Made in USA: Warum Audi, BMW, Mercedes und Volvo nach Amerika ziehen
Audi baut für vier Milliarden Dollar sein erstes US-Werk, Mercedes holt den GLC nach Alabama, Volvo den XC60 nach South Carolina. Was ist Grund dafür?

Am Samstag stand Audi-Chef Gernot Döllner auf einer Wahlkampfbühne von Donald Trump in Georgia. Dort verkündete er das erste eigene US-Werk der Marke. In Deutschland baut dieselbe Marke bis zu 7'500 Stellen ab.
Audi will rund vier Milliarden Dollar in die Middle Georgia Mega Site bei Macon investieren. Geplant sind 4'500 Arbeitsplätze und bis zu 200'000 Fahrzeuge pro Jahr.
Ab Anfang der 2030er-Jahre sollen dort Q7, Q8 und Q9 entstehen. Baubeginn ist laut Audi 2027, Trump sprach von November 2026. Laut IG Metall müssen die Volkswagen-Gremien noch zustimmen.
Der Zoll als Taktgeber
Wichtigster Auslöser sind die US-Importzölle auf Autos. Fahrzeuge aus der EU belastet Washington derzeit mit 15 Prozent, zuvor waren es 25 Prozent. Audi kosteten die Zölle laut CNBC 1.2 Milliarden Euro.

Im ersten Halbjahr 2026 sanken die Audi-Auslieferungen in Nordamerika ohne Mexiko um rund 17 Prozent. BMW legte in den USA im selben Zeitraum um 4.7 Prozent zu.
Der Grund dafür steht seit 1994 in Spartanburg, South Carolina.
Spartanburg, Tuscaloosa, Ridgeville
Spartanburg ist das grösste BMW-Werk der Welt und baut die Modelle X3 bis X7 sowie den XM. Ende 2026 soll dort mit dem iX5 der erste in den USA gebaute Elektro-BMW anlaufen.
Mercedes fertigt in Tuscaloosa, Alabama, den GLE und GLS für den Weltmarkt. Neu kommt der GLC hinzu, das meistverkaufte Mercedes-Modell in den USA.

Volvo baut in Ridgeville bereits den elektrischen EX90 und den Polestar 3. Ab Ende 2026 folgt dort der XC60, Volvos weltweiter Bestseller.
Was in den USA günstiger ist
Neben dem Zoll spricht vor allem der Strompreis für Amerika. Industriestrom kostet in den USA rund 8 Cent pro Kilowattstunde. In der EU liegt der Schnitt laut einer Studie für Österreichs E-Wirtschaft bei rund 13 Cent.
Die Arbeitskosten sind laut Institut der deutschen Wirtschaft ähnlich, die Produktivität in den USA aber 44 Prozent höher. Hinzu kommen Förderpakete der Bundesstaaten: Hyundai erhielt für sein Werk in Georgia 2.1 Milliarden Dollar. Was Georgia Audi bietet, wurde bislang nicht beziffert.
Was bleibt für Europa?
Für die deutschen Werke bedeutet der Trend vor allem weniger Volumen. Bremen verliert durch den GLC-Umzug laut dem Analysehaus Inovev 60'000 bis 65'000 Autos pro Jahr.
Bei Volkswagen fehlt für Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm ab 2031 bis 2034 eine gesicherte Folgeproduktion. Der Verkehr läuft aber in beide Richtungen: Spartanburg exportierte 2025 fast 200'000 X-Modelle.

Fahren Sie in der Schweiz einen BMW X5 oder einen Mercedes GLE, sitzen Sie also bereits in einem Amerikaner. Die neuen Projekte von Audi und Mercedes zielen dagegen klar auf den US-Markt.
Die US-Werke im Überblick
- Audi, Georgia (geplant): 4 Mrd. Dollar, 4'500 Jobs, bis 200'000 Autos/Jahr; Q7, Q8, Q9 ab Anfang 2030er
- BMW, Spartanburg (SC): seit 1994; X3–X7, XM; iX5 ab Ende 2026
- Mercedes, Tuscaloosa (AL): GLE, GLS; GLC ab Ende 2027, voller Hochlauf 2029
- Volvo, Ridgeville (SC): EX90, Polestar 3; XC60 ab Ende 2026
- US-Zoll auf EU-Autos: 15 %
- Industriestrom: USA ca. 8 ct/kWh, EU ca. 13 ct/kWh











