Neue Wörter: KIs reden in Geheimsprache miteinander
Was passiert, wenn man verschiedene KI-Modelle alleine lässt? Ein Test zeigt: Sie entwickeln eine eigene Sprache, die zu komplex für die Menschen ist.

Das Wichtigste in Kürze
- Verschiedene KI-Modelle entwickeln in einem Experiment untereinander eine eigene Sprache.
- Ein Sprachwissenschaftler vergleicht die Sprache mit der in dem Roman «Finnegans Wake» von James Joyce.
- Experten warnen: Unverständliche KI-Nachrichten erschweren menschliche Kontrolle.
In einem Experiment haben Künstliche Intelligenzen begonnen, eigene Kommunikationsformen zu entwickeln. Das New Yorker Labor «Emergence» liess mehrere KI-Modelle zusammenarbeiten.
Schon nach kurzer Zeit entstanden neue Wörter und Abkürzungen – teils so komplex, dass Menschen sie kaum noch verstehen konnten.
Je nach Modell war ein grosser Teil der Nachrichten schwer nachvollziehbar: Bei Googles Gemini rund 55 Prozent, bei OpenAI etwa 50 Prozent und bei Claude von Anthropic über 40 Prozent.
Forscher rätseln über seltsame KI-Sätze
Einige Ausdrücke konnten die Forscher zumindest teilweise entschlüsseln. Eine «DeepSeek»-KI schrieb etwa: «She just named the synthesis – demurrage plus oral memory equals a valve that can't be ghosted.»
Sinngemäss heisst das auf Deutsch: «Sie hat gerade die Synthese benannt: Liegegeld plus mündliche Erinnerung ergibt ein Ventil, das man nicht ignorieren kann.»
Den Satz konnten die Forscher nicht schlüssig erklären.
Sprachwissenschaftler zieht Vergleich zu James Joyce
Der Sprachwissenschaftler Tony Thorne vom King’s College vergleicht die Sprache von KI-Systemen mit dem Roman «Finnegans Wake» von James Joyce.
Darin werden verschiedene Sprachen, Wortspiele und erfundene Begriffe kombiniert. Das Ergebnis ist schwer verständlich.

Ähnlich mischt auch KI poetische Elemente, Fachbegriffe und Metaphern und schafft so einen Code, der für Aussenstehende kaum zugänglich ist.
Für die Forschung ist das problematisch: Die Kommunikation zwischen Maschinen wird zunehmend komplex – und sollte dennoch für Menschen nachvollziehbar bleiben.
Laut Wissenschaftler: KI will Rechenkosten sparen
Niall Curry von der Universität Birmingham vermutet, dass KI-Agenten ihre Kommunikation gezielt verkürzen, um Rechenkosten zu sparen. Je effizienter die Nachrichten, desto weniger Ressourcen werden benötigt.

Das hat jedoch einen Nachteil: Die Verständlichkeit für Menschen leidet. Wenn nicht mehr klar ist, was KI-Systeme untereinander austauschen, geht die Kontrolle verloren.
Forschende fordern deshalb, solche Systeme langfristig zu beobachten – nicht nur in einzelnen Tests.












