Ministerium setzt auf neues Konzept für Wal-Rettung

    Keystone-SDA
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    Deutschland,

    Das Konzept zur Rettung von Timmy muss überarbeitet werden. Eine Expertenkommission schlägt eine schonende und palliative Versorgung vor.

    timmy
    In eine Art stählernes Aquarium gesperrt soll der vor der Ostsee-Insel Poel gestrandete Buckelwal bis in die Nordsee oder gar bis in den Atlantik geschleppt werden. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Der gestrandete Timmy wird doch nicht mit Luftkissen und Pontons gerettet.
    • Laut dem Umweltminister muss das Konzept überarbeitet werden.
    • Timmy ist mehrere Male gestrandet und geschwächt.

    Wie soll es mit dem vor Poel gestrandeten Buckelwal weitergehen? Den Wal mit Luftkissen anzuheben und mithilfe von Pontons und einer Plane abzutransportieren, komme jedenfalls nicht infrage, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) am Mittwochabend bei einer Stellungnahme vor der Presse. «Wir müssen das Konzept überarbeiten.»

    Die private Hilfsinitiative, die vor rund einer Woche vom Umweltminister grünes Licht für das Rettungskonzept erhalten hatte, war nicht wie geplant vor die Presse getreten. Sie arbeite unter Hochdruck an einer Überarbeitung des Plans, sagte Backhaus. Weitere Massnahmen müssten fachlich fundiert sein, das Verhalten des Tieres berücksichtigen und mit den zuständigen Stellen abgestimmt werden. Im Zweifel könne das Land ein Veto einlegen.

    Till Backhaus
    Till Backhaus (SPD), Umweltminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern, glaubt weiterhin an die Rettung von Timmy dem Buckelwal. - keystone

    Expertinnen und Experten der Internationalen Walfangkommission (IWC) empfehlen eine möglichst ruhige und palliative Versorgung des Meeressäugers. Backhaus sieht sich dadurch bestätigt. «Diese Einschätzung deckt sich mit der wissenschaftlichen Bewertung, die von Anfang an Grundlage unseres Handelns war», sagte er.

    Ein wissenschaftliches Gutachten sei schon Anfang April zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Rettungsversuch nicht erfolgversprechend sei und erhebliche Risiken für das Tier berge. Auf dieser Grundlage hatte das Land entschieden, auf weitere aktive Eingriffe vorerst zu verzichten.

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    Nasse Tücher sollen den Rücken von Timmy vor der Sonne schützen. - keystone

    Nach drei Wochen an derselben Stelle war der Wal am Montagmorgen bei steigendem Wasserstand plötzlich losgeschwommen. Von Booten aus versuchten Helfer, ihn Richtung Ostsee zu treiben. Nach zwei Stunden stoppte das vermutlich erschöpfte Tier aber am Übergang der Bucht namens Kirchsee in die Wismarbucht, wo deutlich tieferes Fahrwasser Richtung Ostsee führt.

    Inzwischen wurde ein Sender an dem Tier befestigt. So könnte sein Weg verfolgt werden, sollte es sich überraschend doch noch befreien und losschwimmen. Der Wal sei mittlerweile fünf- bis sechsmal gestrandet, wenn man seine Bewegungen am Montag berücksichtige, sagte Backhaus.

    Timmy frass den angebotenen Fisch nicht

    Die Rettungsbemühungen konzentrierten sich nach Angaben der Initiative zuletzt darauf, dem Tier mehr Platz zu verschaffen. Schon am Dienstag hatten Helfer mit Saug- und Spültechnik den Untergrund bearbeitet. Inzwischen liegt der Wal in einer Mulde im Wasser, so soll möglichst wenig Eigengewicht auf ihm und seinen Organen lasten.

    Wegen der Sonneneinstrahlung wurde sein Rücken mit nassen Tüchern bedeckt. Zweieinhalb Kilogramm Fisch, die dem Wal am Dienstag angeboten wurden, frass er nicht.

    «Tatenlosigkeit ist keine Option»

    «Wer nichts macht, macht auch keine Fehler», sagte Backhaus am Mittwoch auf Poel. Aber Tatenlosigkeit sei trotzdem keine Option. «Wir können gemeinsam sagen: Wir haben es versucht. Und der Versuch macht klug.»

    Der Umgang mit dem Tier wurde immer wieder von verschiedenen Seiten kritisiert, auch Backhaus selbst sah sich Vorwürfen ausgesetzt.

    Mit Blick auf das Vorgehen der Privatinitiative sagte der Minister: «Es gab keinen Zuschlag und keine Genehmigung – sondern eine rechtlich gebotene Duldung.» Nach dem Bundesnaturschutzgesetz sei es allen erlaubt, einem hilflosen Tier zu helfen. Massstab für das staatliche Handeln sei ausschliesslich das Tierwohl. Das Land begleite die Massnahmen eng, Veterinärinnen und Veterinäre seien rund um die Uhr vor Ort.

    Backhaus kündigte an, die Ereignisse politisch aufzuarbeiten. «Wir müssen uns darauf einstellen, dass solche Situationen künftig häufiger auftreten können. Deshalb werde ich mich auf Bundesebene für bessere gemeinsame Strukturen im Umgang mit Grosswalen einsetzen.»

    Kommentare

    User #4449 (nicht angemeldet)

    Während wir weiter mit Timmy fiebern, hat in Norwegen die Walfang-Saison begonnen. In den letzten drei Wochen wurden 45 Zwergwale getötet. Wann endet das endlich?

    User #3492 (nicht angemeldet)

    Immer wieder was Neues und nichts passiert. Verögerungen ohne Ende.

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