Libanon: 13 Tote bei Angriff auf Palästinenserviertel
Israel hat laut eigener Aussage «terroristische Elemente» in einem Palästinenserviertel im Libanon angegriffen. 13 Menschen wurden getötet.

Bei einem israelischen Angriff auf das grösste Flüchtlingslager für Palästinenser im Libanon sind nach libanesischen Behördenangaben mindestens 13 Menschen getötet worden. Es habe weitere Verletzte bei dem Angriff auf Ain al-Hilwah bei der Küstenstadt Sidon gegeben. Dies teilte das Gesundheitsministerium in Beirut mit.
Quellen innerhalb des von Palästinensern bewohnten Viertels meldeten, die Opferzahl könnte weit darüber liegen. Der Angriff habe den Rand des Lagers getroffen. Ein israelischer Armeesprecher teilte auf Arabisch mit, das Militär habe «terroristische Elemente» angegriffen, die in einem «palästinensischen Trainingslager» operiert hätten. Ersten Berichten zufolge könnte der Angriff eine Zusammenkunft von Anführern der islamistischen Hamas getroffen haben.
Ain al-Hilwah im Süden des Landes ist mit rund 80'000 Einwohnern das grösste palästinensische Flüchtlingslager im Libanon. Die meisten Bewohner sind Flüchtlinge des ersten arabisch-israelischen Krieges im Jahr 1948 sowie deren Nachkommen. Andere palästinensische Bewohner wurden im libanesischen Bürgerkrieg (1975-1990) dorthin vertrieben. In den vergangenen Jahren kamen ausserdem Palästinenser aus Syrien wegen des dortigen Bürgerkriegs hinzu.
Die Hamas teilte mit, in den palästinensischen Lagern im Libanon gebe es keine militärischen Einrichtungen. Bei den Opfern handele es sich um junge Menschen, die zum Zeitpunkt des Angriffs zufällig auf einem Sportplatz gewesen seien.
Spannungen zwischen Israel und der Hisbollah nehmen zu
Die im Libanon operierende Hisbollah-Miliz wird wie die Hamas vom Iran unterstützt. Die Spannungen zwischen Israel und der Hisbollah im Südlibanon nahmen zuletzt wieder deutlich zu, nachdem sich beide Seiten vor einem Jahr nach einem monatelangen Krieg auf eine Waffenruhe geeinigt hatten. Israel drängt mit Unterstützung der USA auf eine Entwaffnung der Hisbollah und wirft der Organisation vor, heimlich aufzurüsten.
Medienberichten zufolge will sich heute der US-Sondergesandte für den Nahen Osten, Steve Witkoff, in Istanbul mit Chalil al-Haja treffen, dem höchstrangigen Hamas-Funktionär im Ausland. Bei dem Treffen solle über Bemühungen zur Aufrechterhaltung der Waffenruhe im Gazastreifen gesprochen werden, berichtete unter anderem die «Times of Israel» unter Berufung auf einen arabischen Diplomaten. Von US-Seite gab es zunächst keine Bestätigung für das Treffen.
Witkoff hatte sich bereits Anfang Oktober mit al-Haja getroffen – kurz vor Beginn der Waffenruhe im Gazastreifen. Die US-Regierung stuft die Hamas als Terrororganisation ein und verhandelt eigentlich nicht direkt mit ihr – so zumindest die offizielle Linie. Nach dem ersten Treffen sagte Witkoff, die Hamas-Führung habe ihrer Entwaffnung zugestimmt. Allerdings lehnt die Terrororganisation dies ab.










