Der Medienkonzern Axel Springer SE stellt den Chefredakteur der «Bild», Julian Reichelt, mit sofortiger Wirkung frei und übergibt den Posten Johannes Boie.
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Julian Reichelt war «Bild»-Chefredakteur. Mathias Döpfner wendet sich nun wieder an die Belegschaft. Foto: picture alliance / Bernd von Jutrczenka/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • «Bild»-Chefredaktor wird mit sofortiger Wirkung vom Axel Springer Verlag freigestellt.
  • Neuer Vorsitzender der «Bild»-Chefredaktion wird Johannes Boie (37).

Mit sofortiger Wirkung wird «Bild»-Chefredakteur Julian Reichelt von seinen Aufgaben entbunden. Das teilte der Medienkonzern Axel Springer SE am Montag in Berlin mit. Neuer Vorsitzender der «Bild»-Chefredaktion wird Johannes Boie. Der 37-Jährige ist derzeit Chefredakteur der zu Springer gehörenden Zeitung «Welt am Sonntag».

Springer begründet das Ende der Zusammenarbeit mit Reichelt an der Spitze von Deutschlands grösster Boulevardzeitung so: «Als Folge von Presserecherchen wurden in den letzten Tagen neue Erkenntnisse über das aktuelle Verhalten von Julian Reichelt bekannt.»

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Der damalige «Bild»-Chefredakteur Julian Reichelt ist von Axel Springer SE von seinen Aufgaben entbunden worden. (Archivbild). Foto: Michael Kappeler/dpa - dpa-infocom GmbH

Diesen Informationen ist das Unternehmen nachgegangen. Dabei hat der Vorstand erfahren, dass Reichelt auch nach dem Compliance-Verfahrens im Frühjahr Privates und Berufliches nicht klar getrennt hat. Auch hatte er dem Vorstand darüber die Unwahrheit gesagt.

Reichelt sollte Posten zuerst behalten

Im Frühjahr hatte Axel Springer SE das interne Verfahren angestossen. Medien hatten über Vorwürfe zu Machtmissbrauch und Ausnutzung von Abhängigkeitsverhältnissen berichtet. Der Konzern prüfte dann in einem internen Verfahren Vorwürfe und kam zu dem Ergebnis, dass Reichelt seinen Posten behalten sollte. Nach einer befristeten Freistellung kehrte Reichelt zunächst wieder zu Deutschlands grösster Boulevardzeitung zurück.

Lesen Sie die «Bild»?

Die «New York Times» hatte nun am Wochenende einen langen Bericht veröffentlicht. Dieser behandelt den Medienkonzern Axel Springer auch mit Blick auf die Pläne zur Übernahme der US-Mediengruppe Politico. In dem Artikel ging es auch um «Bild»-Chefredakteur Reichelt und die im Frühjahr erstmals öffentlich bekanntgewordene Vorwürfe gegen ihn. Die Zeitung verwies auch auf bislang nicht veröffentlichte monatelange Recherchen eines Investigativ-Teams der Ippen-Mediengruppe.

Axel Springer SE: Zusammenarbeit nicht mehr möglich

Springer-Chef Mathias Döpfner sagte am Montag: «Julian Reichelt hat »Bild« journalistisch hervorragend entwickelt und mit BILD LIVE die Marke zukunftsfähig gemacht. Wir hätten den mit der Redaktion und dem Verlag eingeschlagenen Weg bei BILD gemeinsam mit Julian Reichelt gerne fortgesetzt. Dies ist nun nicht mehr möglich.»