Inflation

    USA: Inflation so hoch wie seit 30 Jahren nicht mehr

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    Seit Jahrzehnten sind die Preise in den USA nicht mehr so gestiegen. Ist die Teuerung tatsächlich nur von Corona-Sonderfaktoren bestimmt, wie die Fed meint? Präsident Biden will den Trend umkehren.

    US-Präsident Joe Biden sagte mit Blick auf den Anstieg der Verbraucherpreise in den USA, es habe höchste Priorität für ihn, diesen Trend umzukehren. Foto: Alex Brandon/AP/dpa
    US-Präsident Joe Biden sagte mit Blick auf den Anstieg der Verbraucherpreise in den USA, es habe höchste Priorität für ihn, diesen Trend umzukehren. Foto: Alex Brandon/AP/dpa - dpa-infocom GmbH

    Das Wichtigste in Kürze

    • Der Preisauftrieb in den USA hat sich im Oktober von hohem Niveau aus weiter beschleunigt.

    Die Verbraucherpreise erhöhten sich gegenüber dem Vorjahresmonat um 6,2 Prozent, wie das Arbeitsministerium um Mittwoch in Washington mitteilte.

    Das ist die höchste Inflationsrate seit dem Jahr 1990. Analysten hatten im Schnitt nur mit einer Beschleunigung auf 5,9 Prozent gerechnet. Im Vormonat hatte die Rate 5,4 Prozent betragen.

    US-Präsident Joe Biden sagte mit Blick auf den Anstieg, es habe höchste Priorität für ihn, diesen Trend umzukehren. Er habe den Nationalen Wirtschaftsrat angewiesen, weiter insbesondere gegen den Anstieg von Energiekosten vorzugehen. Das jüngst beschlossene Infrastrukturpaket solle ausserdem helfen, Engpässe in Lieferketten zu reduzieren und den Warenverkehr zu verbessern.

    Der Preisanstieg fiel laut Arbeitsministerium breit aus und betraf diverse Kategorien. Energie, Mieten, Lebensmittel, Gebrauchtwagen und neue Autos seien deutlich teurer gewesen. Die Teuerungsrate ohne Energie und Nahrungsmittel, die Kernrate, stieg von 4,0 auf 4,6 Prozent. Diese Rate wird von Ökonomen zumeist als verlässliche Messgrösse angesehen, um den grundlegenden Preistrend zu bestimmen.

    Die Inflation entfernt sich damit noch mehr vom mittelfristigen Zielwert der US-Notenbank Fed, der zwei Prozent beträgt. Die Fed erachtet die erhöhte Teuerung allerdings als von Corona-Sonderfaktoren bestimmte, übergangsweise Entwicklung, die sich bald wieder abschwächen sollte. Kritiker monieren, diese Sichtweise gerate umso mehr ins Wanken, je länger die Inflationsrate hoch bleibe und je stärker die Abweichung vom Fed-Ziel ausfalle.

    Analysten verwiesen auf die bekannten Inflationstreiber der vergangenen Monate, warnten jedoch vor einem breiter werdenden Preisauftrieb. Der Druck seitens der Angebotsengpässe - eine Folge des coronabdingt eingeschränkten Welthandels - sei weiter stark, erklärte das Analysehaus Capital Economics.

    Ob die Fed ihren lockeren Kurs in diesem Umfeld durchhalten kann, wird zunehmend ungewiss: «Angesichts dieser Zahlen wird es für die US-Notenbank immer schwieriger, die Beschleunigung der Inflation allein auf Sonder- und Nachholeffekte zurückzuführen», erklärte Analyst Dirk Chlench von der Landesbank Baden-Württemberg.

    Die Fed hat zwar damit begonnen, ihre extrem lockere Haltung etwas zurückzufahren. Allerdings bezieht sich der Kurswechsel bisher nur auf die zur Konjunkturbelebung aufgelegten Wertpapierkäufe, die schrittweise verringert werden sollen. Mit einer Zinsanhebung will sich die Zentralbank dagegen Zeit lassen.

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