suizid-Versuch hat sich Wolfgang Grupp (83) erstmals wieder öffentlich gezeigt. Im Kunstmuseum Tübingen war der frühere Trigema-Chef Gast der Talkreihe «Gysis Begegnungen» mit Gregor Gysi von der Partei Die Linke.
An seinen Suizidversuch wolle er am liebsten nicht mehr denken, sagte Grupp. Seinen Jagdschein habe er danach abgegeben, seine Prioritäten neu geordnet.
Die Folgen seien jedoch geblieben.
«Ich habe noch Beschwerden. Ich höre nicht mehr so hundertprozentig. Ich würde am liebsten alles ungeschehen machen. Aber das ist nicht mehr möglich», so Grupp.
Zwischen Lebenslust und Heimweh
Im Gespräch zeigte sich der 83-Jährige auch selbstironisch. Über seine Zeit als Jurastudent in Köln sagte er: «Ich habe das Leben genossen. Ich war in kaum einer Vorlesung» – sehr zur Freude des Publikums.
Nach der strengen Kindheit im Elternhaus in Burladingen habe er die Freiheit in der Grossstadt ausgekostet. Sein Vater habe ihm eine Drei-Zimmer-Wohnung finanziert – inklusive Reitpferd und Sportwagen.

Doch nicht alle Erinnerungen seien unbeschwert. Besonders seine Internatszeit habe ihn geprägt.
«Meine Internatszeit bei den Jesuiten war meine schlimmste Zeit. Ich hatte Heimweh. Ich liebte mein Zuhause und wir durften ja nicht nach Hause am Wochenende. Wir hatten dreimal im Jahr Ferien.»
Zweimal jährlich habe ich die Familie besucht. «Ich hatte furchtbar darunter gelitten», sagte Grupp.
Gleichzeitig habe ich diese Zeit fürs Leben gestählt. «Ich musste mich durchsetzen, um nicht unterzugehen. Ich musste mich anpassen, um Freunde zu haben. Ich musste ordentlich sein, um nicht in der Unordnung leben zu müssen.»
Staffelstab an die nächste Generation übergeben
Die operative Führung der Trigema hat Grupp inzwischen an seine Kinder übergeben – eigenen Angaben zufolge auch aus steuerlichen Gründen.
Sohn Wolfgang Grupp junior verantwortet Geschäftskunden, IT-Projekte, Produktion und Finanzen. Tochter Bonita leitet die Bereiche Onlinehandel, Marketing und Personal.
Trigema produziert Wäsche, Freizeit- und Sportbekleidung und wirbt damit, ausschliesslich in Deutschland zu fertigen.
Brauchst du Hilfe?
Bist du selbst depressiv oder hast du Suizidgedanken? Dann kontaktiere bitte umgehend die Dargebotene Hand (www.143.ch).
Unter der kostenlosen Hotline 143 erhältst du anonym und rund um die Uhr Hilfe. Die Berater können Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen. Auch eine Kontaktaufnahme über einen Einzelchat oder anonyme Beratung via E-Mail ist möglich.
Hilfe für Suizidbetroffene: www.trauernetz.ch















