Uruguays Regierung hat erneut Berufung gegen eine Gerichtsentscheidung eingelegt, wonach sie einen in einem Weltkriegswrack entdeckten NS-Adler öffentlich versteigern muss.
Vor Montevideo geborgener NS-Adler
Vor Montevideo geborgener NS-Adler - ALFREDO ETCHEGARAY/AFP/Archiv

Das Wichtigste in Kürze

  • Nazi-Symbol wurde aus deutschem Kriegsschiffswrack vor Montevideos Küste geborgen.

Der Widerspruch wurde diese Woche beim obersten Gerichtshof des südamerikanischen Landes eingereicht, wie die Nachrichtenagentur AFP von einer Quelle im Verteidigungsministerium erfuhr. Es ist die letzte mögliche Berufung gegen ein Urteil von 2019, das im Dezember in einem Berufungsverfahren bestätigt worden war.

In dem Streit geht es um einen zwei Meter hohen und mehr als 300 Kilogramm schweren NS-Adler, der vor 16 Jahren vor der Küste von Montevideo aus dem Wrack des deutschen Panzerschiffs «Admiral Graf Spee» geborgen worden war. Das Schiff war zu Beginn des Zweiten Weltkriegs an der Schlacht am Rio de la Plata gegen die britische Marine beteiligt gewesen.

Geborgen hatten den NS-Adler in der weiten Mündung des Rio de la Plata zwischen Uruguay und Argentinien zwei von zwei Unternehmen beauftragte Taucher. Ein vorab geschlossener Vertrag mit Uruguays Schifffahrtsverwaltung sah vor, dass beide Seiten je die Hälfte des Erlöses aus dem Verkauf der in dem Schiffswrack geborgenen Gegenstände erhalten.

Weil der Verkauf des NS-Adlers sich aber verzögerte, hatten die Inhaber der Bergungsrechte, Alfredo und Felipe Etchegaray, sowie ein inzwischen verstorbener Taucher Klage gegen den uruguayischen Staat wegen Vertragsbruchs eingereicht.

Der Staat wolle jedoch verhindern, dass bei einer öffentlichen Versteigerung des Nazi-Symbols «unerwünschte Käufer in Erscheinung treten» könnten, sagte Alfredo Etchegaray AFP. Dafür hätten er und sein Bruder Verständnis und stünden daher in einem «freundschaftlichen» Dialog mit der Regierung, um eine Lösung zu finden.

2017 hatte die Bundesregierung in Berlin ihre Sorge zum Ausdruck gebracht, der NS-Adler könne von Anhängern des Nationalsozialismus erworben werden. Sie rief Uruguays Regierung auf, den Adler in einem Museum auszustellen.

Die «Admiral Graf Spee» war im Dezember 1939 an der ersten Seeschlacht im Zweiten Weltkrieg zwischen der Flotte des Dritten Reichs und der britischen Marine beteiligt. Es war die einzige Militäraktion in Südamerika während des Zweiten Weltkriegs.

Nach heftigen Gefechten mit drei britischen Kriegsschiffen lief die «Graf Spee» für Reparaturarbeiten in den Hafen von Montevideo ein. Wegen einer Blockade durch die britische Marine gab der Kommandeur das Schiff jedoch auf und versenkte es. Drei Tage später beging er Suizid.

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