Die Polizei in Haiti hat Lebenszeichen von den entführten Missionaren und ihren Familienangehörigen erhalten.
Polizist in Haiti
Polizist in Haiti - AFP/Archiv

Das Wichtigste in Kürze

  • Haitianische Behörden und FBI verhandeln mit Entführern.

Es könne davon ausgegeangen werden, dass «alle Entführten» noch am Leben seien, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag von der Kriminalpolizei. Genauere Details wurden nicht genannt. Die Verhandlungen über die Freilassung der Ausländer seien «im Gange», die Federführung liege bei der haitianischen Kriminalpolizei, die mit «mehreren FBI-Agenten» zusammen arbeite.

Die Missionare und ihre Familienangehörigen waren vor knapp zwei Wochen auf dem Rückweg von einem Waisenhaus ausserhalb der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince von der Bande 400 Mawozo entführt worden. Nach Angaben ihrer christlichen Organisation handelt es sich um fünf Männer, sieben Frauen und fünf Kinder. 16 von ihnen haben demnach die US-Staatsbürgerschaft, einer ist Kanadier. Die USA entsandten ein Ermittlerteam nach Haiti.

Nach AFP-Informationen forderten die Entführer ein Lösegeld von einer Million Dollar (860.000 Euro). Vergangene Woche drohte der Chef der Bande in einem Video mit der Ermordung der Geiseln.

Entführungen sind in dem Karibikstaat keine Seltenheit. Im April erst waren zehn Menschen, darunter zwei französische Geistliche, in derselben Region 20 Tage lang von 400 Mawozo festgehalten worden. Die Gruppe kontrolliert mehrere Strassen in dem Gebiet. Dort kapert sie immer wieder Fahrzeuge und sogar ganze Busse, verschleppt deren Insassen und verlangt Lösegeld. Nach Angaben von Menschenrechtlern hat die Zahl der Entführungen in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen.

Das von grosser Armut geprägte Haiti kämpft seit Jahren mit Naturkatastrophen und politischen Krisen, die den Staat und die Wirtschaft lähmen. Die bis heute nicht aufgearbeitete Ermordung von Präsident Jovenel Moïse im Juli sowie ein schweres Erdbeben einen Monat später im Südwesten des Landes, bei dem 2200 Menschen starben und 130.000 Häuser zerstört wurden, haben die Probleme des Landes weiter verschärft.

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