Wo ist das 400-Kilo-Uran aus dem Iran?
Experten schlagen Alarm: Während die USA und der Iran über eine Waffenruhe verhandeln, fehlt von 400 Kilo hoch angereichertem Uran jede Spur.

Das Wichtigste in Kürze
- Es ist unklar, wo sich 400 Kilo Uran befinden – zudem hat die IAEA derzeit keinen Zugang.
- Es ist möglich, dass das Uran inzwischen auf mehrere Standorte im Iran verteilt wurde.
- Experten warnen, dass das Uran möglicherweise weiter angereichert werden könnte.
Die USA und der Iran verhandeln über eine mögliche Waffenruhe – doch ein entscheidendes Detail bleibt im Dunkeln: Wo sind 400 Kilogramm hoch angereicherten Urans des Iran?
Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat derzeit keinen Zugang zu zentralen iranischen Atomanlagen. Unabhängige Kontrollen sind damit faktisch ausgesetzt.
Und genau dieses Material gilt als hochbrisant: Laut Experten könnte die Menge theoretisch ausreichen, um mehrere Atomwaffen zu bauen.
Ein Satellitenbild vom 9. Juni 2025 zeigt einen Lastwagen vor einem Tunnelkomplex bei der iranischen Stadt Isfahan. Dort stehen 18 blaue Container. Nach Einschätzung des «Bulletin of the Atomic Scientist» ist es grundsätzlich geeignet für den Transport von hoch angereichertem Uran.
Der Haken: Niemand weiss, wo dieses Material heute ist. Die IAEA hat keinen Zugang zum Tunnelkomplex in Isfahan. Eine unabhängige Überprüfung der Bestände ist damit unmöglich.
Noch alarmierender: Es ist offen, ob das Uran überhaupt noch zentral gelagert wird – oder längst auf mehrere Standorte verteilt wurde.
Experten widerlegen Irrtum
Der Nuklearwaffenexperte David Albright vom Institut für Wissenschaft und internationale Sicherheit (ISIS) warnt in einem «Spiegel»-Interview. Genau diese Verteilung könnte Absicht sein. So wäre es für einen Angriff oder eine Kontrolle extrem schwierig, das gesamte Material zu erfassen.
Viele unterschätzen dabei die Lage: 60 Prozent angereichertes Uran gilt oft noch als «weit weg» von Waffenfähigkeit. Waffenfähiges Uran erfordert eine Anreicherung von rund 90 Prozent. Doch Experten widersprechen dieser Einschätzung.
Schwierigster Schritt bereits getan
Der technisch schwierigste Schritt bei der Anreicherung liegt bereits hinter dem Iran. Der grösste Aufwand entsteht nämlich beim Anreichern von Uran auf mittlere Konzentrationen bis zu 20 Prozent.
Albright hält eine militärische Bergung des Materials für kaum realistisch. Unterirdische Anlagen, parallele Standorte und ein hoher logistischer Aufwand machen einen Abtransport extrem schwierig.
Auch eine gezielte Zerstörung der Lager wäre riskant. Sie könnte radioaktive Stoffe freisetzen und die Region weiter destabilisieren.
















