In Ägypten steht der inhaftierte Demokratieaktivist Alaa Abdel Fattah nach Angaben seiner Familie kurz vor dem Suizid. «Sagt (meiner Mutter) Laila Saif, sie soll Beileidsbekundungen für mich annehmen», sagte er seinen Anwälten zum Ende eines Treffens laut einer Erklärung der Familie.
Blogger Alaa Abdel Fattah
Blogger Alaa Abdel Fattah - AFP/Archiv

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Kairoer Hochsicherheitsgefängnis Tora habe ihn der zuständige Sicherheitsbeamte «ins Visier genommen», teilte die Familie in der Nacht zum Dienstag bei Facebook mit.

Die Staatsanwaltschaft sei gescheitert beim Versuch, ihn angemessen zu schützen und auf seine wiederholten Beschwerden zu reagieren.

Der Aktivist und Blogger Alaa Abdel Fattah zählte in der Revolution von 2011 in Ägypten zu den Führungsfiguren. Die Massenproteste gegen Langzeitherrscher Husni Mubarak organisierte er massgeblich mit. 2013 wurde er beim Protest gegen ein verschärftes Demonstrationsgesetz festgenommen und wegen illegalen Demonstrierens und Angriffen auf die Polizei zu einer Haftstrafe von fünf Jahren verurteilt. Ein halbes Jahr nach deren Ende wurde er 2019 erneut festgenommen und befindet sich seitdem wieder in Gewahrsam der Behörden. Im Juni 2020 wurde auch seine Schwester Sanaa festgenommen.

«Ich weiss nicht, was wir tun können, um Alaas Leben zu schützen», schrieb Schwester Muna Saif bei Twitter. Am Dienstag machten sie und ihre Mutter sich erneut auf zum Tora-Gefängnis, um einen Brief an Alaa sowie einen Brief an den Gefängnisdirektor abzugeben.

Menschenrechtsorganisationen beschreiben die Lage in Ägypten unter anderem mit Blick auf die Meinungs- und Pressefreiheit sowie die Zustände in den Gefängnissen als verheerened. Kritiker werden demnach mit aller Härte verfolgt. Die ägyptische Regierung hatte zuletzt Verbesserungen versprochen, etwa beim Recht auf politische Teilhabe und bei der Gründung politischer Parteien. Bei dieser neuen «Nationalen Menschenrechtsstrategie» handelt es sich nach Einschätzug von Human Rights Watch aber hauptsächlich um Propaganda. Auch Menschenrechtler im Land rechnen dabei nicht mit wirklichen Verbesserungen.

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