Der Film «Becaària» geht ans Herz

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«Becaària», der dritte Spielfilm des Tessiner Regisseurs Erik Bernasconi, ist eine Wucht: Der Coming-of-Age-Film überzeugt mit bildhafter Sprache und viel Feingefühl.

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«Becaària», der dritte Spielfilm des Tessiner Regisseurs Erik Bernasconi. - keystone

«Nicht zu entscheiden, macht dich nicht frei.» Es ist einer von vielen Sätzen in «Becaària», die zum Nachdenken anregen. Gerichtet ist er an den 16-jährigen Mario (Francesco Tozzi), der 1977 Probleme in der Schule hat, ständig mit seinem Vater aneinandergerät und sich an erste, unbeholfene Annäherungsversuche gegenüber einer Klassenkameradin wagt.

In den Sommerferien wird er «in die Berge» – grandios: Die Kulisse von Fusio im hintersten Maggiatal – geschickt, wo er einem Bauern (Pier Luigi Pasino) helfen soll. Dort lernt er durch unerwartete Begegnungen, etwa mit der Bauerntochter Prisca (Sinéad Thornhill), viel über das Leben, die Liebe und vor allem über sich selbst. Auch wenn er ständig über die eigenen Beine stolpert, im übertragenen Sinne und im wahren, nach einer durchzechten Nacht.

Nur ein bestechendes Detail in diesem grossartigen Porträt eines Teenagers ist die Tatsache, dass dieser seinen Eintritt in die Erwachsenenwelt und die damit verbundenen Veränderungen in einem scheinbar verschlafenen Bergdorf erlebt.

Der Tessiner Regisseur Erik Bernasconi trug den Stoff lange mit sich herum. «Il becaària», ein Roman von Giorgio Genetelli, erschien 2011. Bernasconi mit Jahrgang 1973 trennt zwar eine halbe Generation vom Protagonisten, liebte aber das Buch sofort und konnte sich laut eigenen Angaben gut mit den Erfahrungen von Mario identifizieren.

Diese sind mal berührend, mal traurig, mal absurd und manchmal einfach nur schön. Und sehr, sehr lustig: Diese Balance zwischen allgemeiner Verzweiflung und Weltschmerz einerseits und der kindlichen Ausgelassenheit und dem Herumalbern während der Pubertät andererseits verleiht dem Film viel Leichtigkeit.

Umso beeindruckender ist das, wenn man den Hintergrund der Dreharbeiten, die um zwei Wochen verschoben werden mussten, kennt: Sie erfolgten nach der schweren Überschwemmung im Sommer 2024, die das Maggiatal stark getroffen hatte.

Einmal tanzt Mario, der «becaària» – im Tessiner Dialekt ein Städter in den Bergen, der zu nichts taugt -, mit Schwarm Prisca eng umschlungen zu einem Lied von Cantautore Claudio Baglioni. Obwohl die junge Frau doch eher auf Punk und freie Liebe steht.

Der Song heisst «Questo piccolo grande amore», und er fasst den Film so gut zusammen, dass man – nicht nur während dieser Szene übrigens – ein paar Tränchen verdrücken möchte: «Becaària» geht ans Herz, kratzt an Erinnerungen und stimmt gleichzeitig fröhlich. An den diesjährigen Solothurner Filmtagen gewann «Becaària» deswegen wenig überraschend den «Prix du Public». Übersetzt auf den kommenden Kinostart bedeutet das: Hingehen und geniessen!*

*Dieser Text von Nina Kobelt, Keystone-SDA, wurde mithilfe der Gottlieb und Hans Vogt-Stiftung realisiert.

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