Tote in Spanien: Zugunternehmen schliesst menschliches Versagen aus
Am Sonntagabend kamen bei einem Zugunglück in der Nähe der spanischen Stadt Córdoba mindestens 40 Menschen ums Leben.

Das Wichtigste in Kürze
- Nahe der spanischen Stadt Córdoba kam es am Sonntagabend zu einem Zugunglück.
- Ein Hochgeschwindigkeitszug entgleiste und krachte in einen anderen Zug.
- Mindestens 40 Menschen sterben.
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In der Nähe der spanischen Stadt Córdoba hat sich am Sonntagabend ein schweres Zugunglück ereignet. Bei der Kollision zweier Züge sind mindestens 40 Menschen gestorben.

Weitere 152 Personen sind verletzt, teilweise schwer. Die Rettungs- und Räumungsarbeiten werden noch immer fortgesetzt.
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Opferzahl steigt auf 40
21.05: Am Montagabend wird die Zahl der Toten auf 40 erhöht, mehr als 170 Personen sind verletzt, 24 davon schwer. Die Behörden fürchten, dass noch mehr Menschen sterben werden.
Das deutsche Auswärtige Amt teilt mit, dass auch Deutsche unter den Todesopfern sind. Über die genaue Anzahl liessen sich aber keine verlässlichen Angaben machen.
Ministerpräsident Pedro Sánchez vor Ort
16.40: Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez ist nach Adamuz gereist, wo er sich ein Bild vom Ausmass des Zugunglücks machen konnte. Er wurde vom Präsidenten der Regionalregierung Andalusiens, Juanma Moreno, der Vizepräsidentin María Jesús Montero und den Ministern für Verkehr und Inneres begleitet.

Anschliessend traten Sánchez und Moreno gemeinsam vor die Medien und hoben die Zusammenarbeit aller Beteiligten hervor. Sánchez versicherte, dass die Untersuchung der Unfallursachen bis zum Ende durchgeführt und die Öffentlichkeit über den Hergang informiert werde.
Zwölf Personen weiterhin auf der Intensivstation
16.18: Der andalusische Gesundheitsdienst teilt mit, dass 122 Personen mit Verletzungen behandelt wurden. Davon lagen am Montagmorgen noch 43 Personen im Spital. Zwölf der Reisenden befinden sich weiterhin auf der Intensivstation, darunter ein Minderjähriger.

Mehr als 500 Menschen befanden sich in den beiden Hochgeschwindigkeitszügen, die in der Nähe der Ortschaft Adamuz in Córdoba entgleisten.
Zugunternehmen schliesst menschliches Versagen aus
15.45: Der Präsident des Zugunternehmens «Renfe», Álvaro Fernández Heredia, hat in einem Interview mit Radio Nacional de España gesagt: «Menschliches Versagen ist praktisch ausgeschlossen. Wenn der Lokführer eine falsche Entscheidung trifft, korrigiert das System diese selbst.»

Man solle nicht spekulieren, sondern die Untersuchung abwarten. Das Verkehrsministerium hat bereits mitgeteilt, dass die Untersuchungskommission für Eisenbahnunfälle ein Verfahren zu diesem Vorfall eingeleitet hat.
Angehöriger von Vermissten: «Haben alle Krankenhäuser abgesucht»
15.15: Juan Barroso, Sprecher einer Familie, die noch immer vier Angehörige vermisst, zeigt sich gegenüber den Medien sichtlich empört. Er sei «tausendmal herumgefahren», man habe alle Krankenhäuser und Informationspunkte abgesucht.
«Sie geben uns keine Informationen, weil sie keine haben, und wenn doch, geben sie sie nicht heraus», klagt Barroso. Offenbar befinden sich unter den Vermissten ein 12-jähriger Junge sowie seine Eltern und ein Cousin.
Man habe ihm keine Informationen geben wollen, da er kein direkter Verwandter sei, sagte Barroso verärgert.
Drei Tage Trauer ab heute Abend
14.46: Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez hat drei Trauertage ab heute Abend angekündigt. Vor den Medien versicherte er: «Wir werden die Wahrheit finden.»
Und weiter: «Wir werden die Antwort kennen und wenn sie bekannt ist, werden wir sie mit absoluter Transparenz und Klarheit der öffentlichen Meinung näherbringen.»
Behörden wurden bereits im August gewarnt
14.14: Offenbar hat sich die spanische Lokführergemeinschaft bereits im vergangenen August mit einem Brief an den Bahnbetreiber Adif gewandt.

