Brasiliens tropischer Regenwald an der Ostküste ist grosser Zerstörung ausgesetzt. Diese hat laut Umweltschützern drastisch zugenommen – stärker als erwartet.
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Die meisten Brände im brasilianischen Regenwald werden Experten zufolge gelegt, um Flächen für Landwirtschaft und Viehzucht bereitzustellen. - dpa-infocom GmbH
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Das Wichtigste in Kürze

  • Die Zerstörung des brasilianischen Atlantischen Regenwalds hat drastisch zugenommen.
  • 21'642 Hektar wurden zwischen November 2020 und Oktober 2021 zerstört.
  • Dieser starke Anstieg kommt sogar für Umweltschützer unerwartet.

In Brasilien hat nicht nur die Umweltzerstörung am Amazonas, sondern auch die Zerstörung des Atlantischen Regenwaldes drastisch zugenommen. Die Ausmasse der Entwaldung im tropischen Regenwald an der Ostküste des Landes sind enorm, wie ein neuer Bericht zeigt.

Die sogenannte Mata Atlântica erstreckt sich auf die gesamte Ostküste Brasiliens. Von dieser seien zwischen November 2020 und Oktober 2021 insgesamt 21'642 Hektar zerstört worden. Dies heisst es einem am Mittwochabend (Ortszeit) veröffentlichten Bericht einer Umweltorganisation. Das entspreche einem Anstieg um 66 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Amazonas Regenwald
Ein Brand im Amazonas-Regenwald. - AFP/Archiv

Durch die Zerstörung der Waldgebiete sei das Äquivalent von 10,3 Millionen Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre freigesetzt worden. Dies erklärte die Organisation SOS Mata Atlântica, die ihren Bericht auf Grundlage von Satellitenbildern angefertigt hatte.

Ihr Sprecher Luis Guedes Pinto sagte der Nachrichtenagentur AFP über die Zunahme der Zerstörung: «Wir haben nicht so einen riesigen Anstieg erwartet.»

Tropischer Regenwald leidet unter Bolsonaros Politik

«Wir dachten, dass der Atlantische Regenwald ein bisschen mehr immun ist gegen die Explosion der Entwaldung.» Dies fügte Pinto mit Blick auf die stärkere Regulierung in der Region hinzu. Der Bericht zeige nun aber, dass auch die Mata Atlântica «unter dem Rückgang von Umweltpolitik und Umweltgesetzgebung» leide.

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Rauch steigt während eines Brandes im Amazonas Regenwald auf. - dpa-infocom GmbH

Die Zerstörung von Brasiliens riesigen Wäldern hat unter dem rechtsextremen Präsidenten Jair Bolsonaro dramatisch zugenommen. Kritiker werfen ihm vor, Umweltschutzregeln zugunsten der mächtigen Agrarwirtschaft auszuhöhlen.

Im Jahr 2019 übernahm Bolsonaro das Amt. Seitdem hat die durchschnittliche jährliche Zerstörung des brasilianischen Amazonas-Regenwaldes nach offiziellen Angaben um 75 Prozent zugenommen. Dies im Vergleich zum vorherigen Jahrzehnt.

Umweltschützer: «Regenwald-Zerstörung ist Katastrophe für die Welt»

Wie der Amazonas-Regenwald ist der Atlantische Regenwald ein wichtiger Bremser des globalen Klimawandels. Ausserdem versorgt das vielfältige Ökosystem Brasilien nach Angaben von Experten mit Nahrungsmitteln, Trinkwasser und erneuerbarer Energie aus Wasserkraft.

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Tropischer Regenwald: In Brasilien wird immer mehr Waldfläche zerstört. - SOS Mata Atlantica/AFP

Umweltschützer Pinto betonte: Die Zerstörung der Mata Atlântica sei «eine Katastrophe nicht nur für Brasilien, sondern für die Welt.» Studien zeigten, dass der Atlantische Regenwald sich dringend erholen müsse. Dies, wenn die Welt das Ziel des Pariser Klimaabkommens noch erreichen wolle. Dieses strebt an, die Erderwärmung auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen.

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