Mossad-Chef warnte: Regimewechsel im Iran dürfte ein Jahr dauern
Ein schneller Sturz des iranischen Regimes bleibt wohl Wunschdenken. Israels Mossad-Chef rechnete bereits vor Kriegsbeginn mit einem langwierigen Prozess.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein Regimewechsel im Iran gilt als möglich, aber nicht kurzfristig.
- Israels Geheimdienstchef rechnete intern mit einem Prozess von etwa einem Jahr.
- Die Erwartungen an einen schnellen Umsturz stehen zunehmend in der Kritik.
Ein Sturz des iranischen Regimes ist offenbar deutlich schwieriger als von manchen erhofft. Israels Geheimdienstchef David Barnea soll bereits vor Kriegsbeginn vor zu hohen Erwartungen gewarnt haben – und einen langen Prozess prognostiziert haben.
Wie die «Jerusalem Post» berichtet, rechnete der Mossad-Direktor in einer Einschätzung an das israelische Kabinett damit, dass ein möglicher Regimewechsel im Iran rund ein Jahr dauern könnte. Zwar habe es verschiedene Szenarien gegeben, darunter auch deutlich kürzere Zeiträume von mehreren Monaten. Die wahrscheinlichste Entwicklung sei jedoch ein längerfristiger Umbruch gewesen.
Die Einschätzung steht im Kontrast zu jüngsten Berichten, wonach Israel und die USA teils deutlich optimistischer von einem schnellen Zusammenbruch der Führung in Teheran ausgegangen sein sollen. Anonyme Quellen hatten Barnea zuletzt vorgeworfen, die Erfolgsaussichten überschätzt zu haben.
Mossad-Chef folgt Vorgaben von Netanjahu
Laut der Analyse von «JP» greift diese Kritik jedoch zu kurz und verzerre seine tatsächliche Position. Demnach habe der Mossad-Chef seine Prognosen stets vorsichtig und mit klaren Vorbehalten formuliert. Er habe nie behauptet, ein Regimewechsel sei unmittelbar oder unausweichlich, schreibt die Zeitung.
Vielmehr habe er darauf hingewiesen, dass militärischer Druck allenfalls die Voraussetzungen für einen politischen Umbruch schaffen könne – nicht aber den Sturz selbst garantiere.

Berichte, wonach der Mossad bereits wenige Tage nach Kriegsbeginn Aufstände im Iran auslösen könne, seien zudem nur ein Teil einer komplexeren Lageeinschätzung gewesen. Barnea habe dabei immer auch Unsicherheiten betont, etwa hinsichtlich der tatsächlichen Mobilisierung der Opposition und der Dauer eines solchen Prozesses.
Zugleich wird deutlich, dass die strategische Linie nicht allein vom Geheimdienst bestimmt wurde. Laut dem Bericht erfolgten zentrale Einschätzungen und Präsentationen stets im Rahmen der Vorgaben von Premierminister Benjamin Netanjahu. Auch gegenüber den USA habe Barnea keine eigenständige Agenda verfolgt, sondern abgestimmte Positionen vertreten.
Läuft im Hintergrund ein politischer Machtkampf?
Im Hintergrund läuft offenbar auch ein politischer Machtkampf. Verschiedene anonyme Leaks könnten laut «Jerusalem Post» darauf abzielen, die Verantwortung für ausbleibende Fortschritte beim Regimewechsel neu zu verteilen – zwischen Regierung, Militär und Geheimdiensten.

Klar ist: Selbst innerhalb der israelischen Sicherheitskreise gilt ein rascher Umsturz in Teheran derzeit als unwahrscheinlich. Stattdessen zeichnet sich ein langwieriger und unsicherer Prozess ab, dessen Ausgang offen bleibt.












