Erdbebenmodell zeigt Spannungen in Kalifornien auf Rekordniveau
Die tektonischen Spannungen in Südkalifornien sind so hoch wie in den vergangenen tausend Jahren nicht. Das besagt ein Erdbebenmodell, das ein internationales Wissenschaftlerteam unter der Leitung einer Forscherin der Universität Bern erarbeitet hat.

Das Forscherteam hat die Erdbebengeschichte entlang der San-Andreas- und San-Jacinto-Verwerfungen der letzten tausend Jahre rekonstruiert. Die im «Journal of Geophysical Research: Solid Earth» publizierte Studie zeigt, dass die Plattenbewegung zu einer historisch hohen Spannungsakkumulation geführt hat.
Ein Verwerfungsknoten nahe Los Angeles spielt dabei eine wichtige Rolle, wie sich künftige Erdbeben in der Region ausbreiten. Dieses «Erdbebentor» am Cajon Pass entscheidet, ob ein Erdbeben auf ein einzelnes System beschränkt bleibt, oder auf das benachbarte übergreift, heisst es in einer Mitteilung der Universität Bern vom Montag.
Das neue Computermodell verdeutlicht, dass die Spannungen aktuell auf beiden Abschnitten sehr hoch und ähnlich konfiguriert sind. «Was uns besorgt ist nicht nur, dass die Spannungen historische Höchstwerte erreichen, sondern dass sich die relativen Spannungsbedingungen zwischen den beiden Verwerfungssystemen nun dem Bereich nähern, den wir mit grossen Erdbeben assoziieren, die beide Systeme gleichzeitig durchqueren. Und das ist ein Szenario mit deutlich grösseren Folgen für die Region», wird Studienleiterin Liliane Burkhard von der Abteilung Weltraumforschung und Planetologie am Physikalischen Institut der Universität Bern in der Mitteilung zitiert.
Ein gekoppeltes Beben hätte weitreichende Auswirkungen. Die Region umfasst dichte Ballungsräume wie Los Angeles sowie wichtige Verkehrsachsen und Energieleitungen am Cajon Pass. Die Studie ist keine Vorhersage, liefert aber wichtige Daten für die Gefahrenabschätzung und Notfallvorsorge.










