Yang Mun: Millionen fallen auf Social Media auf KI-Mönch rein

Simon Binz
Simon Binz

Israel,

Ein buddhistisch wirkender Mönch spendet Millionen Menschen Trost und Lebensweisheiten auf Social Media. Doch hinter «Yang Mun» steckt keine reale Person.

KI-Mönch
Der Mönch Yang Mun erreicht Millionen von Followern auf seinen Social-Media-Kanälen. Das Problem: Er wurde mit Künstlicher Intelligenz erschaffen. - Instagram

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Mönch Yang Mun erreicht Millionen Follower, ist aber vollständig KI-generiert.
  • Viele Nutzer erkennen nicht, dass die spirituellen Inhalte nicht von einer realen Person s
  • Über Social Media und E-Books verdienen die Urhebe mit der KI-Figur offenbar auch Geld.

Die Videos wirken ruhig und entschleunigend. Ein älterer ostasiatischer Mönch sitzt im Schneidersitz in einem Garten oder vor Tempelkulissen. Vor ihm liegt ein aufgeschlagenes Buch. In sanfter Stimme richtet er sich direkt an die Zuschauer.

«Ich sehe, wie müde du bist», sagt er. Nicht nur körperlich, sondern auch innerlich. Oft spricht er sein Publikum mit «mein Kind» an.

Folgst du dem KI-Mönch auf den Socials?

Die Botschaften sind allgemein, positiv und emotional zugänglich. Sie orientieren sich an östlichen Weisheitslehren, insbesondere am Buddhismus. Kleidung, Statuen und die Bildsprache unterstreichen diesen Eindruck.

Auf Instagram folgen zwei Profile der Figur Yang Mun rund 2,5 Millionen beziehungsweise 1 Million Menschen. Auf Facebook kommt eine weitere Seite auf etwa 1,4 Millionen Follower.

Yang Mun ist in Wahrheit ein KI-Mönch

Doch wie «Eurovision News Spotlight»(ENS) nun aufgedeckt hat, existiert der spirituelle Ratgeber in Wirklichkeit gar nicht. Sämtliche Videos wurden vollständig mit Künstlicher Intelligenz erzeugt.

Das zeigt eine Überprüfung mit Googles KI-Detektor SynthID: Die Inhalte wurden mit Google-Software generiert. Hinweise auf reale Personen mit spiritueller oder therapeutischer Ausbildung gibt es keine.

Viele Follower scheinen das nicht zu wissen. Kommentare unter den Beiträgen deuten darauf hin, dass Yang Mun für zahlreiche Nutzer als echte Figur wahrgenommen wird. Andere dürften sich am Ursprung der Inhalte nicht stören. Die Aussagen bleiben bewusst vage, wirken tröstend und lassen viel Raum für persönliche Interpretation.

Für den Urheber ist Yang Mun jedoch mehr als ein spirituelles Experiment. Die Marke ist eine lukrative Einnahmequelle. Auf der offiziellen Website werden mehrere E-Books angeboten.

Laut eigenen Angaben sollen diese bereits über 7000 Mal verkauft worden sein. Hinzu kommen mögliche Werbe- und Reichweitenerträge aus den sozialen Netzwerken.

Steckt in israelischer Influencer hinter dem KI-Mönch?

Wer hinter dem Projekt steht, war lange unklar. Auf «Yahoo Finance» wurde am 9. Dezember lediglich eine bezahlte Pressemitteilung veröffentlicht. Darin wurde Yang Mun als weltweite Bewegung dargestellt und aktiv für den Kauf der Bücher geworben.

Veröffentlicht wurde der Text von Shalev. H Marketing mit Sitz in Israel. Der Name verweist auf Shalev Hani, der sich auf LinkedIn als «Digital Creator & AI Storyteller». Auf eine Anfrage von «ENS» wollte sich Hani nicht zur Figur Yang Mun äussern.

Auch auf der Website fanden sich zunächst keine transparenten Angaben. Mittlerweile gibt es aber einen Hinweis auf die Betreiber der Marke Yang Mun: Im Urheberrechtsvermerk werden Maor Hani und Shalev Hani genannt.

Neue ethische Fragen

Der Fall zeigt, wie weit KI-generierte Inhalte im digitalen Alltag bereits vorgedrungen sind. Besonders sensibel ist dabei der Bereich der spirituellen und psychologischen Beratung. Wenn künstlich erschaffene Figuren emotionale Nähe erzeugen und gleichzeitig kommerziell genutzt werden, stellen sich neue ethische Fragen. Vor allem dort, wo Transparenz fehlt.

Eurovision News Spotlight

Eurovision News Spotlight ist ein gemeinsames Faktencheck- und Open-Source-Intelligence-Netzwerk (OSINT), das von der Europäischen Rundfunkunion (EBU) zusammen mit öffentlich-rechtlichen Medien gegründet wurde.

Kommentare

User #4124 (nicht angemeldet)

Ein echter Mönch sucht keine Reichweite. Er lebt Rückzug, Disziplin und Demut. Er löst sich vom Ego, sammelt keine Follower und verkauft keine Weisheiten. Wer täglich als angeblicher Mönch auf Social Media erscheint, ruhig spricht und nebenbei Produkte anbietet, ist kein spiritueller Lehrer, sondern Inszenierung. Das Problem ist nicht KI, sondern Unwissen. Viele verstehen nicht, wie leicht heute Personen, Stimmen und Autorität künstlich erzeugt werden. So entstehen Blasen, in denen alles glaubwürdig wirkt. Ein echter Mönch klärt auf, macht unabhängig und nutzt keine Suche aus. Glaubt nicht alles, was euch der Algorithmus in zehn Sekunden vorführt.

User #4124 (nicht angemeldet)

Als ich das Video sah, war mir im Bruchteil einer Sekunde klar, das ist KI. Was ist mit euch los?

Weiterlesen

YouTube Button Smartphone
taylor swift musks ki
8 Interaktionen
Deep-Fakes
joe biden
3 Interaktionen
KI-generiert

MEHR IN NEWS

Lawine Himalaya
Video zeigt
Bettler
5 Interaktionen
Im Tessin
Schmezer
64 Interaktionen
Schmezer
Zuger Kantonalbank
19 Interaktionen
Szene gelöscht

MEHR AUS ISRAEL

Tel Aviv/Gaza
Gazastreifen Palästinenser Trauer
Tel Aviv/Gaza
Tel Aviv/Gaza
Tel Aviv