80 Jahre Pariser Vertrag: Südtirol als europäisches Vorzeigemodell
In Meran sind am Samstag die Feierlichkeiten zum 80. Jahrestag der Unterzeichnung des Pariser Vertrags begangen worden. Im Rahmen des Festakts wurden der österreichische Staatspräsident Alexander Van der Bellen und sein italienischer Amtskollegen Sergio Mattarella ausgezeichnet.

Südtirol sei «von einem Streitobjekt zwischen Italien und Österreich zu einem einigenden Band zwischen unseren Völkern geworden», erklärte Van der Bellen. Dazu hätten neben politischen Vertretern auch die Südtirolerinnen und Südtiroler aller Sprachgruppen beigetragen, indem sie trotz Spannungen am friedlichen Zusammenleben festgehalten hätten.
«Südtirol ist eine Erfolgsgeschichte, ein Sinnbild für ein geeintes Europa», sagte Van der Bellen. Er hob die Rolle internationaler Organisationen hervor. Die Vereinten Nationen hätten einen wichtigen Beitrag zur Südtirol-Frage geleistet. «Wer heutzutage den Mehrwert internationaler Organisationen in Zweifel zieht, dem empfehle ich einen Blick in die Geschichte Südtirols», erklärte er. Österreich werde auch im Rahmen seiner bevorstehenden Mitgliedschaft im Uno-Sicherheitsrat für internationalen Schutz und Multilateralismus eintreten.
Mattarella und Van der Bellen wurden am Samstag mit dem Grossen Verdienstorden des Landes Südtirol ausgezeichnet. Der im Tiroler Kaunertal aufgewachsene Van der Bellen nahm die Auszeichnung nach eigenen Worten auch stellvertretend für jene Österreicher entgegen, die sich für Südtirol eingesetzt hätten. Er verwies auf die «Freundschaft», die zwischen ihm und seinem italienischen Amtskollegen gewachsen sei.
Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher erklärte seinerseits «Autonomie bedeutet für uns Verantwortung». Er erinnerte daran, dass das Gruber-De-Gasperi-Abkommen vom 5. September 1946 – es sollte der deutschsprachigen Bevölkerung den Schutz ihrer ethnischen Identität sowie ihrer kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung gewährleisten – von den Südtirolerinnen und Südtirolern zunächst als Enttäuschung wahrgenommen wurde.
Die erhoffte Rückkehr zu Österreich sei ausgeblieben, auch das erste Autonomiestatut von 1948 habe die Erwartungen nicht erfüllt, sagte Südtirols Landeshauptmann. Kompatscher zeichnete den weiteren Weg über die Internationalisierung der Südtirol-Frage, die Behandlung vor den Vereinten Nationen, das Südtirol-Paket von 1969 und die Streitbeilegung zwischen Österreich und Italien 1992 nach.
Entscheidend seien langwierige Verhandlungen, das Vertrauen in das Völkerrecht und die Diplomatie sowie die Zusammenarbeit zwischen Italien und Österreich gewesen, so Kompatscher. Die Autonomie stellte er als einen laufend weiterzuentwickelnden Prozess dar.
Kompatscher verwies in seiner Rede ausserdem auf die zweisprachige Landesbibliothek in Bozen, die in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen zu einem Dokumentationszentrum für internationalen Minderheitenschutz werden soll. Die Erfahrungen Südtirols sollen damit auch für die Auseinandersetzung mit Minderheitenfragen und Konflikten in anderen Teilen der Welt nutzbar gemacht werden.
Der Pariser Vertrag war am 5. September 1946 in der französischen Hauptstadt vom österreichischen Aussenminister Karl Gruber und dem italienischen Ministerpräsidenten Alcide De Gasperi unterzeichnet worden.










