Demokraten verteidigen umkämpften Senatssitz in Michigan
Im umkämpften Bundesstaat Michigan haben die Demokraten bei der Wahl zum US-Senat Hochrechnungen zufolge ihren Sitz verteidigt. Ihr linker Kandidat Abdul El-Sayed entschied die Wahl für sich und wird der erste muslimische Senator der Vereinigten Staaten, wie die Nachrichtenagentur AP auf Grundlage von Wählerbefragungen und Stimmauszählungen meldete. Sein Parteikollege, der bisherige Amtsinhaber Gary Peters, trat bei dem Senatsrennen nicht noch einmal an.

Der 42-jährige El-Sayed gewann gegen den 63-jährigen republikanischen Kandidaten Mike Rogers. Das Rennen in dem nördlichen Bundesstaat galt landesweit als eines der spannendsten. Es wurde auch als Test dafür verstanden, inwiefern linke Vertreter der Demokraten in sogenannten Swing States Chancen auf Wahlerfolge haben. Damit sind Bundesstaaten gemeint, in denen mal Republikaner, mal Demokraten die Mehrheit holen.
Präsident Donald Trump gewann Michigan 2024, während die Demokraten gleichzeitig den damals offenen Senatssitz holten. Auch darum galt das diesjährige Senatsrennen in dem Bundesstaat als wichtiger politischer Gradmesser.
Republikaner nutzten El-Sayed als Feindbild
Für Trump und seine Republikaner war El-Sayed bei Wahlkampfauftritten das Feindbild schlechthin. Auch abseits Michigans attackierten sie ihn wieder und wieder: Sie stellten ihn als radikal linken «Kommunisten» dar, sprachen seinen Namen absichtlich falsch aus und rückten ihn in die Nähe von Islamisten. Trump selbst ging so weit, ihn als «radikalen Dschihadisten» zu bezeichnen. Auch Rogers unterstellte El-Sayed eine «extreme Ideologie».
El-Sayed bezeichnete die Angriffe als Ausdruck von Ideenlosigkeit für Antworten auf die wirklichen Probleme des Landes. «Sie denken, wenn sie meinen Namen sagen, können sie euch dazu bringen, zu vergessen, dass ihr eure Tankrechnung nicht bezahlen könnt», sagte er. Der von Trump begonnene Iran-Krieg und die in der Folge gestiegenen Spritpreise hatten die Republikaner im Wahlkampf erheblich belastet.
Parteiinterner Streit bei Demokraten auf letzten Metern
Ausgerechnet aus den eigenen Reihen kam auf den letzten Metern noch Gegenwind: Die Demokratin Haley Stevens sprach sich zwei Tage vor der Wahl überraschend für den Republikaner Rogers aus. Viele Demokraten, darunter auch enge Weggefährten, kritisierten sie scharf für das Vorgehen.
Inhaltlich ging es bei dem Streit der beiden Demokraten laut Stevens vor allem um El-Sayeds Haltung zu Israel. Der Konflikt schwelte bereits seit den parteiinternen Vorwahlen, bei denen sich El-Sayed gegen Stevens durchgesetzt hatte. Die einflussreiche proisraelische Lobbyorganisation Aipac hatte Medien zufolge versucht, El-Sayeds Kandidatur mit Wahlkampfausgaben in Millionenhöhe zu verhindern und Stevens unterstützt. El-Sayed forderte etwa einen Stopp von US-Militärhilfen an Israel, sprach von einem Genozid in Gaza und kritisierte die Siedlungspolitik im Westjordanland.
Der 42-Jährige kam als Sohn ägyptischer Einwanderer in Michigan zur Welt. Er studierte Medizin an der Columbia University und promovierte an der University of Oxford. Im Anschluss leitete er Gesundheitsbehörden in Detroit. Zu seinen Kernforderungen gehören eine allgemeine staatliche Krankenversicherung («Medicare for All»), eine stärkere Besteuerung von Superreichen, die Abschaffung der Einwanderungsbehörde ICE, Klimaschutz und bezahlbarer Wohnraum. Sein zentraler Wahlkampfslogan war: «Es sollte nicht so schwer sein, einfach nur über die Runden zu kommen.»










