Künstliche Intelligenz

    Künstliche Intelligenz verschreibt erstmals selbst Medikamente

    Fabienne Endras
    Fabienne Endras

    Bern,

    Künstliche Intelligenz darf zum ersten Mal von sich aus Medikamente verordnen. Experten sehen Risiken und Chancen in dem Pilotprojekt im US-Bundesstaat Utah.

    künstliche intelligenz
    Die erste Künstliche Intelligenz, die selber Medikamente verordnet – Experten warnen, aber sehen auch Chancen. (Symbolbild) - Screenshot Nolla Derm

    Das Wichtigste in Kürze

    • Eine KI darf das erste Mal selber Akne-Medikamente verordnen – es ist ein Pilotprojekt im US-Bundesstaat Utah.
    • Ein Dermatologe in der Schweiz findet die Entwicklung verfrüht – die Technologie sei erst in fünf bis zehn Jahren so weit.
    • Experten sehen Chancen für KI zur Unterstützung von Ärzten. Die Verantwortlichkeit beim Auftreten von Fehlern ist aber noch ungeklärt.

    Erstmals darf Künstliche Intelligenz von sich aus Medikamente verordnen.

    Im US-Bundesstaat Utah wurde dafür dem Start-up «Nolla Health» eine Ausnahmegenehmigung erteilt. Damit ist es der KI erlaubt, bestimmte Akne-Präparate selbständig – also ohne menschlichen Arzt – zu verordnen.

    Die Nolla-App analysiert das Gesicht der Patientinnen und Patienten anhand eines Bildes. Anschliessend wählt die KI die passende Behandlung. Der gesamte Vorgang dauert laut Unternehmensangaben 10 bis 15 Minuten und kostet die Nutzenden 4.99 US-Dollar pro Monat.

    Erlaubt sind ausschliesslich Medikamente, die äusserlich auf die Haut aufgetragen werden. Minderjährige, Schwangere und Menschen mit schwerer Akne müssen weiterhin an Ärzte weitergeleitet werden.

    Rezeptpflichtige Medikamente verschreiben – sollte das eine Künstliche Intelligenz dürfen?

    Experte: Delegation an Künstliche Intelligenz ist zu früh

    Severin Läuchli, Chefarzt in der Dermatologie, findet die Entwicklung verfrüht. «Künstliche Intelligenz kann vieles, aber nicht alles», sagt er.

    Läuchli erklärt: «Dermatologie ist sehr visuell und die Bildbeurteilung ist wichtig. Das kann die KI zwar schon sehr gut.» Jedoch müssten für eine Diagnose auch andere Faktoren berücksichtigt werden.

    Laut dem Dermatologen sind zum Beispiel das Befinden, der allgemeine Hautzustand oder der Leidensdruck von Betroffenen genauso wichtig. Dies könne nicht anhand eines Fotos erfasst werden.

    Dermatologe
    Severin Läuchli ist Chefarzt am Institut für Dermatologie und Venerologie des Stadtspitals Zürich Europaallee. Er beurteilt die Entwicklung in Utah kritisch. - dermazentrumzuerich.ch

    Läuchli zeigt sich aber offen gegenüber der Entwicklung: «In fünf bis zehn Jahren könnte die Technologie weit genug sein.»

    Bei der Hautkrebsfrüherkennung sei die Künstliche Intelligenz bereits weiter. Muttermale lassen sich aufgrund klar definierter Bildmerkmale gut beurteilen, so Läuchli. Dennoch betont er: «Im Einzelfall kann dies aber ein Dermatologe immer noch besser als die KI.»

    Manche sprechen bei der App aus Utah bereits vom «ersten KI-Arzt».

    Doch Gregory Nenniger vom Schweizerischen Apothekerverband pharmaSuisse relativiert dies gegenüber Nau.ch: «Das Projekt ist ein befristeter, staatlich überwachter Pilotversuch.» Zudem verschreibe die KI-App bisher nicht ganz eigenständig.

    Beim Akne-Pilot in den USA, der Anfang Oktober 2026 startete, müssen jeweils zwei Ärzte jede einzelne Verschreibung genehmigen. Erst nach den ersten 100 behandelten Personen soll die Kontrolle schrittweise gelockert werden.