In der Kopie des Briefes, die Reuters einsehen konnte, warnten die Lokführer vor Schäden, die sich an der Stelle befänden, wo die Züge am Sonntagabend entgleisten.
Die Rede ist von «schweren Gleisschäden». Mehrmals, sogar «täglich», hätten die Lokführer den Betreiber darüber informiert. Massnahmen habe man jedoch nicht ergriffen.
Erste Todesopfer identifiziert
13.34: Nach dem Zusammenstoss der beiden Hochgeschwindigkeitszüge am Sonntagabend sind die ersten Todesopfer identifiziert.
Dazu gehören der Journalist Óscar Toro und seine Ehefrau, die Fotojournalistin María Clauss. Das bestätigten Quellen des Kommandos der Zivilgarde von Córdoba gegenüber RTVE.
48 Personen in Spitälern, vier davon Kinder
12.46: Laut dem neuesten Update des medizinischen Berichts der Verletzten wurden insgesamt 121 Fahrgäste aus den Zügen behandelt.
48 Personen, davon vier Kinder, wurden in Spitälern aufgenommen. Derzeit liegen 12 Erwachsene und ein Kind auf der Intensivstation.
Verzweifelter Sohn sucht nach seinem Vater
12.15: Nach dem tragischen Zugunglück sucht Ricardo Chamorro nach seinem Vater. Aux X postet er ein Foto seines 57-jährigen Papas. Dazu schreibt er: «Bitte meldet euch bei mir, wenn ihr in Adamuz seid und diesen Herrn erkennt, der mein Vater ist.» Er sei im Zug von Madrid nach Huelva gewesen.
Auch das Orten seines Telefons hat bisher nichts gebracht. «Ich habe den Standort meines Vaters, aber er hat sich seit dem Unfall nicht von der Stelle bewegt, obwohl er als live angezeigt wird», so Ricardo.
Verkehrsminister findet Unfall «sehr seltsam»
11.45: Der spanische Verkehrsminister Óscar Puente hat sich am Montag vor den Medien geäussert. «Es ist seltsam, sehr seltsam», sagte er im Adif-Zentrum in Madrid. Es sei «äusserst selten», da sich der Zug zum Zeitpunkt des Unglücks auf einer geraden Strecke befunden habe.
Ausserdem sei die Unfallstrecke im vergangenen Mai erneuert worden. Auch die Experten seien entsprechend überrascht. Der Hochgeschwindigkeitsverkehr zwischen Madrid und Córdoba, Sevilla, Malaga und Huelva wurde mittlerweile eingestellt.
Erste Unfall-Analyse konzentriert sich auf Räder
10.42: Eine erste Analyse des Unfalls konzentriert sich gemäss César Franco, Präsident des Generalrats der Industrieingenieure, auf die Räder des entgleisten Zuges.

In der «Hora de la 1» erkläre Franco: «Die Räder eines Zuges sind nicht zylindrisch, was dazu führt, dass der Zug automatisch auf die Gleise fokussiert.» Bei einem Raddefekt bei 200 Stundenkilometern sei der Manöverspielraum minimal.
Bundesrat Parmelin solidarisiert sich nach Zugunglück mit Spanien
10.38: Bundespräsident Guy Parmelin hat sich am Montag betroffen gezeigt vom Zugunglück von Andalusien. Die Schweiz sei in Gedanken bei den Opfern, ihren Familien und dem gesamten spanischen Volk, teilte er auf der Plattform X mit.
«Tief betroffen» zeigte sich auch Europarats-Generalsekretär und alt Bundesrat Alain Berset. «Meine Gedanken sind bei den Opfern, ihren Familien und Angehörigen sowie allen, die in diesem schmerzhaften Moment betroffen sind», liess er auf X verlauten.
Defekt am Rollmaterial oder an Infrastruktur könnte Kollisions-Grund sein
10.35: Offenbar könnte ein Defekt am Rollmaterial oder der Infrastruktur zum Unglück in Spanien geführt haben. Wie Álvaro Fernández Heredia, Präsident des Bahnunternehmens Renfe zum Radiosender Cadena SER sagt, lag der Unfall nicht an überhöhter Geschwindigkeit.
Die beiden Züge, die kollidierten, seien weniger schnell als erlaubt gefahren. «Die Strecke ist mit einem Sicherheitssystem ausgestattet, das menschliches Versagen verhindert», sagt Heredia. «Es muss sich also um einen Defekt am Rollmaterial oder an der Infrastruktur gehandelt haben»
Regierungspräsident verzichtet auf WEF-Teilnahme
10.23: Der spanische Regierungspräsident Pedro Sánchez seine Teilnahme am Weltwirtschaftsforum in Davos GR abgesagt. Zusätzlich habe er seine gesamte Agenda für Montag gestrichen, um sich dem Zugunglück zu widmen.
Opferzahl könnte noch weiter steigen
10.08: Der Präsident der Junta de Andalucía, Juan Manuel Moreno Bonilla, schliesst nicht aus, dass die Zahl der Opfer noch weiter steigen wird.
Die Identifikation der Opfer erweise sich als schwierig. «Man kann schwangere Frauen finden, man kann Grosseltern finden, man kann Kinder finden», sagt Bonilla. " Und hinter jedem Verlust liegt ein Riss, eine riesige Narbe, die schwer zu ertragen ist.«

