Iran beansprucht alleinige Kontrolle über Strasse von Hormus
Die Spannungen im Nahen Osten nehmen zu. Die USA und der Iran führen Angriffe durch. Das Neuste liest du im Nau.ch-Ticker.

Im Überblick
- Irans Geistliche drängen auf Verhandlungsabbruch
- Experten: Iran will Vormacht über Strasse von Hormus sichern
- Iran beansprucht alleinige Kontrolle über Strasse von Hormus
- Hisbollah-Kämpfer im Südlibanon trotz Waffenruhe getötet
- Bahrain bestätigt Angriffe Irans
- Kuwait meldet feindliche Raketen- und Drohnenangriffe
- Erneut US-Angriffe auf den Iran
Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran eskalieren weiter. Dies, nachdem US-Streitkräfte erneut iranische Ziele als Vergeltung für einen Angriff auf ein Frachtschiff angegriffen haben. Dabei nahmen sie laut Centcom Luftabwehrstellungen, Drohnenlager sowie Überwachungsinfrastruktur ins Visier.
Beide Seiten drohen inzwischen offen mit weiterer Eskalation, während die Lage an der Strasse von Hormus zunehmend angespannt bleibt. Internationale Warnungen vor einer Ausweitung des Konflikts nehmen zu und eine stabile Waffenruhe erscheint fraglich.
Alle Entwicklungen im Newsticker:
Der einflussreiche iranische Klerus fordert nach den jüngsten amerikanischen Angriffen einen Abbruch der Verhandlungen mit den USA.
In einer Erklärung der theologischen Zentren in der Pilgerstadt Ghom wurden der Präsident, die Mitglieder des Sicherheitsrats sowie das Verhandlungsteam aufgefordert, bei einem erneuten Vertragsbruch die Gespräche mit den USA unverzüglich zu beenden.
Dies müsse sowohl aus gesetzlichen als auch aus religiösen Erwägungen geschehen, da ein Vertragsbruch eine Missachtung der im Rahmenabkommen festgelegten Bestimmungen darstelle, heisst es in der Erklärung, die über den Staatssender Irib verlesen wurde.
Die theologischen Zentren in Ghom werden von einflussreichen Klerikern geführt. Sie gelten seit der von Grossajatollah Ruhollah Chomeini angeführten Revolution von 1979 als Initiatoren der islamischen Ideologie des Landes und besitzen entsprechend grossen Einfluss im politischen System.
Der Angriff auf ein Frachtschiff in der Strasse von Hormus hat eine neue Welle gegenseitiger Attacken zwischen den USA und dem Iran ausgelöst. Die USA machen den Iran für den Angriff am Donnerstag verantwortlich und begründeten damit neuerliche Militärschläge gegen iranische Ziele trotz vereinbarter Waffenruhe.
Analysten sehen hinter dem Frachter-Angriff einen Versuch des Irans, klarzustellen, dass Teheran die Kontrolle über die Meerenge besitzt.
Auch die Angriffe auf US-Militärstützpunkte in Bahrain und Kuwait könnten Teil des Bestrebens sein, die Golfstaaten zur Akzeptanz der iranischen Kontrolle über die Strasse von Hormus zu zwingen, heisst es in einer Lage-Analyse des US-Instituts für Kriegsstudien (ISW) in Washington. Auch könne es der Einschätzung zufolge ein Signal an weitere Golfstaaten sein, dass der Iran militärisch gegen sie vorgehen könnte, sollten sie die USA dabei unterstützen, den iranischen Machtanspruch in der Meerenge zu untergraben.
Der Iran beansprucht die Kontrolle des Schiffsverkehrs durch die für den Welthandel wichtigen Strasse von Hormus aufs Neue allein für sich.

«Die Strasse von Hormus wird innerhalb der kommenden 30 Tage wieder vollständig unter die Verwaltung des Iran gestellt.» Das sagte Aussenminister Abbas Araghtschi bei einer Pressekonferenz in der irakischen Hauptstadt Bagdad. Die Verantwortung für die Meerenge liege allein beim Iran, bekräftige Araghtschi.
«Jegliche Einmischung oder der Versuch, parallele Strukturen zu schaffen, würde die Lage weiter verkomplizieren, zusätzliche Spannungen erzeugen und die Wiedereröffnung dieser strategisch zentralen Wasserstrasse verzögern.», sagte Araghtschi.
Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben im Südlibanon mehrere Kämpfer der vom Iran unterstützten Hisbollah-Miliz getötet. Der Vorfall im Bereich der Stadt Nabatija ereignete sich am Samstag trotz einer Waffenruhe und der Vereinbarung eines Rahmenabkommens zwischen Israel und dem Libanon.
Die Hisbollah-Kämpfer seien mit einer Panzerabwehrrakete bewaffnet gewesen, hiess es in der Mitteilung der israelischen Armee. Sie hätten in der Nähe einer von Israel deklarierten «Sicherheitszone» operiert. Die Armee habe sie angegriffen, um eine Bedrohung auszuschalten. Ausserdem sei eine Raketen-Abschussrampe der Hisbollah zerstört worden.
Der Golfstaat Bahrain hat die jüngsten Angriffe des Irans mit Drohnen und Raketen bestätigt. Das Aussenministerium in Manama sprach von einer «gefährlichen Eskalation», die einem «bewussten Muster wiederholter Angriffe» gegen das Land folge.
Der Iran halte an seinem Kurs fest und sei mit Blick auf das Rahmenabkommen mit den USA über ein Ende der Gewalt «allein verantwortlich» dafür, die noch bleibenden Chancen auf eine Deeskalation zu untergraben.
Die Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) griffen nach eigenen Angaben Ziele in Bahrain sowie Kuwait an. Man habe Infrastruktur des US-Militärs in beiden Ländern zerstört, hiess es in einer Mitteilung. In Bahrain seien Ziele des wichtigen US-Marinestützpunkts getroffen worden.
Nach einem erneuten US-Angriff auf Ziele im Iran gibt es Berichte über Explosionen in den mit den USA verbündeten Golfstaaten Kuwait und Bahrain.
Die kuwaitische Luftabwehr wehre derzeit feindliche Raketen- und Drohnenangriffe ab, teilte die Armee des Golfstaates auf der Plattform X mit.

Der iranische Sender Press TV berichtete auch über Explosionen in Bahrain. Das Innenministerium von Bahrain teilte auf X mit, es seien Alarmsirenen ausgelöst worden. Man fordere die Einwohner des Landes auf, Ruhe zu bewahren und sich in Sicherheit zu begeben.
US-Streitkräfte haben nach eigenen Angaben erneut einen Vergeltungsschlag gegen den Iran verübt. Mehrere Ziele – darunter Luftabwehrstellungen, Drohnenlager und Überwachungsinfrastruktur – seien angegriffen worden, teilte das zuständige Regionalkommando Centcom mit. Grund sei ein Angriff des Irans auf einen Frachter gewesen.

Es ist der zweite US-Angriff auf den Iran seit der Unterzeichnung des Rahmenabkommens zwischen den beiden Ländern Mitte Juni. Erst in der Nacht zum Samstag hatten die USA gemeldet, iranische Raketen- und Drohnenlagerstätten sowie küstennahe Radaranlagen aus der Luft angegriffen zu haben – als Reaktion auf die Attacke auf ein Frachtschiff am Donnerstag.










