Filme und Stars, die man in Locarno nicht verpassen sollte
Das Locarno Film Festival wartet in diesem Jahr mit 233 Filmen auf; hinzu kommen die Stars, die an den Lago Maggiore reisen und ein beachtliches Rahmenprogramm. Um hier die Übersicht zu wahren, hat Keystone-SDA eine Orientierungshilfe zusammengestellt.

Welche Stars werden in Locarno erwartet?
Schauspielerin und Model Isabella Rossellini: Bereits am Eröffnungsabend würdigt sie das Locarno Film Festival als Persönlichkeit, die das zeitgenössische Kino geprägt hat mit dem Excellence Award. Einen Abend später, am 6. August, wird Rossellini in einer ihrer Paraderollen zu sehen sein, wenn der Film «Wild at Heart» (1990) von David Lynch auf der Piazza Grande gezeigt wird. Zudem trifft sie am Vormittag (10.30 Uhr) im Forum Spazio Cinema das Publikum.
Schauspielerin Asia Argento: Für ihr Lebenswerk wird sie am 13. August ausgezeichnet. Bereits am 6. August ist sie auf der grossen Leinwand der Piazza Grande zu sehen, in «Armony» (2026) des italienischen Regisseurs Dario Albertini . Am 14. August (10.30 Uhr) findet ein öffentliches Gespräch mit ihr im Forum Spazio Cinema statt.
Regisseur James Gray wird am Sonntag, den 9. August auf der Piazza Grande den Pardo alla Carriera entgegennehmen, bevor er seinen neuen Film «Paper Tiger» (2026) vorstellt, der dann auch gezeigt wird. Der Film feierte seine Premiere im vergangenen Mai an den Filmfestspielen von Cannes. Am Montag (13.30 Uhr) wird Gray im Forum Spazio Cinema das Publikum treffen.
Welche Filme sollte man gesehen haben?
Wie ein roter Faden zieht sich dieses Jahr das Thema Familie durch das Programm. Zu erwähnen ist vor diesem Hintergrund die romantische Komödie «Brave New Love» der Dänin Maria Bäck, die im internationalen Wettbewerb um den Goldenen Leoparden konkurriert.
Ebenfalls im Rennen um den Hauptpreis ist «Nun dul dega eomne (Nowhere to lay my eyes)» von Hong Sangsoo. Der koreanische Regisseur hat den Goldenen Leoparden bereits 2015 gewonnen für «Right now, wrong then».
Erstmals in der Schweiz ist «The Invite» (2026), der neue Film von und mit Olivia Wilde, auf der Piazza Grande zu sehen. Giona A. Nazzaro, der künstlerische Leiter des Festivals, sieht in dem Film einen «der Kinohits des kommenden Herbstes».
Für Fans von Filmklassikern hält das Locarno Film Festival jeweils um Mitternacht auf der Piazza Grande einiges bereit:
- «Wild at Heart» von David Lynch
- «Dances with Wolves» («Der mit dem Wolf tanzt», 1990) von Kevin Costner, in der restaurierten, ungekürzten 4-Stunden-Fassung
- «Taxi Driver» (1976) von Martin Scorsese, zum 50-jährigen Jubiläum des Films
Die Retrospektive des 79. Locarno Film Festival steht unter dem Titel «Red & Black». Sie widmet sich der Schwarzen Liste, auf der Hollywoods Linke während der McCarthy-Ära standen. Eine zwar repressive, aber künstlerisch äusserst lebendige Zeit, wie die Organisatoren in einer Mitteilung betonten. Zu sehen sind Werke beispielsweise von John Garfield, Joseph Losey, Dalton Trumbo, Dorothy Parker, Richard Wright oder Charlie Chaplin.
Wie ist der Schweizer Film vertreten?
In diesem Jahr stehen 36 Schweizer Filme, darunter 8 Koproduktionen, auf dem Programm. Hervorzuheben ist «Frank & Louis», der erste englischsprachige Film der Aargauer Regisseurin Petra Volpe, die jüngst etwa mit «Heldin» gefeiert wurde. Seine Weltpremiere hatte «Frank & Louis» am Sundance Film Festival. Auf der Piazza Grande feiert er nun seine Europapremiere.
Im internationalen Wettbewerb hofft der schweizerisch-portugiesische Regisseur Basil Da Cunha mit «O Jacaré» auf einen Goldenen Leoparden. Der Film ist der letzte Teil der Trilogie, die dem Leben im Stadtteil Reboleira am Stadtrand von Lissabon gewidmet ist.
Ausser Konkurrenz wird zudem die vierteilige TV-Dokumentarserie «Der Engelmacher» von der Schweizer Regisseurin Marina Klauser erstmals weltweit gezeigt. Klauser geht darin der Geschichte der Schweizer Religionsgemeinschaft Methernita und deren Gründer Paul Baumann nach. Baumann wurde sexueller Missbrauch von Minderjährigen vorgeworfen.
Was das Festival ausser Filmen zu bieten hat
Das Festival ist nicht nur Kino, sondern es bietet während elf Tagen auch eine einzigartige Atmosphäre in der Stadt Locarno. Für diejenigen, die neben dem Kino auch die Musik schätzen, gibt es Konzerte in der Rotonda. Zu den Musikerinnen und Musikern zählen der italienische Liedermacher Enrico Ruggeri, die Band 77 Bombay Street, der Tessiner Sebalter und der junge Schweizer Popkünstler Soleroy.
Zudem sind Ausstellungen im Angebot, etwa «Piazza Nostra» im Innenhof des Museo Casorella und entlang eines Rundgangs durch die Stadt. Die Ausstellung «Stimmen zur Geschichte des Filmfestivals von Locarno» (6.8.-10.1.2027) präsentiert Erfahrungsberichte jener, die das Festival hinter den Kulissen miterlebt haben. «Das dynamische Auge. Wege der Wahrnehmung» im Museo Casa Rusca befasst sich mit den Prozessen des Sehens, auch in der bildenden Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts.
Eines der ältesten Filmfestivals
Das Locarno Film Festival findet seit August 1946 statt. Es zählt neben den Internationalen Filmfestspielen von Venedig (1932), den Filmfestspielen von Cannes (1946) und der Berlinale (1951) zu den traditionsreichsten Filmfestivals und in Europa zu den renommiertesten. Im Lauf der Jahre hat es sich als Sprungbrett für junge Filmemacher profiliert. Die 79. Ausgabe findet vom 5. bis 16. August statt.














