Hamas

Wie realistisch ist die Auflösung der Hamas?

Etienne Sticher
Etienne Sticher

Palestina,

Israel hat die Auflösung der Hamas als Kriegsziel ausgegeben. Experten zweifeln aber daran, dass die Terrororganisation sich zerschlagen lässt.

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Die Hamas hat der Freilassung der Geiseln zugestimmt. Ob sie sich auch entwaffnen lässt, ist unklar. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Israel will die Hamas entwaffnen und auflösen.
  • Experten zweifeln an der Umsetzbarkeit der Entwaffnung.
  • Zudem sieht sich die Hamas weiterhin durch ihren göttlichen Willen legitimiert».

Zwei Ziele hat Israels Premierminister Benjamin Netanjahu für den Gaza-Krieg formuliert: die Befreiung aller Geiseln und die vollständige Zerschlagung der Terrororganisation Hamas.

Dem ersten ist er dank des neuen Abkommens ganz nahe. Doch wie realistisch ist die Erreichung des zweiten Zieles?

Nach der Unterzeichnung des Abkommens über die Geisel-Freilassung und die Feuerpause betonte Netanjahu die Wichtigkeit der Entwaffnung der Hamas.

Gerhard Conrad, ehemaliger Mitarbeiter des deutschen Nachrichtendienstes im Nahen Osten, zweifelt gegenüber «Focus» daran, dass das umgesetzt werden kann: «Wer weiss denn, wie viele Waffen die Hamas hat? Und wer möchte kontrollieren, ob wirklich alles abgegeben wurde?»

Hinzu kommt, dass Gruppen bei Entwaffnungsaktionen immer einen kleinen Teil zurückhalten. «Sozusagen für den Notfall.»

Islamwissenschaftlerin Christina Schirrmacher sagt, die Abgabe der Waffen würde das sichere Ende der Hamas bedeuten.

Dazu sei die Terrororganisation mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht bereit. «Sie setzt in ihrer DNA auf den religiös motivierten Märtyrertod und hat mit einer Auflösung nichts zu gewinnen.»

Auch Ex-Geheimdienstler Conrad sagt, die Hamas sehe sich «durch ihren göttlichen Willen legitimiert und beauftragt. Von ihr wird mehr übrig bleiben, als uns allen lieb ist».

Und selbst wenn die Hamas aufgelöst würde, wäre es möglich, dass ehemalige Kämpfer die neue Ordnungsmacht infiltrierten. So könnten sie wieder an Waffen und Macht gelangen.

Experte: Hass auf Israel verschwindet nicht so einfach

Zu Beginn des Krieges hatte die Hamas rund 40'000 Kämpfer, die Hälfte davon hat Israel laut eigener Aussage ausgeschaltet. Der Hass auf Israel sei durch den Krieg aber nicht geringer geworden, sondern sei befördert worden, so Conrad.

Jede Familie im Gazastreifen habe Tote und Verletzte zu beklagen. «Aber nur die wenigsten sehen die Verantwortung dafür bei der Hamas.»

Der Hass, der seit Jahren auch mit Propaganda angeheizt wurde, verschwinde nicht so einfach. Auch unter «optimalen Bedingungen von Stabilität, wieder entstehender Prosperität» und der Auflösung der Hamas würde es Jahrzehnte dauern.

Hamas
Die Palästinenser im Gazastreifen haben grosse Verluste und Tote zu beklagen. Die wenigsten sehen die Verantwortung aber bei der Hamas. - keystone

Eine entscheidende Rolle in der Zukunft der Hamas sieht Conrad in den Geldgebern, beispielsweise Katar, Iran und Türkei. Diese Länder haben die Hamas mit unzähligen Milliarden aufgebaut, aufgerüstet und unterstützt.

Unklar sei nun, ob sie bereit seien, diese Investitionen abzuschreiben.

Wird im Nahen Osten jetzt ein anhaltender Frieden einkehren?

Conrad gibt aber ebenfalls zu bedenken, dass der Krieg auch den politischen und wirtschaftlichen Interessen der Unterstützerländer geschadet habe. «Die Hamas wird dafür politisch die Zeche bezahlen müssen, vermutlich mit erheblichem Bedeutungsverlust.»

Immerhin bei der Freilassung der Geiseln ist der Ex-Geheimdienstler optimistisch. Er geht davon aus, dass die Übergabe in den nächsten Tagen stattfinden wird, beide Seiten hätten mit den Vorbereitungen begonnen.

Und: «Niemand hat die Absicht, ein Scheitern herbeizuführen, da dieses für alle Seiten nur massive Nachteile mit sich brächte.»

Kommentare

User #6021 (nicht angemeldet)

Herr Trump ist sehr schlechter Formuliert und zu schwach und unbedingt Israelische Politik auflösen und veraltet und absurd. Herr Biden lacht über Trump und doch Erfolglos ist. Trump das Plan ist noch viel stief gelaufen und es fehlt Orientierung.

Amediesli

Das sehe ich genauso. Jeder Hamaskämpfer legt einfach ein Gewehr auf den Haufen, aber der Grossteil der Waffen, die von Katar, Iran und Co finanziert wurden, bleibt irgendwo versteckt. Wer weiss schon, wieviele Waffen die haben. Und werden Katar, Iran und Co aufhören mit der Finanzierung? Trumps Plan ist, wie immer, ein Schnellschuss und nicht zuende gedacht!

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