«Die nächste Eskalation ist voraussehbar»
Dass die katalanische Unabhängigkeitsbewegung bei den Parlamentswahlen gewinnen konnte, sei ein Zeichen für ihre Stärke, sagt Historiker und Grünen-Politiker Jo Lang. Er ist überzeugt: «Die nächste Eskalation ist bereits voraussehbar.»

Das Wichtigste in Kürze
- Spanien-Kenner Jo Lang sieht die katalanische Unabhängigkeitsbewegung stärker denn je.
- Eine nächste Eskalation ist für den Historiker und Politiker absehbar.
Bei der Wahl hatten die für Unabhängigkeit eintretenden Parteien am Donnerstag entgegen der meisten Umfragen erneut eine absolute Mehrheit im Parlament von Barcelona errungen (Nau berichtete). «Das zeigt, wie stark die Unabhängigkeitsbewegung ist», beurteilt Historiker und Grünen-Politiker Jo Lang* das Ergebnis.
Der Partido Popular (PP) von Ministerpräsident Mariano Rajoy sei angeschlagen, so Lang zu Nau: «Die PP ist in Katalonien zu einer rechten Randpartei geworden. Das schwächt sie auch auf gesamtspanischer Ebene.» Deshalb stellen sich zwei Fragen: «Ist die gesamtspanische Linke fähig, diese Schwäche auszunützen? Beginnt nun der grosse Showdown zwischen der bisherigen Rechten, PP, und der neuen Rechten, Ciudadanos?»
Zeichen für Stärke der Unabhängigkeitsbewegung
Der unerwartete Erfolg der Separatisten hat die Diskussion in der spanischen Region neu angefacht. Der Ende Oktober abgesetzte Separatisten-Chef Carles Puigdemont nutzte die neugewonnene Stärke am Freitag, um ein Treffen mit dem spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy zu fordern. «Ich glaube, das Mindeste, was wir uns verdient haben, ist, dass wir angehört werden», sagte Puigdemont vor zahlreichen Journalisten in Brüssel.
Für Lang ist deshalb sicher: «Die nächste Eskalation ist bereits voraussehbar.» Wenn Puigdemont, der sich noch in Belgien befindet, nach Spanien zurückkehre, werde er verhaftet. «Dann werden zwischen einer und zwei Millionen Katalaninnen und Katalanen auf die Strasse gehen, dann wird es einen Generalstreik geben», so Lang.
Lang ist überzeugt, dass der Konflikt zwischen Spanien und Katalonien die iberische Politik noch lange bestimmen wird.











