Meta-Prozess: Whistleblower deckt Risiken auf
Meta steht wegen der psychischen Gesundheit junger Nutzer vor Gericht. Ein Whistleblower sagt aus, Risiken seien um das Hundertfache unterschätzt worden.

Der Technologiekonzern Meta muss sich vor einem US-Gericht wegen des Umgangs mit jungen Nutzern verantworten. Der Prozess begann am Dienstag im kalifornischen Oakland, berichtet «Euronews».
Vier US-Bundesstaaten werfen Meta vor, seine Plattformen gezielt so gestaltet zu haben, dass junge Nutzer abhängig werden. Der Konzern soll zudem Wissen über schädliche Folgen für die psychische Gesundheit zurückgehalten haben.
Kentuckys Generalstaatsanwalt Russell Coleman bezeichnete das Verfahren als grösste Verbraucherschutzklage in der Geschichte der USA. Theoretisch könnte sich der Schadenersatz auf bis zu 1,4 Billionen Dollar belaufen, berichtet das «Handelsblatt».
Ex-Meta-Manager erhebt schwere Vorwürfe
Der frühere Meta-Technikdirektor Arturo Béjar erhob vor Gericht schwere Vorwürfe gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber. Metas öffentliche «Community Standards Enforcement Reports» hätten das tatsächliche Risiko für Nutzer deutlich unterschätzt, berichtet «BBC».

Diese Berichte erfassen, wie häufig Nutzer Inhalte sehen, die gegen die Regeln des Konzerns verstossen. Bei grafischen oder gewalttätigen Inhalten meldete Meta für Jugendliche eine Häufigkeit von 0,01 bis 0,02 Prozent.
Interne Nutzerbefragungen hätten jedoch Werte ergeben, die 100- bis 400-mal höher lagen, laut «BBC». Meta habe diese Ergebnisse der internen Befragungen nicht veröffentlicht, sagte Béjar vor Gericht.
Béjar wirft Meta mangelnden Schutz vor
Grundlage waren interne Befragungen, in denen Nutzer direkt nach ihren negativen Erfahrungen auf den Plattformen gefragt wurden. Diese Ergebnisse standen den deutlich niedrigeren öffentlich kommunizierten Kennzahlen gegenüber, berichtet «Euronews».
Béjar zufolge behandelte Meta Sicherheitsfragen trotz wiederholter Warnungen nur nachrangig. Beim Start wichtiger Funktionen wie Reels sei Sicherheit sogar kein Kriterium gewesen.
Die Unternehmensspitze habe zudem von der Diskrepanz zwischen gemeldeten Schäden und der öffentlichen Darstellung gewusst. Trotz dieser Erkenntnisse habe Meta seine öffentlich kommunizierten Sicherheitskennzahlen nicht entsprechend angepasst, so «Euronews».
Meta weist Vorwürfe zurück
Meta soll zudem routinemässig Daten von Kindern unter 13 Jahren ohne Zustimmung ihrer Eltern gesammelt haben. Damit habe der Konzern gegen US-Bundesrecht verstossen, berichtet «Al Jazeera».

Meta weist die Anschuldigungen zurück und bezeichnet die Forderungen der Bundesstaaten als unbegründet. Der Konzern verweist unter anderem auf spezielle Teen-Konten und Möglichkeiten für Eltern, die Nutzungsdauer zu begrenzen.
Die Kläger fordern neben Milliardenstrafen grundlegende Änderungen an Facebook und Instagram. Der Prozess ist auf sechs Wochen angesetzt, auch Mark Zuckerberg und Instagram-Chef Adam Mosseri sollen aussagen, meldet «Al Jazeera».












