Das Ergebnis ist vermutlich ein historisches: Die Partei Sinn Fein, die Nordirland mit Irland vereinigen will, hat die Nase derzeit vorn. Die Regierungsbildung dürfte kompliziert werden.
Wahlhelfer beginnen mit der Auszählung der Stimmen bei den Wahlen zum nordirischen Parlament.
Wahlhelfer beginnen mit der Auszählung der Stimmen bei den Wahlen zum nordirischen Parlament. - Peter Morrison/AP/dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Nach der Wahl in Nordirland zeichnet sich eine schwierige Regierungsbildung ab.

Die Auszählung der Stimmen, die am späten Freitagabend zunächst pausiert wurde, sollte am Samstag weitergehen.

Nach Angaben der BBC hat die republikanisch-katholische Partei Sinn Fein nach der ersten Auszählungsrunde den höchsten Stimmanteil erhalten. Demnach liegt die Partei mit 29 Prozent der Stimmen weit vor der zweitstärksten Partei, der protestantisch-unionistischen DUP, auf die 21,3 Prozent entfielen. Wie der irische Rundfunk RTÉ am Freitagabend unter Berufung auf Sinn-Fein-Kreise berichtete, ist die Partei zuversichtlich, damit auch die meisten Sitze im Regionalparlament zu erhalten.

Für den Landesteil des Vereinigten Königreichs wäre das ein historisches Ergebnis. Sinn Fein galt einst als politischer Arm der militanten Organisation IRA, die mit Waffengewalt für eine Vereinigung Nordirlands mit der Republik Irland kämpfte.

Bestätigen sich die Erwartungen, erhält die Partei das Recht, die Regierungschefin in einer künftigen Einheitsregierung zu stellen. Bislang hatten diesen Posten stets Parteien besetzt, die sich für eine Beibehaltung der Union mit Grossbritannien aussprechen. Sinn Fein setzt sich weiterhin für ein vereintes Irland ein, hat dies im Wahlkampf jedoch nicht in den Vordergrund gestellt.

Sinn-Fein-Chefin Michelle O'Neill rief nach der Wahl zum Regionalparlament zu einer Debatte über eine Vereinigung mit der Republik Irland auf. «Lasst uns alle an einem gemeinsamen Plan arbeiten», sagte O'Neill am Freitag der Deutschen Presse-Agentur in der nordirischen Stadt Magherafelt. Sie wolle sich als Regierungschefin Themen wie den steigenden Lebenshaltungskosten und Gesundheit widmen.

Scheitern könnte eine Regierungsbildung unter ihrer Führung allerdings am Widerstand der DUP (Democratic Unionist Party), die einen gleichberechtigten Stellvertreter stellen müsste. Dem als Karfreitagsabkommen bekannten Friedensschluss aus dem Jahr 1998 zufolge müssen die stärksten Parteien aus beiden konfessionellen Lagern eine Einheitsregierung bilden.

Die Alliance Party, die für keines der beiden dominierenden Lager steht, sondern die Grabenkämpfe hinter sich lassen will, vereinte nach der ersten Auszählungsrunde 13,5 Prozent der Stimmen hinter sich. Das bedeutet einen deutlichen Zuwachs von rund 4,5 Prozent im Vergleich zur vergangenen Parlamentswahl.

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