Einen Tag nach der Verurteilung der Vertrauten des US-Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, Ghislaine Maxwell, hat die US-Justiz das Verfahren gegen die Gefängniswärter Epsteins wegen dessen mysteriösen Todes eingestellt.
Epsteins Gefängnis in New York
Epsteins Gefängnis in New York - GETTY IMAGES NORTH AMERICA/AFP/Archiv

Das Wichtigste in Kürze

  • Gefängniswärter hatten Zellen in der Nacht von Epsteins Tod nicht kontrolliert.

In einem Gerichtsbeschluss des Bundesgerichts in Manhattan, der am Donnerstag (Ortszeit) veröffentlicht wurde, erklärte Staatsanwalt Damian Williams die «Einstellung der Strafverfolgung» gegen die beiden vom Dienst suspendierten Justizangestellten.

Die Strafverfolgungsbehörden hatten die beiden Wärter eines New Yorker Gefängnisses im November 2019 beschuldigt, ihren Aufsichtspflichten in der Nacht im August, in der sich Epstein offiziellen Angaben zufolge erhängte, nicht nachgekommen zu sein. Demnach hätten sie an ihren Schreibtischen im Internet gesurft, anstatt die Gefängniszellen regelmässig zu kontrollieren.

Der schwerreiche Investor Epstein, der mit bekannten Grössen aus Politik und Gesellschaft wie den früheren Präsidenten Bill Clinton und Donald Trump und Microsoft-Gründer Bill Gates verkehrte, soll jahrelang minderjährige Mädchen und junge Frauen sexuell missbraucht und zur Prostitution angestiftet haben. Er war im Morgengrauen des 10. August tot aufgefunden worden. Wegen der mutmasslichen Verwicklungen mächtiger und prominenter Persönlichkeiten wie des britischen Prinzen Andrew in den Sex-Skandal gibt es zahlreiche Verschwörungstheorien zu den Umständen von Epsteins Tod.

In ihrer Einstellungsverfügung erinnerte die Staatsanwaltschaft daran, dass die beiden Wärter «absichtlich» und «wissentlich» Dokumente gefälscht hatten, um den Anschein zu erwecken, dass sie in der Nacht ihre Runden gedreht hätten. Nach dem Aufkommen der Vorwürfe war der Gefängnisleiter versetzt und die beiden Verdächtigen vom Dienst suspendiert worden. Im Rahmen einer Einigung mit den Strafverfolgern wurden die beiden Wärter demnach lediglich zu gemeinnütziger Arbeit verpflichtet.

Am Mittwoch hatte ein Geschworenengericht in New York Ghislaine Maxwell wegen Sexhandels mit Minderjährigen schuldig gesprochen. Der 60-Jährigen droht eine jahrzehntelange Gefängnisstrafe. Das Strafmass soll zu einem späteren Zeitpunkt verkündet werden. Maxwell - einst Epsteins Geliebte und dann über Jahre seine enge Vertraute und Mitarbeiterin - sitzt seit Juni 2020 in Untersuchungshaft.

Die juristische Aufklärung des Skandals ist jedoch noch nicht abgeschlossen. Maxwells Anwälte haben bereits angekündigt, dass sie Berufung einlegen wollen. Virginia Giuffre, die laut eigenen Angaben als Minderjährige von Epstein für Sex an Prinz Andrew ausgeliehen wurde, hat zudem einen Zivilprozess gegen das Mitglied des britischen Königshauses angestrengt.

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