    Falsche Medikamente bergen Risiken

    In vielen Fällen dürfte die Künstliche Intelligenz das richtige Mittel wählen, meint Läuchli. Doch falsche Verordnungen würden Risiken bergen, warnt er: «Es kann sein, dass ein Medikament schlicht nicht wirkt oder sogar Nebenwirkungen hat – selbst bei äusserlich angewendeten Präparaten.»

    Aber auch wenn Läuchli eine dermatologische Untersuchung für unverzichtbar hält, sieht er Chancen im Einsatz von KI. «Sie kann Ärzte unterstützen, und diese können sich dann mehr auf den Menschen konzentrieren.»

    Vertraust du Gesundheits-Apps?

    Auch Nenniger von pharmaSuisse sieht dieses Potenzial. Doch er stellt klar: «Ein Rezept ist keine Formalität, sondern ein klinischer Entscheid. Jemand muss prüfen, ob die Therapie passt, und dafür die Verantwortung tragen.»

    KI soll unterstützen, nicht entscheiden

    Karin Tremp, Expertin im Bereich KI, kennt die Gesundheitsbranche aus eigener Berufserfahrung. Auch sie sieht in der Technologie klare Chancen.

    «Wenn KI Routineaufgaben zuverlässig übernimmt, gewinnen medizinische Fachpersonen mehr Zeit für ihre Patienten», sagt sie. Ressourcen könnten gezielter eingesetzt und der Arbeitsalltag entlastet werden.

    KI könne administrative Abläufe vereinfachen sowie bei Diagnose und Vorbeugung von Krankheiten helfen, sagt Tremp.

    Sie betont aber, dass es nicht um den Ersatz von Fachpersonen gehen dürfe. «Entscheidend ist nicht, was KI technisch kann, sondern welchen konkreten Nutzen sie für die Patientenversorgung bringt», so Tremp.

    Ob eine solche App wie in Utah auch zu uns kommen könnte, lasse sich nicht pauschal beantworten. «In der Schweiz gibt es bereits digitale Rezeptanfragen.

    Dass KI künftig auch Rezepte ausstellt, ist denkbar. Entscheidend ist, dass die Patientensicherheit gewährleistet bleibt und die medizinische Verantwortung klar geregelt ist», so Tremp.

    Experte warnt vor ungeklärter Verantwortung

    KI-Forscher Mykola Makhortykh von der Uni Bern greift ein grundlegendes Problem auf. «Die Frage der Verantwortlichkeit im Zusammenhang mit KI ist schwierig», sagt er. Trete ein Fehler auf, sei oft unklar, wer haftet: Ist es der App-Hersteller, der Anbieter oder der Nutzer?

    Die KI-Systeme müssen laut Makhortykh hohe Transparenzanforderungen erfüllen. Nur so lasse sich im Nachhinein nachvollziehen, was zu einem Fehler geführt hat.

    Ohne Transparenz sei Rechenschaft kaum möglich. Doch das sei im Gesundheitsbereich sehr heikel, da er eng mit der Privatsphäre der Menschen verbunden ist.

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    Mykola Makhortykh arbeitet im Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Uni Bern. Er hat sich unter anderem auf Künstliche Intelligenz spezialisiert - UNE

    «Aus diesem Grund sollte der Einsatz der Technologie eine menschliche Aufsicht beinhalten.» Makhortykh denkt dabei daran, dass KI manipuliert werden kann. Und an «die Möglichkeit, ein gefälschtes Rezept zu erstellen, das eine App nicht unbedingt als unecht erkennen würde».

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    Kommentare

    User #4926 (nicht angemeldet)

    Eine Patientin ist in den USA ist gestorben, weil sie nur der KI blind geglaubt hat. Tragisch? Ja sicher. Selber schuld? Natürlich. Dumm und selber schuld.

    User #6542 (nicht angemeldet)

    Das ist die Antwort wenn man KI zur Grippe befragt: Für eine rein natürliche Behandlung der Grippe gibt es pflanzliche Arzneimittel (Phytotherapie) und bewährte Hausmittel. Pflanzliche Heissgetränke und Extrakte aus dem Roten Sonnenhut (Echinacea) oder der Kapuzinerkresse sind die direktesten natürlichen Alternativen zur Wirkung von NeoCitran.

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