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Berliner Fotograf dokumentiert Pariser Juden-Deportation

Keystone-SDA
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Deutschland,

Lange Zeit unbekannte Fotos zeigen, wie Pariser Juden 1941 ahnungslos einer Vorladung folgten – und in den Abgrund geführt wurden. Was der Berliner Fotograf Harry Croner dabei dokumentierte, wird nun in Ausstellungen in Paris und Berlin gezeigt.

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Lange Zeit unbekannte Fotos zeigen, wie Pariser Juden 1941 ahnungslos einer Vorladung folgten – und in den Abgrund geführt wurden. (Symbolbild) - keystone

In Paris und Berlin wird erstmals eine umfangreiche Serie von Fotos zur ersten grossen Massenverhaftung von Juden in Paris gezeigt, mit denen ein Wehrmachtfotograf das Grauen der Deportation dokumentiert hat. Die 98 Fotos stammen von dem bekannten Berliner Fotografen Harry Croner (1903–1992), der die Deportation am 14. Mai 1941 als Kriegsberichterstatter der deutschen Wehrmacht fotografierte.

Die 2021 bei einem Trödelhändler in Frankreich entdeckten und bis dahin unbekannten Fotos zeigen auf einer Vielzahl von der Wehrmachtspropaganda nicht genutzten Motiven, wie die von der Polizeipräfektur vorgeladenen Juden nichtsahnend in einer Pariser Turnhalle eintreffen, von dort zum Bahnhof transportiert und in Lager gebracht werden. Zu sehen ist auch, wie die Deportierten in Barackenlagern zusammengepfercht werden. Ausserdem bestätigen die Aufnahmen, dass die französische Polizei bei den Razzien eine zentrale Rolle spielte. So überwachte in der Turnhalle der damalige Pariser Polizeipräfekt François Bard das Geschehen.

Wie die Kuratorin der Ausstellung, Lior Lalieu, erklärte, seien die Fotos von unschätzbarem historischem Wert, da es von der Judendeportation in Frankreich praktisch keine Fotos gebe. Die Bilderserie des Berliner Fotografen zeige hingegen praktisch wie in einer Reportage, wie die Deportation abgelaufen sei – mit den Frauen und Kindern, die die Männer verabschieden, den beteiligten deutschen Soldaten und französischen Polizisten sowie den Nachbarn als Zuschauern.

Die erste Grossrazzia gegen ausländische Juden in Paris erhielt später den Namen «die Razzia der grünen Zettel», da die Betroffenen eine Vorladung auf einem kleinen, zumeist grünen Papier erhielten. Rund 3700 Männer folgten damals der Vorladung in der falschen Annahme, es handele sich um einen Termin zu ihrer Einbürgerung in Frankreich. Tatsächlich führte ihr Weg über zwei französische Lager nach Auschwitz. 3100 der bei der Razzia festgenommenen Männer wurden dort ermordet, 700 gelang vorher die Flucht.

Der Bildjournalist Harry Croner wurde bald nach seinem Pariser Einsatz selbst wegen seines jüdischen Vaters interniert und kehrte 1946 nach Berlin zurück. Als Presse- und Theaterfotograf dokumentierte er den Wiederaufbau und die Entwicklung der geteilten Stadt und widmete sich der West-Berliner Prominenz und dem Theater. Sein umfangreiches Fotoarchiv vermachte er dem Stadtmuseum. Über seinen Einsatz im besetzten Paris aber wurde zu Lebzeiten nichts bekannt.

Die Ausstellung «Gesichter der Erinnerung: Die Bilder der Razzia des grünen Zettels» ist zeitgleich in der französischen Botschaft in Berlin (bis zum 9. Juli nach Anmeldung) und der Holocaust-Gedenkstätte Mémorial de la Shoah in Paris (bis zum 31. Dezember) zu sehen.

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