Venezuela-Beben: Todeszahl steigt auf 920 – Zehntausende vermisst
Nach den starken Erdbeben in Venezuela laufen die Bergungsarbeiten auf Hochtouren. Aus verschiedenen Ländern sind Rettungsteams auf dem Weg.

Im Überblick
11- Todeszahl steigt auf 920
- Schweizer Rettungsteam in Caracas eingetroffen
- Todeszahl weiter angestiegen
- Erdbeben in Venezuela: «Wo ich wohne, sind ganze Hochhäuser eingestürzt»
- Starlink versorgt Katastrophengebiet in Venezuela mit Internet
- Verzweifelte Suche nach Erdbebenopfern
- Im Bundesstaat La Guaira sind 70'000 Familien betroffen
- Zahl der Toten steigt auf 235
In der Nacht auf Donnerstag erschütterten zwei heftige Erdbeben der Stärke 7,2 und 7,5 Venezuela. In dem Land sind grosse Teile der Infrastruktur veraltet, viele Menschen leben am Existenzminimum.
Durch die Erdbeben und die zahlreichen Nachbeben sind unzählige Gebäude eingestürzt. Mindestens 920 Personen sind gestorben, viele werden noch vermisst. Experten rechnen mit Tausenden oder gar Zehntausenden Todesopfern.
Die Regierung hat den Notstand ausgerufen, die Rettungskräfte arbeiten mit mangelhafter Ausrüstung auf Hochtouren. Die Schweiz hat 80 Spezialkräfte mit acht Suchhunden und 18 Tonnen Rettungsmaterial nach Venezuela geschickt.
Die Zahl der Toten nach der Erdbebenkatastrophe in Venezuela ist auf 920 gestiegen. Mehr als 3300 Menschen seien verletzt worden, teilte der Präsident der Nationalversammlung, Jorge Rodríguez, mit.
Auf einem für die Suche von Vermissten eingerichteten Internetportal sind rund 50.000 Meldungen eingegangen. Auf der inoffiziellen Seite können Angehörige und Bekannte Fotos der vermissten Personen mit Informationen hochladen. Die Daten lassen sich jedoch nicht verifizieren.
Die Rettungskette Schweiz ist mit 80 Spezialisten und acht Suchhunden in Caracas eingetroffen. Das Team soll nach dem schweren Erdbeben Verschüttete orten und aus den Trümmern retten. Die Schweiz stellt dafür zunächst 1,5 Millionen Franken bereit. Hinweise auf Schweizer Opfer gibt es derzeit keine.
Venezuelas Interimspräsidentin Delcy Rodriguez hat bekanntgegeben, dass die Todeszahlen nach dem Erdbeben weiter angestiegen sind.
Mittlerweile seien 589 Menschen den Beben zum Opfer gefallen. 2980 Personen seien verletzt worden, wie «Sky News» berichtet. Das Nachrichtenportal schreibt zudem, rund 50’000 Menschen würden aktuell als vermisst gelten.

Besonders tragisch: 200 Personen sind unter den Trümmern begraben. Rettungstrupps versuchen nun, zu diesen vorzudringen, ehe ihnen der Sauerstoff ausgeht.
Delcy erklärte dazu: «Wir werden die Menschen retten, die unter den Trümmern eingeklemmt sind. Wir arbeiten rund um die Uhr daran, sie zu retten.»
Nach den verheerenden Erdbeben in Venezuela werden die Schäden immer deutlicher.
Das berichtet gegenüber SRF auch Anja Dargatz von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Caracas, der Hauptstadt des Landes. Sie erzählt: «Gestern Abend empfand ich die Lage als sehr kontrolliert und besonnen. Zumindest angesichts dessen, was passiert ist.»

Die Menschen hätten sich bemüht, nicht in Panik zu verfallen und sich gegenseitig zu helfen. Doch sie berichtet auch: «Wo ich wohne, sind ganze Hochhäuser eingestürzt und die Schäden sind an allen Häusern sichtbar.»
Besonders schlimm sei die Lage in La Guaira. Aus Erzählungen habe sie gehört, Menschen seien während des Bebens wie Dominosteine umgefallen, schildert Dargatz die Lage. «Häuser sind reihenweise in sich zusammengefallen – ein Zwinkern und sie waren weg.»
Tech-Unternehmer Elon Musk unterstützt das Erdbebengebiet in Venezuela mit seinem Satelliteninternet-Dienst Starlink.
Bestehenden wie neuen Kunden werde das Kommunikationsnetz in der betroffenen Region bis zum 25. Juli kostenfrei zur Verfügung gestellt, teilte Starlink am Donnerstag (Ortszeit) auf X mit.

