Todesstrafe für Ex-Präsident Yoon beantragt
Sonderermittler fordern die Todesstrafe für den südkoreanischen Ex-Präsidenten Yoon Suk Yeol wegen seines Kriegsrechtsdekrets und des Vorwurfs der Rebellion.

Ein unabhängiger Sonderermittler in Seoul hat beim Zentralgericht die Todesstrafe für den ehemaligen Präsidenten Yoon Suk Yeol beantragt. Das Ermittlerteam wirft ihm vor, durch die Verhängung des Kriegsrechts im Dezember 2024 einen Aufruhr ausgelöst zu haben.
Yoon hatte damals erklärt, das Parlament sei von Kriminellen und «staatsfeindlichen Kräften» durchsetzt, berichtet die «Zeit». Das Parlament wurde daraufhin vom Militär umstellt, doch Abgeordnete kippten das Dekret noch am selben Tag.
Im April 2025 hob das Verfassungsgericht Yoon von seinem Amt auf. Anschliessend nahmen die Sonderermittler ihre umfassenden Untersuchungen auf.
Südkoreas Ex-Präsident droht Todesstrafe wegen «Selbstputsch»
Im Zentrum der Anklage gegen Ex-Präsident Yoon Suk Yeol steht der Vorwurf der Rebellion. Nach südkoreanischem Recht kann dieser bis zur Todesstrafe geahndet werden, erläutert die «New York Times».
Die Sonderermittler werten Yoons Vorgehen als Versuch, die demokratische Ordnung auszuhebeln und seine Macht zu sichern, schreibt das Magazin «Time». Sie sprechen von einem «Selbstputsch», bei dem der Präsident seine verfassungsrechtlichen Notstandsrechte missbraucht habe.
Nach Darstellung der Anklage existierte bereits seit Oktober 2023 ein Plan, politische Gegner mithilfe des Militärs auszuschalten. Yoon sei laut «Straits Times» eng in diese Planungen eingebunden gewesen, heisst es weiter.
Yoon Suk Yeol soll Kriegsrecht geplant haben
Er habe dabei eng mit seinem damaligen Verteidigungsminister zusammengearbeitet, um das Kriegsrecht vorzubereiten, so die «Straits Times». Die Ermittler werten dieses Vorgehen als gezielten Versuch, politische Gegner zu unterdrücken.
Die Staatsanwaltschaft wirft Yoon vor, die «liberal-demokratische Verfassungsordnung» direkt bedroht zu haben, meldet «Al Jazeera». Die Ermittler betonen, dass es keine mildernden Umstände gebe.
Im Rahmen der abschliessenden Anhörung vor dem Zentralgericht wurde laut der «New York Times» die Todesstrafe für Yoon beantragt. Die Verhandlung zog sich demnach bis nach Mitternacht, bevor der Sonderermittler seinen Antrag auf die Todesstrafe stellte.
Südkoreas Strafrecht erlaubt Todesstrafe – Urteil für Yoon ungewiss
Rechtsexperten weisen darauf hin, dass Südkorea seit 1997 keine Hinrichtung mehr vollstreckt hat, betont die «New York Times». Formal bleibt die Todesstrafe jedoch Teil des südkoreanischen Strafrechts.

Gerichte könnten sie demnach weiterhin verhängen. Mehrere Beobachter gehen davon aus, dass Yoon eher eine lebenslange Freiheitsstrafe erhalten dürfte.
Entscheidend sei dabei, wie das Gericht die politischen Hintergründe bewertet. Auch die Gefährdung der Verfassungsordnung spiele eine zentrale Rolle, berichtet «Al Jazeera».
Yoon Suk Yeol weist Vorwürfe zurück – Gericht fällt bald Urteil
Die Verhängung des Kriegsrechtsdekrets hatte Südkorea in eine schwere Krise gestürzt, berichtet «Al Jazeera». Damals strömten Protestierende und Abgeordnete in grosser Zahl zum Parlament, um die Rücknahme des Dekrets zu erzwingen.
Seit dem Sommer 2025 regiert der links-zentristische Präsident Lee Jae Myung, ein langjähriger politischer Rivale Yoons, wie das «Handelsblatt» berichtet. Beobachter sehen den laufenden Prozess daher auch als Gradmesser dafür, wie weit die neue Regierung die Krise aufarbeiten wird.
Yoon weist die Vorwürfe weiterhin zurück und bezeichnet die Ermittlungen als politisch motiviert, fasst «Fox News» zusammen. Das Urteil gegen den Ex-Präsidenten wird in den kommenden Wochen erwartet.
















