Künstliche Intelligenz

    Künstliche Intelligenz: Google schaltet «Gemini» an Schulen aus

    Vivian Balsiger
    Vivian Balsiger

    USA,

    Google zieht die KI-Bremse: «Gemini» bleibt an Schulen künftig standardmässig aus. Doch wer Künstliche Intelligenz verbietet, verliert auch die Google-Suche.

    gemini
    Die Google-Kehrtwende: In Zukunft ist die KI «Gemini» nicht mehr standardmässig aktiviert. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Google gibt dem Druck nach und aktiviert «Gemini» an Schulen künftig nicht mehr automatisch.
    • Wer KI an Schulen jedoch vollständig sperrt, könnte laut Google auch den Zugang zur Suche verlieren.
    • Weltweit nutzen mehr als 150 Millionen Schülerinnen und Schüler Google Classroom.

    Google rudert zurück!

    Der Tech-Gigant will seinen KI-Assistenten «Gemini» an Schulen künftig nicht mehr standardmässig einschalten. Betroffen sind sämtliche Schülerinnen und Schüler – vom Kindergarten bis zur Oberstufe.

    Der Entscheid kommt nicht aus heiterem Himmel: Eltern, Schulen und Politiker hatten monatelang Druck auf den Konzern ausgeübt. Ihre Sorge: Kinder könnten sich zu früh und zu stark auf Künstliche Intelligenz verlassen.

    Google ist aus dem US-Schulalltag kaum wegzudenken. Gmail, Docs und Classroom gehören vielerorts zur Grundausstattung. Auch Chromebooks sind in Klassenzimmern allgegenwärtig.

    Nun zieht Google jedoch die Reissleine: Laut einem Blogeintrag vom Dienstag bleiben Gemini und weitere KI-Funktionen künftig standardmässig ausgeschaltet. Schulen können sie bei Bedarf aber weiterhin selbst freischalten.

    Google stellt Schulen vor Dilemma

    Die Kehrtwende bringt aber ein Problem mit sich. Denn wer KI komplett verbannen will, könnte gleich noch etwas anderes verlieren: den Zugang zur Google-Suche.

    Der Grund: Die KI-Funktionen seien inzwischen «tief integriert», erklärte Chris Phillips, Googles Vizepräsident für den Bildungsbereich, gegenüber der «New York Times».

    Konkret bedeutet das laut Phillips: Verbietet eine Schule Künstliche Intelligenz vollständig, können Schülerinnen und Schüler auch nicht mehr auf die Suche zugreifen. Statt Suchresultaten erscheint dann eine Meldung der Schule, dass der Dienst nicht verfügbar ist.

    Das sorgt für politischen Zündstoff. New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani warf Google auf X vor, seine Monopolstellung auszunutzen, um KI an öffentlichen Schulen durchzudrücken.

    Auch andere US-Politiker üben scharfe Kritik.

    Millionen Schüler sind betroffen

    Die Tragweite ist enorm: Weltweit nutzen über 150 Millionen Schülerinnen und Schüler die Plattform Google Classroom. US-Senatoren hatten deshalb bereits im vergangenen Monat Erklärungen von Google zur automatischen Aktivierung der KI-Funktionen verlangt.

    huber
    Gerade in jungen Jahren sei es wichtig, die Intelligenz zu formen, sagt SVP-Nationalrat Alois Huber. - keystone

    Google will die neuen Einstellungen weltweit ausrollen. Den Anfang machen die USA. Wann genau die Umstellung erfolgt, ist allerdings noch offen.

    Künstliche Intelligenz im Klassenzimmer

    Die Diskussion ist längst nicht auf die USA beschränkt. Auch in der Schweiz ist Künstliche Intelligenz längst Teil des Schulalltags. Die Schülerinnen und Schüler nutzen die Technologie in Form von generativen Chatbots, Übersetzungsprogrammen, Lernanalysen oder adaptiven Lernprogrammen.

    Doch der Widerstand nimmt zu. SVP-Nationalrat Alois Huber zum Beispiel kann sich ein klares Verbot vorstellen. Er sei «absolut nicht gegen KI», sagte er Ende September zu Nau.ch. Ein Verbot bis zur Oberstufe würde er dennoch begrüssen.

    Sollte KI an Schulen verboten werden?

    Gerade in jungen Jahren sei es wichtig, die Intelligenz zu formen, sagte der Bildungspolitiker. «Sodass man auch eine eigene Meinung haben kann.»

    Auf KI könnten die Schülerinnen und Schüler später zurückgreifen. «Wenn sie richtig lesen, schreiben und denken gelernt haben.» Dann seien sie auch in der Lage, mit KI kritisch umzugehen, so Huber.

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