9/11

Anschläge von 9/11 bleiben Schweizer Gesellschaft in Erinnerung

Keystone-SDA
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Bern,

Nicht alle Katastrophen der Vergangenheit haben sich in die Köpfe der Gesellschaft eingebrannt. Eine Ausnahme sind die Anschläge von 9/11, die durch den nachfolgenden Golfkrieg und die immer wieder gezeigten ikonischen Bilder auch in der Schweiz in Erinnerung geblieben sind.

9/11 New York
Feuerwehrleute und Rettungskräfte durchsuchen am 13. September 2001 die Trümmer des World Trade Centers in New York, USA. - keystone

Wie wohl die meisten, die damals ein gewisses Alter gehabt hätten, möge er sich noch genau an die Kamikaze-Anschläge der Al-Kaida vom 11. September 2001 erinnern, sagt der Freiburger Soziologe und Universitätsdozent Daniel Künzler auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Dies obwohl die Videoaufnahmen damals noch über das Fernsehen und nicht über Mobiltelefone verbreitet worden seien.

«Die unmittelbare Auswirkung der Videoaufnahmen der Anschläge war bei vielen eine Mischung aus Entsetzen, ungläubigem Staunen und Faszination», so Künzler. Viele hätten die Aufnahmen wieder und wieder gesehen und nicht wegschauen können.

Trotzdem glaubt Künzler nicht, dass in der Schweiz das Gefühl einer direkten Bedrohung besonders zentral gewesen sei. «Hier gab es wohl eher ein vages Gefühl, dass die Welt nicht mehr die Gleiche sein wird wie vor den Anschlägen.» Das habe sich mit dem nachfolgenden Golfkrieg manifestiert, der sicher dazu beigetragen habe, dass die Anschläge in Erinnerung geblieben seien.

Die folgenschwersten Auswirkungen, nämlich der massive Ausbau einer staatlich finanzierten privaten Sicherheitsindustrie in den USA, seien für die meisten Menschen in der Schweiz nicht wahrnehmbar gewesen.

Hierzulande sei aber als Folge sichtbar geworden, dass Menschen, die muslimisch waren oder so wahrgenommen worden seien, mit zunehmendem Misstrauen begegnet worden sei. «Es kam nicht nur zu mehr oder weniger stillen Vorwürfen, sondern auch zu einer offenen politischen Instrumentalisierung, etwa mit der Minarettinitiative», so Künzler. 9/11 habe diese antimuslimischen Ressentiments nicht ausgelöst, aber sicher befeuert.

9/11 dürfte mit der nachhaltigen Aufmerksamkeit über viele Jahre hinweg nach Auffassung des Soziologen aber wohl eher eine Ausnahme sein. «Wie oft haben Sie in den letzten Wochen an die Situation in Gaza gedacht?», fragt Künzler nach. Es begünstige das Verdrängen oder Vergessen eher, wenn die Krisen gefühlt in einer immer kürzeren Kadenz auf einen niederprasseln würden.

Auch die Erinnerung an den aktuellen Amoklauf in Aarau dürfte mit der Zeit verblassen. An 9/11 werde mit unverwechselbaren Bildern immer wieder erinnert, das halte die Erinnerung wach. «Ohne institutionelles und mediales Gedenken und mangels ikonischer Bilder wird man sich an die Tat in Aarau in 25 Jahren kaum mehr erinnern – ausser es erscheint irgendwo ein Artikel in der Presse.»

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