Gegenüber RTVE bestätigte er, dass sich derzeit 11 Personen auf der Intensivstation in andalusischen Spitälern befinden würden. Ein Minderjähriger befindet sich gemäss Bonillas Angaben im kritischen Zustand.
«Dem EDA liegen derzeit keine Informationen über Schweizer Opfer vor»
09.35: Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA habe Kenntnis vom Zugunglück, heisst es auf Anfrage. Die Schweizer Vertretung in Madrid stehe in Kontakt mit den zuständigen Behörden vor Ort.
«Dem EDA liegen derzeit keine Informationen über Schweizer Opfer vor. Entsprechende Abklärungen sind im Gang.» Schweizerische Staatsangehörige vor Ort seien gehalten, die Anweisungen der lokalen Behörden zu befolgen.
Augenzeugen berichten: «Schreie, weinende Kinder, Blut»
09.30: Nach dem erschütternden Unglück in Spanien berichten Augenzeugen von dem Moment des Zusammenpralls der beiden Züge.
Der Journalist Salvador Jiménez erzählt gegenüber RTVE, dass es «eine sehr plötzliche Bewegung» gegeben habe. Es habe «wie ein Erdbeben» ausgesehen. Das Zugpersonal habe sich sofort erkundigt, ob es medizinische Fachleute an Board gebe.

Die Passagierin María Jiménez erinnert sich sichtlich bewegt: «Es war wie in einem Horrorfilm.» Noch immer glaube sie, jeden Moment aus einem bösen Traum aufzuwachen.
Eine weitere junge Frau kämpfte im Interview des TV-Senders mit den Tränen, als sie den Alptraum beschrieb, den sie im Iryo-Unglückszug erlebte.
«Es gab eine Vollbremsung, es wurde stockdunkel. Ich fiel kopfüber aus dem Sitz. Menschen und Gepäck flogen durch die Luft, es gab Schreie, weinende Kinder, Blut. Ich fühle mich, als wäre ich neu geboren.»
Noch 48 Verletzte in Spitälern
09.09: Nach dem Zugunglück in Adamuz sind insgesamt noch 48 Personen in Spitälern, darunter fünf Minderjährige. 74 Personen konnten mittlerweile wieder entlassen werden.
Letzte Inspektion des Zuges am 15. Januar
08.17: Der verunglückte Zug wurde offenbar erst 2022 hergestellt. Die letzte Inspektion hatte er am 15. Januar, drei Tage vor dem Unglück, bestanden.
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Der Unfall ereignete sich auf einem geraden Abschnitt der Strasse, wie auch vom Verkehrsminister Óscar Puente angegeben.
Vier Minderjährige unter Schwerverletzten
08.15: Bei vier der 24 schwer verletzten Personen handelt es sich laut dem RTVE-Bericht um Minderjährige.
Spanien aktiviert lokale Spitäler
08.10: Das Hospital de Andújar und das Universitätsspital Virgen del Rocío in Sevilla wurden benachrichtigt, um sich entsprechend auf die Verletzten vorzubereiten.
Bisher wurden gemäss Angaben des Senders vier Einheiten der Critical Care and Emergency Device (DCCU eingesetzt.

Sechs mobile Intensivstationen, zwei intensivstationierte Intensivstationen, zwei logistische Unterstützungsfahrzeuge, drei lokale Krankenwagen sowie fünf Transportambulanzen und zwei Rettungswagen der Roten Kreuzes wurden aufgeboten.
Zahl der Todesopfer steigt auf 39
07.48: Die Zahl der Toten bei dem schweren Zugunglück im Süden Spaniens ist auf mindestens 39 gestiegen. Dies meldete der staatliche TV-Sender RTVE unter Berufung auf die Polizeieinheit Guardia Civil.

152 Verletzte wurden in medizinische Behandlung übergeben. Aktuell gibt es fünf sehr schwer Verletzte, 24 sind schwer verletzt. 123 Menschen sind in unterschiedlichen Zuständen.
Schlimme Entgleisung und Kollision
06.00: Ein Iryo-Hochgeschwindigkeitszug der italienischen Trenitalia war am Sonntagabend auf dem Weg von Málaga nach Madrid. Gegen 19:40 Uhr entgleiste er mit etwa 300 km/h, wie die spanische Bahngesellschaft Renfe mitteilte.
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Nach dem Entgleisen gerieten Waggons des Hochgeschwindigkeitszugs auf das benachbarte Gleis und kollidierten dort mit einem Renfe-Hochgeschwindigkeitszug, der in die entgegenkommende Richtung unterwegs war.
Unter den Todesopfern ist den amtlichen Angaben zufolge einer der Lokführer. Zahlreiche Fahrgäste waren demnach noch Stunden nach dem Unfall in den Zügen eingeschlossen.
Zug war mit 300 Passagieren unterwegs
05.50: «Der Aufprall war so heftig, dass die beiden vorderen Wagen des Renfe-Zuges infolgedessen aus den Gleisen geschleudert wurden», meinte Verkehrsminister Óscar Puente. Diese Waggons stürzten eine vier Meter hohe Böschung hinunter und wurden weitgehend zerstört.

Der Iryo-Zug war mit mehr als 300 Menschen an Bord von Málaga nach Madrid unterwegs, der in Madrid gestartete Renfe-Zug fuhr mit rund 200 Passagieren nach Huelva.

