Gleichzeitig arbeite die Firma daran, Starlink-Terminals zügig bereitzustellen und die Verbindung in den am stärksten betroffenen Gebieten wiederherzustellen.
Venezuelas geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez bedankte sich auf X für die Unterstützung.
Unter widrigen und teils lebensgefährlichen Umständen suchen verzweifelte Menschen nach der Erdbebenkatastrophe in Venezuela verschüttete Angehörige in meterhohen Schutthaufen. Im Bundesstaat La Guaira im Norden des Landes sei die Lage besonders dramatisch, berichtete die Online-Plattform «Tal Cual».
Bilder von dort zeigen Gebäude, die komplett in Trümmern liegen. Es gebe keinen Strom, kein Wasser und es sei bereits zu Plünderungen von Geschäften gekommen, berichtete «Tal Cual». Für die Sucharbeiten werde schweres Gerät benötigt – daran fehlt es aber bislang noch.

«Alles von Hand zu machen, ist ziemlich mühsam», schilderte eine Bewohnerin der Stadt Catia La Mar nordwestlich von Caracas. «Falls noch jemand am Leben ist, hat er nicht mehr die Kraft, zu antworten.»
Auf einige Betonruinen hätten die Bewohner die Namen der eingestürzten Gebäude gesprüht, hiess es in dem Bericht weiter. An manchen Wänden heisse es aber auch beruhigend: «Uns allen geht es gut.»
Nach den verheerenden Erdbeben in Venezuela sind allein im Bundesstaat La Guaira mehr als 70’000 Familien von den Folgen der Katastrophe betroffen.
Das teilte Innenminister Diosdado Cabello am Donnerstag (Ortszeit) bei einem Besuch in dem besonders schwer getroffenen Bundesstaat an der Karibikküste mit.

«Wir lassen euch nicht allein», sagte Cabello und kündigte umfassende Rettungs- und Bergungsarbeiten sowie die Unterstützung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und Wasser an.
Die Zahl der Todesopfer nach den schweren Erdbeben in Venezuela ist auf 235 gestiegen. Mehr als 4300 Verletzte seien bisher in öffentlichen Krankenhäusern behandelt worden, sagte der venezolanische Gesundheitsminister Carlos Alvarado im Fernsehsender VTV.
Die meisten von ihnen hätten leichte Verletzungen gehabt. Es gebe aber auch mittelschwere und schwere Fälle.

Rund 200 weitere Menschen sollen noch verschüttet sein, hatte der Präsident der Nationalversammlung, Jorge Rodríguez, zuvor gesagt. Dabei dürfte es aber nur um diejenigen gehen, die bereits unter den Trümmern verortet wurden.
Es gibt Hinweise darauf, dass die Gesamtzahl der Verschütteten in die Tausende gehen könnte.
Internationale Hilfsteams mit Spürhunden bereiten sich auf den Einsatz in Venezuela vor. Nach den tödlichen Erdbeben, die das südamerikanische Land erschüttert haben, werden aus Ländern wie Deutschland und Mexiko Rettungskräfte entsandt, um nach Überlebenden zu suchen.
Das Schicksal von Benjamin erschüttert viele: Der fünfjährige Junge wurde nach den Erdbeben aus einem Gebäude in Caracas geborgen. Er erlitt Verletzungen, brach sich den Arm, es geht ihm aber den Umständen entsprechend gut.

Doch unklar ist noch, wie es seiner Mutter geht und wo sie sich befindet. In sozialen Medien und auf einer Website von vermissten und aufgefundenen Personen wird nach ihr gesucht.
Benjamin ist kein Einzelfall: Zahlreiche geborgene Kinder vermissen noch ihre Eltern oder Familienangehörigen. In den sozialen Medien werden zahlreiche Fotos geteilt und so nach den Personen gesucht.
Die venezolanischen Rettungskräfte sind schlecht ausgerüstet. Der aus den Trümmern eines Hauses gerettete Erick Paul bezeugt dies gegenüber «Reuters».

Er sei vier Stunden in den Trümmern gelegen, bis ihn jemand vom Zivilschutz gerettet habe. «Sie hatten nicht viel Werkzeug. Sie konnten Meissel, Bohrer und Schleifmaschinen nicht finden. Sie haben sich mit den Fingernägeln daran gemacht, mich zu befreien.»
Zahlreiche Länder haben Rettungsteams mit guter Ausrüstung losgeschickt. Auch aus der Schweiz sind 80 Retter auf dem Weg nach Venezuela. Sie haben acht Spürhunde und 18 Tonnen Rettungsmaterial dabei.












