Wegen Hitze und Trockenheit Debatte um Wasserverbrauch

Keystone-SDA
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Bern,

Die hohen Temperaturen sorgen nun auch im vermeintlich immergrünen Irland für Einschränkungen beim Wasserverbrauch. Seit der Nacht gilt in Dublin und Teilen Ostirlands eine sechswöchige «Water Conservation Order» – umgangssprachlich ein «Gartenschlauchverbot». Ähnliche Massnahmen gibt es bereits in Bayern, Frankreich, Italien und der Schweiz.

ARCHIV - Niedriger Pegelstand an der Elbe in Deutschland. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa/Archivbild - ACHTUNG: Verwendung nur im vollen Format
ARCHIV - Niedriger Pegelstand an der Elbe in Deutschland. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa/Archivbild - ACHTUNG: Verwendung nur im vollen Format - Keystone/dpa/Klaus-Dietmar Gabbert

Auch in Deutschland spitzt sich die Lage zu: Rund 80 Kommunen müssen nach Angaben des Deutschen Städtetags inzwischen in jedem Hitzesommer sogenannte Allgemeinverfügungen erlassen. Sie beschränken die Nutzung von Trink- oder Grundwasser oder untersagen zeitweise die Entnahme aus Flüssen und Seen.

Der staatliche irische Wasserversorger Uisce Éireann nennt als Grund schwindende Vorräte in Flüssen und Speichern. Landesweit liegt der private Wasserverbrauch rund 20 Prozent über dem üblichen Niveau. Im Grossraum Dublin wurden zuletzt täglich bis zu 693 Millionen Liter verbraucht – etwa 50 Millionen mehr als im Durchschnitt. Nennenswerter Regen ist vorerst nicht in Sicht.

Verboten ist unter anderem, mit dem Gartenschlauch Gärten zu bewässern, Autos zu waschen oder grössere Schwimmbecken zu füllen. Auch Zierteiche und Springbrunnen dürfen nicht mit Leitungswasser versorgt werden; Fischteiche sind ausgenommen. Verstösse können geahndet werden.

In Deutschland mahnt der Deutsche Städtetag zum Umdenken. «Früher galt Wasser in Deutschland vielen als unbegrenzte Ressource. Dem ist nicht mehr so», sagte Hauptgeschäftsführer Christian Schuchardt den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Die Wasserversorgung sei zwar weiter sicher. Bund und Länder sollten aber für einheitliche Entnahmeentgelte sorgen. Dabei gehe es ausdrücklich nicht um Privathaushalte, sondern um die kommerzielle Wasserentnahme. Die Entgelte für Gewerbe, Industrie und Landwirtschaft müssten einen Anreiz zum Sparen setzen.

Auch die Grünen fordern angesichts der Lage mehr Verantwortung von Unternehmen. Fraktionschefin Britta Hasselmann sagte den Funke-Zeitungen: «Unternehmen, die viel abpumpen, müssen auch Verantwortung übernehmen.» Die Regeln für die Wasserentnahme sollten bundesweit vereinheitlicht werden. «Trinkwasser für Menschen muss immer Vorrang haben. Es ist keine Ware wie jede andere.»

Der Deutsche Landkreistag verteidigte kommunale Einschränkungen. «Hitze- und Trockenperioden nehmen in vielen Regionen zu. In solchen Situationen müssen auch private Komfortverbräuche, etwa das Befüllen von Pools, kritisch hinterfragt werden», sagte Präsident Achim Brötel den Funke-Zeitungen. Man setze aber zunächst «auf die Einsicht und das verantwortungsbewusste Handeln der Menschen».

In Deutschland hatte die Stadt München zuletzt weitreichende Einschränkungen erlassen. Private Pools dürfen nicht mehr befüllt werden, auch das Rasensprengen und das Abpumpen von Wasser aus Seen und Flüssen sind verboten. Bei Verstössen drohen Bussgelder bis 50.000 Euro. Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) begründete den Schritt damit, dass «nach einem aussergewöhnlich trockenen Winter und Frühling» die Ressourcen der Münchner Wasserversorgung «derzeit äusserst strapaziert» seien.

Frankreich ist nach der dritten Hitzewelle grossflächig von Trockenheit betroffen. Einschränkungen gibt es nicht nur im Süden, sondern auch im grenznahen Departement Moselle, wo der Präfekt Beschränkungen bis Ende August verhängte. In Italien ist es in Regionen wie der Toskana oder dem Latium untersagt, Trinkwasser aus der Leitung für private Gärten, Pools oder das Abspritzen von Höfen und Autos zu nutzen.

In der Schweiz schrieb die Gemeinde Coldrerio im Kanton Tessin von einer kritischen Lage und Anzeichen einer neuen Wasserkrise. Beim Umgang damit wurde das Nachbarland kreativ: Anwohner mit geraden Hausnummern dürfen nur montags, mittwochs und freitags Blumenbeete giessen, die mit ungeraden Nummern an drei anderen Tagen. Topfpflanzen und kleine Hausgärten sind ausgenommen. Im Emmental im Kanton Bern ist etwa das Flussbett des Fankhusbachs ausgetrocknet.

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Kommentare

User #2807 (nicht angemeldet)

In der chinesischen Stadt Yuncheng versprühen Hochhäuser Wassernebel von den Dächern. Laut India Today soll das System lokale Luft- und Oberflächentemperaturen bei großer Hitze um 5 bis 8 Grad Celsius senken können. Das klingt natürlich beeindruckend, ist aber keine Klimaanlage für Wohnungen. Der Effekt entsteht vor allem draußen, rund um Gebäude, auf Wegen und aufgeheizten Flächen.

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